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Die Borreliose ist ein ewiges Streitthema. Einige Ärzte sind überzeugt, dass die Krankheit als chronisches Leiden mit Allgemeinsymptomen verlaufen kann. Der Rest der Fachwelt widerspricht: Diese Theorie entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Lyme-Borreliose ist die in Europa häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit. Sie kann symptomlos verlaufen. In anderen Fällen befallen die Bakterien Nervensystem, Haut oder Gelenke und sorgen für starke Beschwerden. Das Robert Koch-Institut geht von 40.000 bis 120.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Einige Ärzte glauben, dass sich eine Borrelien-Infektion noch Jahre später als chronisches Leiden mit einer Reihe von Allgemeinsymptomen bemerkbar machen kann: Wenn die akute Phase der Erkrankung übersprungen wurde oder die Borreliose nach einer Behandlung mit Antibiotika nicht ausgeheilt ist.

Für Frank Riedel steht fest: „Die chronische Borreliose ist ein viel zu oft übersehenes Leiden.“ Riedel ist Facharzt für Allgemeinmedizin und zweiter Vorsitzender der Deutschen Borreliose Gesellschaft (DeuBo). Deren Mitlieder eint die Überzeugung, dass die Infektion mit Borrelien nicht nur akute, sondern auch chronische, multisystemische Beschwerden hervorrufen kann: ständige Abgeschlagenheit, wechselnde Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Schlafstörungen und Depressionen.

Tests sind umstritten

Kommen Patienten mit solchen Beschwerden zu Riedel, erfragt er zunächst, ob sie sich an einen Zeckenstich oder ein Erythema migrans erinnern. Die typische Wanderröte gilt als klassisches Erkennungsmerkmal der akuten Borreliose, wird allerdings, genau wie der Zeckenstich, nicht immer bemerkt. Bei einem Anfangsverdacht lässt er das Blut der Patienten mithilfe von ELISA und Western Blot auf Antikörper untersuchen. Er führt außerdem weitere Tests durch, wie den Lymphozytentransformationstest (LTT), der Hinweis auf eine aktive Infektion mit Borrelien geben soll. Dabei wird die Vermehrungsgeschwindigkeit von Lymphozyten nach dem Kontakt mit Borrelien getestet. Eine schnelle Vermehrung soll auf eine Wiedererkennung des Erregers und somit auf eine erfolgte Infektion hindeuten. Zusätzlich macht Riedel einen CD57+ Test, der Aufschluss über das Vorkommen bestimmter Killerzellen gibt. Bei einer bestehenden Infektion sei ihr Spiegel häufig erniedrigt.

Riedel ist sich bewusst, dass diese Tests umstritten und auch nicht immer zuverlässig sind. So zahlen die Krankenkassen einen LTT bei Borreliose seit Jahren nicht mehr – weil er wissenschaftlich nicht anerkannt ist, und zum Beispiel falsch positiv ausfallen kann. Auch der CD57+ Test ist keine Kassenleistung. Es gebe tatsächlich keinen eindeutigen Nachweis, der für sich allein steht, sagt Riedel. Die Testergebnisse in ihrer Gesamtheit sieht er dennoch als wichtige Indizien, die er zusammen mit der Anamnese auswertet.

Wiederholte Antibiose

Während er bei seiner Diagnose auch auf Tests setzt, die andere Kollegen ablehnen, hält Riedel den Antikörpertest nicht für hundertprozentig zuverlässig. Nach seiner Einschätzung kann hierbei in bis zu einem von zehn Fällen eine chronische Borreliose vorliegen, auch wenn die Testergebnisse negativ sind. Die Sensitivität der Tests sei mäßig, sagt Riedel, Erreger könnten versteckt im Körper persistieren. Die meisten Experten, die nicht der DeuBo (Deutsche Borreliose Gesellschaft) angehören, halten das hingegen für Unfug. Auch weil bislang nur der umgekehrte Fall bewiesen ist: Je nach Region können bis zu 20 Prozent der Bevölkerung nach einer früheren, womöglich unbemerkten Infektion noch Antikörper im Blut haben – aber keine Symptome.

Wenn Riedel glaubt, dass ein Patient an chronischer Borreliose leidet und die Infektion aktiv ist, behandelt er mit Antibiotika. Auch dann, wenn in der Vergangenheit schon einmal antibiotisch behandelt wurde. Viele Kollegen würden die Borreliose damit für austherapiert halten, sagt Riedel, er jedoch nicht. Er beruft sich unter anderem auf eine Studie von Wissenschaftlern der University of New Haven, die 2012 veröffentlicht wurde. Demnach können Borrelien aggregieren und sich mit einem Biofilm vor Antibiotika schützen.

Naturheilverfahren zur Unterstützung

Riedel arbeitet deshalb auch mit komplementärmedizinischen Verfahren, um die Antibiose zu unterstützen. Mit der Ausleitung von Schwermetallen und der Gabe von proteolytischen Enzymen oder pflanzlichen Mitteln hofft er zu verhindern, dass die Erreger den Biofilm bilden. Bei anderen Patienten vermutet Riedel keine aktive Infektion, sondern Autoimmunprozesse als Ursache der Beschwerden, die die Folge einer vorangegangenen Infektion sind. Ein Modell, dass auch Kritiker der DeuBo nicht für völlig unmöglich halten. In solchen Fällen versucht Riedel, das Immunsystem der Patienten mit naturheilkundlichen Verfahren zu stärken.

Riedel weiß, dass viele seiner Kollegen sein Vorgehen für unwissenschaftlich halten würden. „Ich bin ja schließlich auch Schulmediziner. Und natürlich steckt man in dem Dilemma, dass wenig wirklich bewiesen ist. Ich habe aber das Gefühl, wenn ich die Schulmedizin hier nicht teilweise auch mal verlasse, würde ich meine Patienten verlassen.“ Nicht immer falle die Diagnose dabei eindeutig aus, gibt Riedel zu: „Wenn die Mehrzahl der Indizien eher gegen eine chronische Borreliose sprechen, dann müssen mit dem Patienten auch andere Ursachen seiner Beschwerden erörtert werden. Auch wenn viele Borreliosepatienten zu Unrecht in die psychosomatische Ecke geschoben werden, gibt es natürlich auch den umgekehrten Fall.“

Behandlungen haben Erfolg

Was ihn bestärke, sei der Erfolg, den er mit seinen Behandlungen hat. „Ich kann sehr vielen Patienten helfen, bei drei Vierteln erziele ich ein gutes Ergebnis.‟ Viele seien geheilt, manchen ginge es einfach nur besser. In einigen Fällen helfen die Antibiotika vorübergehend, und nach einigen Monaten kommen die Beschwerden wieder. Dann müsse die Behandlung gegebenenfalls wiederholt werden. „Und natürlich gibt es auch Therapieversager.“

Ganz ähnlich wie Riedel sieht es Jan-Olaf Reinhardt, dritter Vorsitzender der DeuBo. Auch er ist Facharzt für Allgemeinmedizin und bietet zusätzlich Naturheilverfahren an. Reinhardt glaubt ebenfalls, dass viele Ärzte chronische Borreliose-Erkrankungen übersehen, weil die Erreger trotz negativem Erregernachweis unbemerkt persistieren. „Das Hauptproblem ist, dass Patienten bei einer negativen Serologie zu den Akten gelegt werden. Dabei gibt es eine große Menge Patienten, die es trotzdem haben könnten.“

Reinhardt verweist auf eine Untersuchung britischer Forscher, bei der die Sensitivität verschiedener Antikörpernachweise für Borreliose um die 60 Prozent lag. Allerdings hatten die Autoren der Studie selber angemerkt, dass für die Untersuchung nicht ausreichend zwischen frühen und späten Stadien der Erkrankung unterschieden wurde. Und dass der Antikörper-Nachweis im frühen Krankheitsstadium nicht immer gelingt, ist bekannt.

Nicht vorschnell als Psychosomatiker abstempeln

Die Diagnose der chronischen Borreliose sei zwar schwierig, sagt Reinhardt. Und es gebe „womöglich immer ein paar Fälle bei denen man sich nicht sicher ist.‟ Gerade bei multimorbiden älteren Menschen sei es nicht immer möglich, die Symptomatik klar zuzuordnen. Es sei aber ein Fehler der 5-Minuten-Medizin, komplizierte Verläufe zu ignorieren, und Patienten vorschnell als Psychosomatiker abzustempeln. Am Erklärungsmodell der DeuBo hält auch er vor allem wegen seiner Behandlungserfahrungen fest: „Ich habe viele Patienten gesehen und weiter verfolgt.“ Wie Riedel behandelt er wiederkehrende Infektionen wiederholt mit Antibiotika.

 

Der Neurologie-Professor Sebastian Rauer ist an der Universitätsklinik Freiburg tätig. Die Borreliose gehört zu den wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunktgebieten seiner Arbeit. Für ihn stellt sich die Situation genau andersherum dar, als für die „Borrelianer‟, wie die Anhänger der DeuBo-Theorie auch genannt werden. Chronische Verlaufsformen der Borreliose, die sich überwiegend durch Myalgien, wandernde Gelenkschmerzen und Antriebslosigkeit äußern, gebe es in der Regel nicht, sagt Rauer: „Fast immer, wenn eine chronische Borreliose mit ausschließlich unspezifischen Symptomen diagnostiziert wird, ist diese Diagnose falsch.“ Diese Einschätzung teilten übrigens sämtliche medizinische Fachgesellschaften – nur eben nicht die DeuBo.

Als Koordinator der interdisziplinären S3-Leitlinie Neuroborreliose der Deutschen Gesellschaft für Neurologie hat sich Rauer im Rahmen von Konsensuskonferenzen wiederholt mit Vertretern der DeuBo auseinandergesetzt. „Einig sind wir uns dabei nicht geworden“, sagt Rauer. „Die DeuBo stellt Behauptungen auf, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Es gibt ganz einfach keinen Nachweis dafür, dass chronische Borrelioseformen, wie sie die DeuBo definiert, existieren.“

Besonders starken Widerspruch ruft bei Nicht-Borrelianern die Vorstellung hervor, eine chronische Borreliose könne ohne Weiteres auch bei negativem Antikörpertest vorkommen. „Die Idee entbehrt jeder wissenschaftlichen Rationale“, sagt Rauer. Der Test auf Antikörper schlage höchstens zu Beginn einer Infektion nicht an. Bei chronischen Infektionen sei das allenfalls bei Patienten mit einem Immundefekt möglich – doch die seien extrem selten.

Spätmanifestation möglich

Spätmanifestationen, die erst lange Zeit nach einem – womöglich unbemerkten – Zeckenstich auftreten, gebe es zwar durchaus. Diese gingen aber nicht nur mit einem positivem Antikörpernachweis einher, sondern auch mit typischen Borreliosebeschwerden: Den Hautsymptomen einer Acrodermatitis chronica atrophicans, einer Lyme-Arthritis mit Gelenkanschwellung statt wandernden diffusen Gelenkbeschwerden, oder auch der Neuroborreliose mit Gehirn- oder Rückenmarksentzündungen. In Einzelfällen könne auch der Erregernachweis aus der Hautbiopsie, dem Liquor- oder Gelenkspunktat bei der Diagnose hilfreich sein, auch wenn dessen Sensitivität begrenzt sei.

Anhänger der DeuBo-Theorie argumentieren daher auch gerne, dass ein Erregernachweis nach ihrem Modell gar nicht funktionieren könne, weil die Borrelien in geringer Zahl an beliebigen Stellen im Körper persistierten. Die Behauptung, dass die Theorie richtig und nur der Nachweis schwierig sei, findet Rauer ärgerlich: „Da wird ganz einfach der Spieß umgedreht. Wenn ich eine Theorie aufstelle, die der gängigen Erfahrung widerspricht, muss ich auch sehr gute Gründe dafür haben. Und bei den gesicherten Diagnosen kennen wir keine solche Verläufe mit unspezifischen Symptomen.‟

Resistenzen noch nie beobachtet

Dass Borrelien resistent gegen Antibiotika werden, glaubt Rauer zwar eigentlich auch nicht. „Bei der akuten Borreliose haben wir noch nie eine Antibiotika-Resistenz beobachtet.“ Aber – schon allein weil Neuinfektionen denkbar seien – beim begründeten Verdacht auf eine anhaltende Borreliose könne genau wie bei einer Spätmanifestation durchaus noch einmal mit Antibiotika behandelt werden. „Wenn die Therapie aber nicht anschlägt, dann war es aber auch keine Borreliose“, sagt Rauer.

Und wenn eine Antibiotikatherapie bei unspezifischen Symptomen dennoch vorübergehend Wirkung zeigt, sei das kein Beweis dafür. Vielmehr wirke ein leichter antientzündlicher Effekt sich auch auf Myalgien aus, die durch Verspannungen, oder gereizte Faszien und Muskelsehnenansätze ausgelöst werden. „Dann könnte man aber auch Ibuprofen geben.“ Der Therapieversuch mit Antibiotika sollte in jedem Fall zwei bis vier Wochen nicht übersteigen.

Doch leider schießen die Behandlungen einer vermuteten chronischen Borreliose immer wieder über das Ziel hinaus. Zu Rauer kommen bisweilen Patienten, denen Langzeitherapien mit Antibiotika verordnet wurden – und zwar für gut 10.000 Euro als Selbstzahlerleistung. Das ist nicht nur teuer, sondern auch riskant: Es drohen erhebliche Nebenwirkungen. Andere bieten sogenannte Hitzetherapien an. „Davon ist ebenfalls abzuraten“, sagt Rauer. „Riskante Behandlungmethoden bei einem nach wie vor unbewiesenen Krankheitsmodell anzuwenden ist das, was mir am meisten Sorge macht. Es ist absolut unverantwortlich. Denn damit schadet man einfach nur den Patienten.“

Die Umgebung zu laut, die Menschen zu viel, das Licht zu grell. Viele glauben, hochsensibel zu sein. Online-Tests mit suggestiven Fragebögen bestätigen den Eindruck. Dabei fehlen nicht nur klare Definitionen für Hochsensibilität, sondern auch objektive Tests.

Hochsensibilität liegt derzeit im Trend. Wer nach entsprechender Ratgeberliteratur sucht, findet mehr als 80 deutschsprachige Treffer. In sozialen Medien häufen sich Beiträge zu dem Thema, verschiedene Websites bieten Online-Selbtsttests mit Ergebnissen innerhalb weniger Minuten an. Momentan fehlen jedoch nicht nur klare Definitionen für das Persönlichkeitsmerkmal, sondern auch objektive Tests. Wo die Grenze zur Empfindsamkeit im normalen, etwas erhöhten Rahmen überschritten wird, lässt sich nicht eindeutig sagen. Skalen zeigen nicht, was auf neurophysiologischer Ebene tatsächlich abläuft. Manche Experten lehnen das Konzept deshalb ab.

Aus Patienten werden Forscher

Dabei hat der Bias Tradition: Nach einer Operation im Jahr 1987 litt die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron laut eigenen Angaben unter starken seelischen Befindlichkeitsstörungen. Eine Therapeutin fand bei ihr nichts auffälliges. Ob es weitere Untersuchungen oder gar Diagnosen gab, bleibt unklar. Aron ging jedoch davon aus, dass sich ihre Empfindungen grundlegend vom Ottonormalverbraucher unterscheiden. Kurz darauf gründete sie zusammen mit ihrem Mann ein neues Forschungsfeld, nämlich die Hochsensibilität. Bis heute zählt das Ehepaar Aron zu den Pionieren, obwohl schon ihre erste große Arbeit Anlass zur Kritik bietet.

Basis waren sieben Serien von Interviews. Per Annonce suchten Forscher nach Probanden, die sich selbst als introvertiert, überstimuliert und überfordert bezeichneten. Sie rekrutierten 30 Psychologiestudenten und neun Künstler: eine Kohorte, die sich kaum als repräsentativer Bevölkerungsdurchschnitt bezeichnen lässt. Alle Teilnehmer wurden nach unterschiedlichen Lebensbereichen befragt, etwa zur Kindheit, zu Beziehungen, zur Weltanschauung oder zu Orten, an denen sie sich besonders wohlfühlten. Der Myers-Briggs-Typenindikator und ein Fragebogen zum Bindungsstil kamen hinzu. Auf dieser mehr als wackligen Basis entstand schließlich ein bis heute gültiger Fragebogen zur Hochsensibilität nach Elaine N. Aron. Die Forscherin hat ihr umstrittenes Tool selbst bei weiteren Interviews eingesetzt.

Allerweltsfragen zur Diagnose

Deutschsprachige Versionen sind unter www.hochsensibel-test.dewww.zartbesaitet.net oder www.hochsensibilitaet.ch zu finden. Viele der Fragen sind sehr allgemein formuliert. Ein Großteil aller Teilnehmer würde die entsprechenden Punkte wahrscheinlich ankreuzen:

  • Ich scheine schmerzempfindlich zu sein.
  • Lärm ist mir unangenehm.
  • Mein Traumleben ist mir wertvoll.
  • Harmonie ist mir wichtig.
  • Mit meiner beruflichen Situation bin ich glücklich und zufrieden.
  • Ich meide Fernsehsendungen und Spielfilme mit Gewaltszenen.
  • Es bringt mich leicht aus der Fassung, wenn ich in kurzer Zeit viel erledigen muss.

Wer bewusst oder unbewusst Teil der hochsensiblen Community sein möchte, wird den Fragebogen dementsprechend ausfüllen. Die Prophezeiung erfüllt sich quasi von selbst. Manche Tests wie www.zartbesaitet.net  geben in der rechten Spalte suggestiv an, wo die richtigen Kreuzchen gesetzt werden sollten. Das Symbol (+++) steht den Autoren zufolge für einen Hinweis auf hochsensible Persönlichkeiten und ist auf den ersten Blick erkennbar. Ohne jegliche Verblindung verlieren Scores ihren Wert.

Fragwürdige Fragebögen

Nicht nur Laien arbeiten gern mit Fragebögen. Auch Wissenschaftler bedienen sich dieser Instrumente und fördern dabei wenig Erhellendes zu Tage. David E. Evans vom H. Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute in Tampa, Florida, arbeitete mit einer Stichprobe von 297 Studierenden. Er und sein Team fanden außer den – wie sie schreiben – „negativen Affekten“ wie Angst, Ärger oder Traurigkeit auch die „ästhetische Sensitivität“, also die Feinfühligkeit in Bezug auf neue Sinnesreize.

Karin Sobocko, Forscherin an der Carleton University im kanadischen Ottawa, bestätigt diese Erkenntnis. Sie arbeitete mit Daten von insgesamt 272 Probanden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht alle sensiblen Verarbeitungssensitivitäten mit unerwünschten Lebensereignissen verbunden sind“, schreibt die Expertin. Das heißt, Hochsensibilität auf Leiden zu reduzieren, ist zu kurz gesprungen. „Manche Menschen haben vielfältige Interessen und profitieren von neuen Sinneseindrücken.“ Es ist schwer, sich darunter etwas Konkretes vorzustellen.

Empfindlicher auf chemische Reize?

Forscher untersuchen nicht nur die sensorische oder ästhetische Sensibilität. Margrit Schreier von der Jacobs University Bremen hält eine Assoziation zwischen Hochsensibilität und multipler Chemikaliensensibilität (MCS) für recht wahrscheinlich. Personen mit MCS reagieren auf geringe Mengen bestimmter Substanzen, etwa in der Umwelt, in Gebäudeinnenräumen oder in Kosmetika. Als typische Symptome nennt das Umweltbundesamt (UBA) Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Atemprobleme, Symptome des Magen-Darm-Traktes und weitere Störungen diverser Organsysteme. Basis von Schreiers Studie war eine Kohorte mit 113 Personen. Die Forscherin arbeitete sowohl Fragebögen zur Hochsensibilität (HSP Scale, Adult Temperament Questionnaire) als auch zur MCS (Adult Temperament Questionnaire) aus.

Andere Experten sehen Zusammenhänge zwischen Hochsensibilität und Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). In seinem Buch „Zart besaitet – Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen“ beschreibt Georg Parlow, Vorsitzender des Vereins „zartbesaitet“ für hochsensible Menschen, weitere somatische Auffälligkeiten, nämlich überaus viele Allergien, häufigere Reaktionen auf Arzneistoffe und öfter auftretende Stresskrankheiten.

Elaine Aron erklärt, Hochsensibilität sei nicht dasselbe wie Introversion, Neurotizismus oder Schüchternheit. Im Unterschied dazu spricht der deutsche Psychologe Jens Asendorpf bei Hochsensibilität sogar von einer Unterklasse des Neurotizismus. Einmal mehr zeigt sich, wie schwammig die Begrifflichkeiten sind.

„Schonraum erhalten, ohne als krank gelten zu müssen“

Zu den Kritikern gehört Dr. Andreas Meißner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus München. „Das Konzept erinnert stark an den Begriff des Burnout, der es ebenso ermöglicht, Schonraum zu erhalten, ohne als krank gelten zu müssen“, fasst der Experte zusammen. Durch neue – wie er es nennt – „Störungsetiketten“ werde indirekt die gewünschte Rücksichtnahme eingefordert.

Meißner zufolge gebe es keine eindeutigen Forschungsergebnisse, um hochsensible Personen per se klar abzugrenzen. Von Fragebögen hält er wenig: „Zu vage und zu beliebig sind die zahlreich angeführten Eigenschaften, in denen sich mühelos die meisten Leser wiederfinden können.“

„Die Gruppe der Hochsensiblen mag es geben, eine neue Diagnose nach ICD oder DSM wird aus dem Begriff der Hochsensibilität jedoch nicht entstehen“, so Meißner. Vielmehr handele es sich um ein „wohl überflüssiges Störungskonzept“. Er verweist auf bestehende Möglichkeiten der Psychotherapie, um gezielt Angststörungen  oder Depressionen zu therapieren, sollten diese Beschwerden eine zentrale Rolle einnehmen.

Die Neurobiologie betritt Neuland

Gehirnaktivitäten bei Hochsensibilität
(A) bis (D): Austausch von Bildern glücklicher Partner gegen glücklicher Fremder: (A) Anteriore Inselregion, (B) somatosensorische Cortex, (C) ventrales tegmentales Areal (VTA), (D) dorsolateraler präfrontaler Cortex (DLPFC); (E) bis (F): Austausch von Bildern trauriger Partner gegen trauriger Fremder: (E) Inselrinde (Insula), (F): ventrales tegmentales Areal (VTA) © Bianca P. Acevedo et al., CC BY 3.0

Von neurobiologischer Seite kommt derzeit jedenfalls keine große Hilfe. Bianca P. Acevedo, Forscherin an der University of California, Santa Barbara, zeigte zusammen mit Elaine und Arthur Aron, dass es im Gehirn auffällige Vorgänge gibt: Gemeinsam untersuchten sie 18 Probanden mit Hochsensibilität laut klassischer Skala per funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT). Mit dem Verfahren lassen sich Durchblutungsänderungen von Hirnarealen und damit neuronale Aktivitäten sichtbar machen.

Acevedo präsentierte ihren Studienteilnehmern unterschiedliche Portraits. Tauschte sie Aufnahmen fremder Personen gegen Fotos des Partners, wurden bestimmte Gehirnregionen (Pfeile; Bild links) stärker aktiviert als bei Personen ohne Hochsensibilität. Einge Jahre zuvor fand Jadzia Jagiellowicz von der Stony Brook University New York ebenfalls Hinweise im fMRT, die dafür sprachen, dass als hochensibel eingeschätzte Probanden Details und Feinheiten in Bildern anders bzw. stärker wahrnehmen als Probanden, die als nicht hochsensibel einstuft wurden. Jedoch liefern bislang weder Acevedo noch Jagiellowicz Argumente, die ein neues Krankheitsbild rechtfertigen würden.

Düsteres Duett: Depression und Diabetes

 
Diabetiker leiden doppelt so häufig an einer Depression wie der Rest der Bevölkerung. Schuld daran ist häufig die diabetische Erkrankung selbst. Sie wird als sehr belastend empfunden. Jetzt gibt es neue Therapie-Angebote von speziell ausgebildeten Psychodiabetologen.

Diabetes und Depressionen sind eng miteinander verknüpft. „Jeder dritte Diabetespatient weist eine erhöhte psychische Belastung auf und läuft Gefahr, eine Depression zu entwickeln“, sagt Professor Bernd Kulzer, Leiter des Forschungsinstituts der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim. „Und jede achte bis zehnte Person mit Diabetes leidet an einer klinischen Depression.“ Damit kommen Depressionen bei Menschen mit Diabetes doppelt so häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung.

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft etwa 800.000 Menschen, die sowohl an einem Diabetes, als auch an einer klinischen Depression erkrankt sind. „Eine aktuelle Studie konnte zeigen, dass das Suizidrisiko bei Diabetes im Vergleich zu der Allgemeinbevölkerung etwa 50 Prozent erhöht ist, besonders jüngere Männer mit Typ-I-Diabetes sind gefährdet. Hochgerechnet auf Deutschland bringen sich täglich mehr als zwei Personen mit einer Depression und Diabetes um, jährlich über 800 Menschen – eine viel zu hohe Zahl“, sagt Kulzer.

Antriebslosigkeit fördert schlechte Blutzuckerwerte

Doch nicht allein die überdurchschnittlich hohe Suizidrate erhöht die Sterblichkeit von Diabetes-Patienten mit Depressionen. Auch die niedergeschlagene Stimmung und die Antriebslosigkeit können das Fortschreiten des Diabetes beschleunigen und die Krankheitssymptome verschlechtern.

 

Eine Depression führt über die Aktivierung der Hypophysen-Nebennieren-Achse zu einer Erhöhung entzündlicher Prozesse an den großen und kleinen Blutgefäßen. „Das wiederum fördert die Entstehung weiterer Folgeerkrankungen etwa an Nerven, Augen, Füßen oder Nieren“, erklärt Kulzer. Dazu gehören beispielsweise die diabetische Neuropathie und Retinopathie, der diabetische Fuß und die diabetische Nephropathie.

Direkte Folgeerkrankungen eines fortgeschrittenen Diabetes wie Schlaganfall und Herzinfarkt sind die Hauptgründe für ein doppelt so hohes Sterblichkeitsrisiko für Menschen mit Diabetes und Depressionen im Vergleich zu Diabetes-Patienten ohne Depressionen. Das belastet nicht nur die betroffenen Patienten und ihr persönliches Umfeld, sondern auch das Gesundheitssystem: So steigen die Behandlungskosten durch die Mehrfach-Therapie von Diabetes, Depression und Folgeerkrankungen um 50 bis 90 Prozent. Denn depressive Diabetikern fehlt oft der Antrieb, sich ihrer Erkrankung entsprechend zu ernähren, ihren Blutzuckerspiegel im Auge zu behalten und entsprechende therapeutische Maßnahmen einzuleiten, wenn der Blutzuckerspiegel entgleist. Ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel erhöht wiederum das Risiko für diabetische Folgeerkrankungen.

Nur jede zweite Depression bei einem Diabetiker wird erkannt

Die Dunkelziffer für Diabetiker mit Depressionen liegt vermutlich deutlich höher als die Zahlen der Statistik. „Die Diagnose wird viel zu selten gestellt“, so Kulzer. Ein Grund dafür: Körperliche Symptome stehen im Arzt-Pateinten-Gespräch oft im Vordergrund. Doch auch der Hausarzt kann auf ein verändertes Verhalten achten: Ein Alarmzeichen sei beispielsweise, wenn der Patient die Diabetes-Therapie als sehr viel belastender als bisher empfindet. 

Diabetes ist für die Betroffenen, auch wenn sie nicht unter einer Depression leiden, eine allgegenwärtige Belastung. Bei jeder Nahrungsaufnahme und jeder körperlichen Anstrengung müssen Diabetiker an ihren Blutzuckerspiegel denken. Diesen müssen sie regelmäßig selbständig messen und dokumentieren. Sie müssen ein Gefühl für die richtige Dosierung ihrer Medikamente entwickeln, um sowohl eine Über- als auch eine Unterzuckerung zu vermeiden.

Fehler können sowohl psychisch als auch physisch sehr belastend sein. „Dies kann besonders dann sehr stressig und depressionsfördernd sein, wenn neben dem Diabetes noch andere Belastungen im Leben vorhanden sind, negative Erlebnisse wie Unterzuckerungen oder Folgeerkrankungen auftreten oder Menschen wenig Unterstützung im Umgang mit dem Diabetes erfahren“, sagt Kulzer.

Neu: Psychotherapeutische Sprechstunde für Diabetiker

Empfinden Patienten ihre Diabetes-Therapie als große Last, die sie mehr Energie als gewöhnlich kostet, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Depression sein. Dann könne professionelle Hilfe laut Kulzer guttun.

Seit Beginn des Jahres gibt es für die Betreuung depressiver Diabetiker ein neues Angebot: „Diabetespatienten, die unter depressiven Verstimmungen leiden, erhalten seit dem 1. April dieses Jahres schnell einen Termin in der neu eingeführten psychotherapeutischen Sprechstunde“, sagt Andrea Benecke, Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Grundsätzlich könne aber jeder niedergelassene Psychotherapeut depressiv erkrankte Menschen mit Diabetes behandeln.

„Ziel einer Therapie ist eine gefestigte psychische Verfassung, die eine Rückkehr zu einem verlässlichen Selbstmanagement des Diabetes ermöglicht, was sich wiederum in einem stabilen HbA1c-Wert ausdrückt“, sagt Andrea Benecke. Erfährt der Patient wieder Erfolgserlebnisse, schwächen sich tiefer liegende, negative Muster nach und nach ab und die Diabetesbehandlung wird nicht mehr als schwere Lebensbürde empfunden.

Neue Fortbildung für Psychotherapeuten

Um die psychologische Betreuung von Diabetikern mit Depressionen zu verbessern, wurde auf dem 30. Deutschen Psychotherapeutentag dieses Jahr in Hannover der Rahmen für die Fortbildung „Spezielle Psychotherapie bei Diabetes“ geschaffen. Sie soll Psychotherapeuten auf die besonderen Bedürfnisse von depressiven Diabetikern vorbereiten.

„Es ist wichtig, die psychische Seite des Diabetes viel mehr als bisher zu beachten und für die Betroffenen künftig angemessene Therapieangebote zur Prävention und Behandlung von psychischen Erkrankungen zur Verfügung zu stellen“, sagt Prof. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG.

Seit Jahrzehnten wird Propranolol als Betablocker eingesetzt. Neue Studien deuten darauf hin, dass es auch bei anderen Krankheiten indiziert sein könnte. Ein Start-Up-Unternehmen aus den USA plant sogar, das Medikament bei Angst vor öffentlichem Reden zu verschreiben.

Haben Sie Angst, Vorträge vor Kollegen zu halten? Rast Ihr Herz und zittern die Hände? Dann könnte sich vielleicht Propranolol eignen. Kick, ein Startup aus San Francisco, plant, Patienten nach einer Online-Sprechstunde Rezepte für den Betablocker auszustellen.

Die Pille wirke wie Magie; Leute, die sie benutzt haben, sagen, ihre Angst vor dem öffentlichen Reden sei verschwunden. Das berichtet der Kick-Gründer und CEO Justin Ip. „Es handelt sich um einen preiswerten Arzneistoff mit wenigen Nebenwirkungen und mit langjährigen Erfahrungen zur Off-Label-Anwendung.“

 

„Schmutziger“ Betablocker mit Potenzial

Tatsache ist, dass Propranolol seit Jahrzehnten verordnet wird. Pharmakologen sprechen von einem „schmutzigen“, sprich unselektiven Betablocker. Propranolol bindet an β1– und β2Adrenozeptoren. Zu den klassischen Indikationen zählen arterieller Hypertonien, Herzinsuffizienzen oder die koronare Herzkrankheit. Auch bei der Migräneprophylaxe verordnen Neurologen den alten Wirkstoff. Hinzu kommen Ösophagusvarizen, Hyperthyreosen oder Glaukome. Damit sind die Möglichkeiten lange noch nicht ausgeschöpft, wie einige Veröffentlichungen zeigen.

Patienten schwitzen Blut und Wasser

Vor wenigen Wochen berichtete Roberto Maglie, Arzt an der Uni Florenz, von einer jungen Patientin mit Hämhidrose. Dabei scheidet unser Körper Blut über den Schweiß aus. Wahrscheinlich ist die Ursache eine angeborene oder erworbene Schwäche der Gefäßwände zusammen mit einer Hypertonie. Aber auch bei groß empfundener Angst kann es womöglich zum Platzen feiner Hautgefäße und zur Ausscheidung des Blutes mit dem Angstschweiß kommen. Die Redewendung „Blut und Wasser schwitzen“ lässt sich daher vermutlich auf dieses Krankheitsbild zurückführen. Im Fall der jungen Patientin sei es nach der Gabe von Propranolol gelungen, die Symptome deutlich zu reduzieren. Während sich Ärzte hier zu Lande noch im Rahmen bekannter Indikationen bewegen, hat Propranolol deutlich größere Potenziale.

Anwendung beim Hautkrebs-Rezidiv

Dazu gehört die Möglichkeit, Melanom-Rezidive zu verhindern. Bei dieser Indikation fehlen bislang geeignete Wirkstoffe. Kürzlich hat Vincenzo De Giorgi von der Uni Florenz Daten einer Kohortenstudie veröffentlicht. Er rekrutierte 79 Patienten mit malignen Melanomen der Stadien IB bis IIIA ohne Hinweise auf Metastasen. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 63 Jahre alt. 53 von ihnen erklärten sich mit der Studienteilnahme einverstanden. Weitere 26 wurden aufgrund von Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten gegen Propranolol oder aufgrund der Ablehnung ausgeschlossen.

Ärzte fragten Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose, ob sie bereit wären, 80 mg Propranolol off label ergänzend zur leitliniengerechten Therapie einzunehmen. 19 Personen signalisierten ihre Zustimmung und wurden in die Propranolol-Gruppe (PROP) aufgenommen. Wer die ergänzende Behandlung ablehnte, konnte sich alternativ über die Kontrollgruppe (No-PROP) beteiligen. Diese Zuordnung ist methodisch als größte Schwäche der Arbeit zu bewerten.

Nach drei Jahren schritt die Krebserkrankung bei 14 Patienten (41,2 Prozent) in der No-PROP-Gruppe weiter voran. In der PROP-Gruppe betraf dies nur drei Patienten (15,8 Prozent). Ohne Propranolol starben sechs Patienten, davon fünf aufgrund ihres Melanoms. In der Gruppe mit adjuvanter Therapie waren es zwei Patienten, wobei ein Todesfall direkt mit der Krebserkrankung in Verbindung stand.

Im nächsten Schritt korrigierte De Giorgi prognostische Faktoren aufgrund von Unterschieden beider Gruppen zu Studienbeginn. Er fand heraus, dass Propranolol-Gaben ab dem Zeitpunkt der Diagnose invers mit Melanom-Rezidiven assoziiert ist. Die Medikation verringerte das Risiko signifikant um zirka 80 Prozent. Nach drei Jahren zeigte sich auch ein Trend zur geringeren Mortalität unter dem Wirkstoff. Hier waren die Unterschiede zwischen beiden Gruppen aber nicht statistisch signifikant.

Welche Effekte sich auf molekularer Basis abspielen, könnte eine Arbeit von Eric V. Yang, Forscher am Ohio State University Medical Center, erklären. Er untersuchte in vitro Melanom-Zelllinien. Auf deren Oberfläche fand Yang vermehrt Adrenozeptoren. Noradrenalin führte zur Bildung von Proteinen, welche die Metastasierung fördern. Dazu gehören die Interleukine IL-8 und IL-6 sowie der Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF). Nach Zugabe von Propranolol stagnierte deren Expression.

Auch beim Hämangiom hilfreich

Auf einem ganz anderen Mechanismus basiert die Verwendung von Propranolol bei Hämangiomen. Diese speziellen Tumoren der Blutgefäße kommen vor allem in jungen Jahren vor. Zwischen drei und zehn Prozent aller Säuglinge entwickelt „Blutschwämme“, wobei sich viele Läsionen wieder von selbst zurückbilden.

Dabei handelt es sich keineswegs um ästhetische Probleme. Große Hämangione am Auge können die Sehkraft schwächen. Sind die Atemwege, allen voran die Subglottis betroffen, droht Lebensgefahr. Nach mehreren Zufallsentdeckungen setzen Kinderärzte verstärkt auf den Wirkstoff.

James R. Dornhoffer, Forscher an der University of Arkansas, vermutet, dass Propranolol Komponenten des Renin-Angiotensin-Aldosteron (RAA)-Systems herunterreguliert. Deren Expression ist in betroffenem Gewebe erhöht. Dadurch würden angiogene Prozesse verhindert, schreibt Dornhoffer. Fragen zum Mechanismus bleiben trotzdem offen.

Umso klarer ist der Mehrwert aus ärztlicher Sicht. Das bestätigte zuletzt Tyler Schwartz vom Medical College of Wisconsin, Milwaukee, anhand einer aktuellen Metaanalyse. Er konzentrierte sich auf besonders gefährliche Hämangiome der kindlichen Atemwege. Von 49 Patienten erhielten 28 nur Propranolol und 28 Propranolol plus Kortikosteroide. In einem Fall kam zur Kombinationstherapie noch eine Laserexzision mit hinzu. Zu Beginn waren die Atemwege um durchschnittlich 69 Prozent verengt. Nach 7-monatiger Therapie lag der Wert nur noch bei 32 Prozent.

Randomisierte, kontrollierte Studien zeigen unabhängig von der Lokalisation hohe Ansprechraten von bis zu 88 Prozent. Der Wirkstoff ist in Deutschland zur Therapie schwerer Verlaufsformen zugelassen.

Es gibt auch Grenzen

Bei aller Euphorie hat Propranolol aber auch mögliche Schattenseiten. Shuchi Mittal von der Harvard Medical School und vom Brigham and Women’s Hospital in Boston fand Hinweise auf bislang unbekannte Risiken.

Er arbeitete eigentlich an einem ganz anderen Thema: Es ging um die Frage, welche häufig verordneten Arzneistoffe die Bildung oder den Abbau von Alpha-Synuclein beeinflussen. Ablagerungen dieses Proteins in Lewy-Körperchen stehen mit Morbus Parkinson in Verbindung. Das Team nahm Daten von 1.000 üblichen Medikamenten unter die Lupe. Patienten, die lange Zeit hinweg Propranolol benötigten, erkrankten mehr als doppelt so häufig an Alzheimer wie Norweger ohne diese Medikation. Assoziationsstudien dieser Art belegen zwar keine Kausalität, geben aber Impulse für weitere Forschungsprojekte.

Invasive Pilzinfektionen, etwa durch Candida albicans, sind für immungeschwächte Patienten eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr. Durch die Entdeckung sogenannter Vav-Proteine könnten Risikopatienten in Zukunft vorbeugend behandelt und Todesfälle verhindert werden. Normalerweise schützt ein kompliziertes Sicherheitssystem den Körper nicht nur gegen Viren und Bakterien sondern auch gegen Pilze. Im Rahmen der angeborenen Immunantwort werden die unterschiedlichsten Pilzarten von Makrophagen, dendritischen Zellen und neutrophilen Granulozyten fast immer schnell identifiziert, attackiert und binnen weniger Stunden beseitigt. Pilze tragen auf ihrer Zellwand bestimmte Strukturmerkmale, die die Immunzellen mithilfe spezieller Rezeptorproteine als körperfremd erkennen. Diese Interaktion setzt eine Signalkaskade in Gang, die die Immunzellen zur Produktion von Zytokinen und anderen Abwehrstoffen anregt. Signalweg reguliert Pilzabwehr Vor etwas mehr als zehn Jahren konnten Forscher um Jürgen Ruland, Direktor des Instituts für klinische Chemie und Pathobiochemie der Technischen Universität München, zum ersten Mal eine dieser für die Pilzbekämpfung wichtigen Signalkaskaden genauer charakterisieren. Dabei identifizierten sie das Protein Card9 als zentralen Bestandteil der Pilzabwehr. So leiden Menschen ohne funktionsfähiges Card9 massiv an Pilzinfektionen. „Nur wenn dieses Protein im Körper vorkommt, kann eine Immunreaktion ausgelöst werden, die dafür sorgt, dass die Pilzzellen zerstört werden“, sagt Ruland. Auf welche Weise die Rezeptorproteine jedoch Card9 nach der Pilzerkennung aktivieren, blieb ungeklärt. Nun haben Ruland und sein Team weitere Mitspieler der Signalkaskade gefunden. Wie die Forscher in einem Artikel im Fachmagazin Cell Reports berichten, müssen die sogenannten Vav-Proteine aktiv werden, bevor Card9 seine Funktion überhaupt ausüben kann. Im menschlichen Körper kommen drei dieser Proteine vor – Vav1, Vav2 und Vav3. Sie sind an vielen zellulären Prozessen beteiligt, bei denen die Weiterleitung von Signalen eine wichtige Rolle spielt. Genveränderte Mäuse sind anfälliger für Pilzinfektionen Rulands Team kam den Vav-Proteinen auf die Spur, als es Immunzellen aus der Maus mit Pilzbestandteilen vermischte und anschließend mithilfe biochemischer Methoden alle Proteine isolierte, die von den für die Pilzerkennung zuständigen Rezeptorproteine direkt aktiviert wurden. Anschließend untersuchten die Forscher bei Mäusen, wie diese auf eine Infektion mit dem bei Menschen häufig vorkommenden Hefepilz Candida albicans reagieren. Für ihre Experimente verwendeten Ruland und seine Mitarbeiter gentechnisch veränderte Tiere, die jeweils eines oder mehrere der Vav-Proteine nicht mehr produzieren konnten. Nachdem die Forscher die Tiere mit dem Hefepilz infiziert hatten, zeigte sich, dass die genveränderten Mäuse weniger Abwehrstoffe als normale Mäuse herstellten und sich in ihren Nieren die Erreger angesiedelt hatten. © J. Ruland Nierengewebeschnitte von normalen Mäusen (li.) und genveränderten Mäusen (Mitte). In der Vergrößerung (re.) sind die fadenförmigen Hefepilze gut zu erkennen. © J. Ruland Die Veränderungen waren umso ausgeprägter je mehr der einzelnen Vav-Proteine ausgefallen waren. „Wenn man Vav1 oder Vav2 ausschaltet, können die anderen beiden diesen Ausfall kompensieren. Fällt Vav3 aus, gelingt das nicht ganz so gut“, erklärt Ruland. „Funktioniert jedoch keines der drei Proteine mehr, dann ist die Abwehrschwäche massiv und die Tiere sterben nach wenigen Tagen, wenn sie sich mit einem Pilz infizieren.“ Wie die Vav-Proteine mit Card9 im Detail interagieren, konnten er und seine Mitarbeiter allerdings in dieser Studie nicht klären. Dass die Vav-Proteine für die angeborene Immunantwort gegen Pilzinfektionen auch bei Menschen wichtig sind, konnte Rulands Team in Kooperation mit Mihai Netea von der Radboud Universität in Nimwegen anhand von Patientendaten zeigen: Bei 227 Menschen, die an einer Infektion mit Candida-Hefepilzen erkrankt waren, war im Vergleich zu 176 nichterkrankten Menschen eine bestimmte Genvariante überproportional häufig vertreten. Diese sorgt dafür, dass Vav3 in einer leicht veränderten Form auftritt. „Auch bei Menschen scheint Vav3 wichtiger für die Pilzabwehr zu sein als die beiden anderen Mitglieder der Vav-Proteinfamilie“, sagt Ruland. Prophylaktische Behandlung bestimmter Patienten Er kann sich vorstellen, dass das Wissen über solche Varianten die Diagnostik von Risikopatienten verbessern könnte: „Immungeschwächte Patienten, die solche Veränderungen tragen, könnten engmaschiger beobachtet werden oder in bestimmten Situationen prophylaktisch antifungale Medikamente erhalten, um Pilzinfektionen zu verhindern.“ Als nächsten Schritt möchte Ruland noch genauer die Mechanismen des Card9-abhängigen Signalwegs und anderer ähnlicher Signalwege erforschen: „Viele Hinweise deuten darauf hin, dass diese Signalwege nicht nur für die normale Abwehr wichtig sind, sondern auch bei entzündlichen Erkrankungen überaktiv sind und auch bei einigen Tumorarten.“ Andere Experten halten die neue Studie für einen erheblichen Fortschritt: „Dank der neuen Ergebnisse verstehen wir noch besser, wie das Immunsystem auf Pilzinfektionen reagiert“, sagt Oliver Kurzai, Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen am Leibniz-Institut in Jena. „Es ist eine große Stärke der Studie, dass Ruland und sein Team nicht nur im Mausmodell sondern auch bei Patienten zeigen konnten, dass die Vav-Proteinen einen Einfluss auf die Pilzabwehr haben.“ Angriffspunkt für zielgerichtete Medikamente? Kurzai findet ebenfalls, dass es sinnvoll ist, bestimmte Patientengruppen auf das Vorliegen von Vav-Varianten zu untersuchen, um sie gegebenenfalls vorbeugend zu behandeln. Seiner Ansicht nach eröffnen die neuen Erkenntnisse auch Möglichkeiten, um Substanzen zu entwickeln, mit deren Hilfe man eines Tages in diese Signalwege eingreifen und die Immunabwehr verstärken kann. „Pilze sind wichtige Sepsis-Erreger und verursachen viele Todesfälle. Neben einer besseren Diagnostik könnten auch zielgerichtete Medikamente dabei helfen, diese zu vermeiden“, so Kurzai. Quelle: Vav Proteins Are Key Regulators of Card9 Signaling for Innate Antifungal Immunity. Susanne Roth et al., Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2016.11.018; 2017 Artikel von

Patienten mit einer Herzinsuffizienz sollen zur Leistungssteigerung körperliches Training absolvieren. Sportmediziner fanden nun heraus, dass nicht die Trainingsform entscheidend ist, sondern ob die Patienten dabei qualifiziert betreut wurden. Die Herzinsuffizienz zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Obwohl sich die Lebenserwartung von Herzinsuffizienz-Patienten in den vergangenen Jahren verbessert hat, verstirbt dennoch etwa die Hälfte innerhalb von vier Jahren nach der Diagnose. Bei der Behandlung der Herzmuskelschwäche stand lange Zeit die medikamentöse Therapie ganz klar im Vordergrund. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat ein langsames Umdenken eingesetzt. Körperliches Training soll medikamentöse Therapie unterstützen Immer mehr Ärzte sehen im körperlichen Training eine Möglichkeit, den Herzmuskel zusätzlich zu stärken. „Medikamente sind die absolute Basis der Behandlung, darauf kann man nicht verzichten, aber körperliches Training macht die Patienten belastbarer und reduziert die Zahl weiterer Krankenhausaufenthalte“, sagt Martin Halle, ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der Technischen Universität München. „Das körperliche Training stärkt das Herz durch eine verbesserte Herzmuskelfunktion. Die Blutgefäße erweitern sich und es bilden sich zudem neue Blutgefäße.“ Nun haben er und ein internationales Team im Rahmen einer größeren klinischen Studie untersucht, wie sich unterschiedliche Formen von körperlichem Training auf das geschädigte Herz von Patienten mit einer Herzinsuffizienz auswirken. Wie die Forscher in einem Artikel im Fachmagazin Circulation mitteilen, konnten Patienten mit einem moderaten Ausdauertraining die gleichen Verbesserungen ihrer Herzleistung erzielen wie mit einem Intervalltraining bei hoher Intensität. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu einer früheren Studie mit kleiner Teilnehmerzahl, die eine Überlegenheit des Intervalltrainings gezeigt hatte. An der aktuellen Studie nahmen 261 Probanden an neun Kliniken in Europa teil. Die Studienteilnehmer litten alle an einer Herzmuskelschwäche mit mittelschwerer bis schwerer Symptomatik und wurden in drei Gruppen eingeteilt. Überwachtes Training nur in den ersten zwölf Wochen Die erste Gruppe trainierte alleine zu Hause und besuchte alle drei Wochen ein Fitnesszentrum, um dort moderat zu trainieren. Die zweite und die dritte Gruppe trainierte dreimal pro Woche unter Überwachung in einem Fitnesszentrum. Von diesen beiden Gruppen trainierte dabei wiederum die eine Gruppe auf moderate Weise mit 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz, die andere Gruppe intensiv im Rahmen eines Intervalltrainings mit 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Alle Probanden führten ihr jeweiliges Trainingsprogramm zunächst über zwölf Wochen durch und erhielten dann von den Medizinern um Halle die Empfehlung, das Training in den folgenden 40 Wochen fortzuführen, ohne in diesem Zeitraum überwacht zu werden. 202 von 261 Patienten absolvierten die kompletten 52 Wochen, die anderen Patienten schieden aus verschiedenen Gründen vorzeitig aus der Studie aus. Training verbessert Sauerstoffaufnahme Zu Beginn der Studie, nach 12 und nach 52 Wochen, maßen die Mediziner bei allen Probanden Größe und Pumpleistung der linken Herzkammer sowie die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität. Patienten, die an einem überwachten Training teilnahmen, egal, ob moderat oder intensiv, waren nach zwölf Wochen leistungsfähiger als diejenigen, die alleine trainierten. „Wir konnten bei diesen Patienten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten“, sagt Halle. „Sowohl die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität als auch ihre allgemeine körperliche Verfassung verbesserten sich ebenfalls.“ Er und die anderen Mediziner konnten zu ihrer Überraschung jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität und einem Ausdauertraining bei moderater Intensität feststellen. Warum das so ist, kann Halle momentan noch nicht erklären, da gesunde Menschen mit einem Intervalltraining größere Effekte erzielen als mit einem moderaten Ausdauertraining. Trainingsbereitschaft der Patienten verringert sich Die Anzahl von ernsten Zwischenfällen war bei den Patienten, die mit hoher Intensität trainierten, höher als bei den Patienten, die moderat trainierten. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Um diesen Aspekt mit einer genügend großen statistischen Aussagekraft zu beurteilen, werden deshalb Studien mit einer noch größeren Patientenzahl benötigt. Solange die Frage, ob Intervalltraining mit hoher Intensität genauso sicher ist, nicht eindeutig beantworten werden kann, empfiehlt Halle Herzinsuffizienz-Patienten ein moderates Ausdauertraining. Am besten sollten die Patienten dabei unter Betreuung durch ausgebildete Fachkräfte trainieren. Im Rahmen der Studie zeigte sich nach 52 Wochen, dass die Patienten aus den beiden anfangs überwachten Gruppen ihre im Vergleich zu den alleine trainierenden Patienten erzielten Leistungsverbesserungen nicht aufrecht halten konnten. Halle hofft, dass die Ergebnisse der aktuellen Studie dazu beitragen, dass mehr Patienten mit einer Herzmuskelschwäche als bisher mit einem körperlichen Training beginnen. Er schätzt, dass sich momentan maximal 20 Prozent dieser Patienten in Deutschland sportlich betätigen. Patienten haben Wahl zwischen verschiedenen Trainingsformen Andere Experten bewerten die Untersuchung von Halle und seinen Kollegen positiv: „Die Studie ist methodisch gut gemacht und die Ergebnisse ergeben Sinn“, sagt Josef Niebauer, Leiter des Instituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin des Universitätsklinikum Salzburg. Warum das Intervalltraining nicht besser abschneidet als das moderate Ausdauertraining, dafür hat Niebauer eine einfache Erklärung: „Herzinsuffizienz-Patienten sind krank und limitiert, die werden durch körperliches Training ihre Leistungsfähigkeit verbessern, fast egal, was sie tun.“ Das, so der Sportmediziner, sage letztendlich die Studie aus, und das sei auch eine gute Botschaft für alle Patienten, die, wenn sie wollten, vielfältig trainieren könnten und sich nicht auf eine bestimmte Trainingsform beschränken müssten. Präventionszentren fehlen Nach Ansicht von Niebauer zeigt die Studie aber auch ganz klar, dass es nicht damit getan ist, die Patienten für kurze Zeit unter Aufsicht trainieren zu lassen und diese dann sich selbst zu überlassen. Hier sieht er einen grundsätzlichen Fehler im deutschen Gesundheitssystem: „Bei einer medikamentösen Therapie kontrolliert der behandelnde Arzt regelmäßig, ob beim Patient ein Arzneimittel weiterhin wirkt oder ob dessen Dosierung geändert werden muss“, erklärt Niebauer. „Wir müssen deshalb eine Infrastruktur mit genügend Präventionszentren schaffen, die die Patienten regelmäßig aufsuchen und wo sie unter fachkundiger Überwachung therapiegetreu trainieren können. Am besten kombiniert mit einem finanziellen Belohnungssystem, das die Patienten zusätzlich motiviert.“ Eigentlich, so Niebauer, brauche es keine weiteren Studien, um das zu beweisen, denn es sei mittlerweile klar, dass regelmäßiges sportliches Training die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten nicht nur bei Herzinsuffizienz, sondern auch bei vielen anderen Krankheiten deutlich verbessere.

Wer früher in jungen Jahren an Darmkrebs erkrankte, galt als Ausnahme. Nun zeigen US-amerikanische Studien, dass immer mehr junge Erwachsene von der Krankheit betroffen sind. Eine Erklärung könnte Übergewicht im Jugendalter sein. Noch in den 1970er Jahren galten Darmkrebserkrankungen vor dem 50. Lebensjahr als Ausnahmefall. Das hat sich geändert: US-amerikanische Studien zeigen, dass immer mehr junge Erwachsene von der Krankheit betroffen sind. Auch das Rektumkarzinom tritt immer häufiger bei Menschen zwischen 30 und 50 Jahren auf. Ein Grund dafür könnte die Zunahme von stark übergewichtigen Jugendlichen sein. Darmkrebsrisiko in 40 Jahren verdoppelt Eine amerikanische Studie, die im Februar 2017 veröffentlicht wurde, zeigte: Wer im Jahr 1990 geboren wurde, hat ein doppelt so hohes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken wie Menschen, die um das Jahr 1950 zur Welt kamen. Das Risiko, an einem Rektumkarzinom zu erkranken, ist für die 1990 Geborenen sogar viermal so hoch. Aktuell sind in den USA etwa 3 von 10 Menschen, bei denen ein Rektumkarzinom diagnostiziert wird, jünger als 55 Jahre. Steigende Inzidenz bei Menschen unter 50 seit 1986 Die Studie erfasste die Kolonkarzinom-Inzidenz zwischen 1974 und 2013 und nutzte Daten von 490.305 Erwachsenen mit Kolonkarzinom aus der SEER-Datenbank (Surveillance, Epidemiology and End Results). Vor den frühen 1980er Jahren nahm die Inzidenz für Menschen unter 50 Jahren ab – für Menschen über 50 jedoch zu. Ab dem Jahr 1986 verzeichnete das Studienteam eine Trendwende: Von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende des Beobachtungszeitraums im Jahr 2013 sank zwar die Inzidenz für Kolonkarzinome bei Personen, die älter als 55 waren. Bei den 20 bis 29-Jährigen stieg sie jedoch um 2,4 % pro Jahr, bei den 30 bis 39-Jährigen um 1 % pro Jahr. Welches Thema vermisst du in den DocCheck News? Noch dramatischer stellte sich die Situation für die jüngeren Erwachsenen beim Rektumkarzinom dar: Hier zeichnete sich eine Zunahme der Krebsfälle für junge Erwachsene bereits zu Beginn des Beobachtungszeitraums (ab 1974) ab. So stieg die Inzidenz pro Jahr bei den 20 bis 29-Jährigen um 3,2 %. Aufklärungskampagnen für Ärzte und Patienten gefordert Die logische Konsequenz für die Studienautoren lautet: „Wir brauchen Aufklärungskampagnen für Ärzte und für die Bevölkerung, die darauf hinweisen, dass Darmkrebs auch für jüngere Erwachsene ein Thema ist“, so Studienleiterin Rebecca Siegel von der American Cancer Society. Frühe Diagnosen seien gerade bei jungen Menschen ausschlaggebend für eine erfolgreiche Therapie. Um dem Trend der frühen Erkrankungen entgegenzusteuern, schlägt Siegel eine flächendeckende Aufklärung vor, die die Wichtigkeit einer gesunden Ernährungsweise und eines aktiven Lebensstils betont. Außerdem sollte das Mindestalter für Krebsvorsorgeuntersuchungen überdacht werden. Neben Tabakrauch gelten Übergewicht und eine ballaststoffarme Ernährung als Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs. Israelische Soldatenrekrutierung liefert wertvolle Gesundheitsdaten Eine Studie aus Israel bestätigt, dass Fettleibigkeit im Jugendalter einer der Hauptrisikofaktoren für das Auftreten von Darmkrebs vor dem 50. Geburtstag sein könnte. In Israel besteht für alle jungen Männer und Frauen Wehrpflicht. Zwischen 16 und 19 Jahren, meistens mit 17 Jahren, werden im Zuge der Musterung unter anderem Körpergröße und Gewicht erfasst. Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben nun den Body-Mass-Index von 1.087.358 Männern und 707.212 Frauen ermittelt, die in den Jahren 1967 und 2002 gemustert wurden. Die Zahlen glichen sie mit späteren Einträgen im Krebsregister des Landes ab, dort werden auch alle Darmkrebserkrankungen in Isreal erfasst. Im Beobachtungszeitraum von median 23 Jahren erhielten 1.977 Männer und 990 Frauen die Diagnose Darmkrebs. Überdurchschnittlich viele der Betroffenen waren zum Zeitpunkt der Musterung übergewichtig oder gar fettleibig gewesen. Für übergewichtige oder adipöse Jugendliche ergab sich so ein um 50 % erhöhtes Risiko, unter 50 Jahren an einem Kolonkarzinom zu erkranken. Beim Rektumkarzinom waren die Zahlen noch erschreckender: Adipöse männliche Teenager wiesen ein um etwa 70 % erhöhtes Risiko auf, daran zu erkranken, fettleibige Mädchen sogar ein um 100 % erhöhtes Risiko. Fettleibigkeit könnte ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs sein. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jede 3. Frau adipös. Fettleibigkeit könnte ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs sein. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jede 3. Frau adipös. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jeder 3. Mann adipös. In den dunkelgrün markierten Staaten ist bereits etwa jeder 3. Mann adipös. Die israelische Studie weist jedoch ein paar Schwachpunkte auf: Zum einen kann sie nicht klären, welche Faktoren (wie etwa Bewegungsmangel, Stoffwechselstörungen oder Ernährungsparameter), die bei den Jugendlichen zu Übergewicht oder Fettleibigkeit geführt hatten, für die Entstehung der Krebserkrankungen verantwortlich sind. Zum anderen waren die Studienteilnehmer zum Ende des Beobachtungszeitraumes erst durchschnittlich 49 Jahre alt und hatten den Altersgipfel für Darmkrebs noch nicht erreicht. Die Datenlage könnte sich also im Laufe der nächsten Jahre noch verändern und die beobachteten Assoziationen könnten sich somit als nicht mehr schlüssig erweisen. Auch familiäre Vorbelastungen wurden in der Studie nicht erfasst. Muss Deutschland umdenken? Laut Angaben des Robert Koch-Institutes erkrankten Frauen in Deutschland im Jahr 2010 im Mittel mit 75 Jahren an Darmkrebs, Männer mit 71 Jahren. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erhielt die Diagnose nach dem 70., und nur etwa 10 % vor dem 55. Lebensjahr. Ob sich der Trend zu einer frühen Darmkrebserkrankung und die Assoziation zu Adipositas und Übergewicht im Jugendalter auch in Deutschland zeigen wird, bleibt abzuwarten. Laut Angaben der Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) waren hierzulande im Jahr 2014 bereits 21,9 % der erwachsenen Bevölkerung adipös – Tendenz steigend. Im Moment tragen die gesetzlichen Versicherungen die Kosten einer Koloskopie als Darmkrebsvorsorge ab dem 56. Lebensjahr. Ist der Befund unauffällig, ist eine Nachfolgeuntersuchung auf Kosten der Kassen frühestens 10 Jahre danach möglich. Zwischen dem 50. Und dem 55. Lebensjahr bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen einen fäkalen Okkultblut-Test pro Jahr. Ob diese Altersgrenzen angesichts der veränderten Erkrankungsstatistiken noch sinnvoll sind, sollte hinterfragt werden. Quellen: Colorectal cancer incidence patterns in the United States, 1974-2013; Rebecca L. Siegel et al.; AJ Natl Cancer Inst, doi: 10.1093/jnci/djw322; 2017 Adolescent body mass index and risk of colon and rectal cancer in a cohort of 1.79 million Israeli men and women: A population-based study. Zohar Levi et al.; Journal of the National Cancer Institute, doi: 10.1002/cncr.30819; 2017

Bei Behandlungsfehlern klären häufig außergerichtliche Schlichtungsstellen die Streitigkeiten zwischen Arzt und Patienten. Experten kritisieren dabei, dass Fehler nicht systematisch erfasst werden, denn nur dann könne man aus ihnen lernen. Der Fehler war eindeutig: ein vergessener Tupfer führte bei einer 47-jährigen Patientin zu einer Entzündung in der Bauchhöhle, zu Schmerzen und zur Entfernung des rechten Ovars. Die Frau wandte sich an die Schlichtungsstelle Nord für Arzthaftpflichtfragen – und bekam Recht. Gutachter und Schlichtungsstelle befanden das Vorgehen als „vermeidbar fehlerhaft“ und die Schadenersatzansprüche für begründet. Die Schlichtungsstelle empfahl eine außergerichtliche Regelung, im Klartext: kein Richter, aber Geld. Schlichtungsstelle klärt Streit zwischen Patient und Arzt Dieser Fall ist einer von rund 4.100 Anträgen, die die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern jedes Jahr bearbeitet. In ihr sind die Landesärztekammern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig Holstein und Thüringen zusammengefasst. Ziel ist es, Streitigkeiten zwischen Arzt und Patienten außergerichtlich zu klären. „Die Schlichtungsstelle bewertet die vom Patienten vorgeworfene vermeintlich fehlerhafte Behandlung“, sagt Geschäftsführerin Kerstin Kols: „Was der Patient angibt, ist meist nur eine sehr kurze Schilderung des Sachverhalts. Er weiß vieles oft nicht, wie der Verlauf im Krankenhaus im Einzelnen war, und welche Ärzte beteiligt waren.“ Das Ausmaß an Fehlern ist nicht bekannt Wie häufig Ärzte in Deutschland Fehler machen und in welchem Ausmaß, ist nicht bekannt. Allenfalls gibt es Schätzungen: Von rund 12.000 nachgewiesenen Behandlungsfehlern geht das Robert-Koch-Institut aus, eine Annahme aus dem Jahr 2001. Was vor Gericht verhandelt oder von Versicherungen und Leistungserbringern entschädigt wird, taucht in keiner Statistik auf; allein die Schlichtungsstellen und die Gemeinschaft der Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) und des GKV-Spitzenverbands (MDS) sammeln ihre eigenen Fallzahlen. 15.094 fachärztliche Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern haben die Medizinischen Dienste im Jahr 2017 erstellt. Max Skorning, Leiter Patientensicherheit bim MDS, fordert eine Meldepflicht für Behandlungsfehler. Max Skorning, Leiter Patienten-sicherheit beim MDS, fordert eine Meldepflicht für Behandlungsfehler. Auswertung von Behandlungsfehlern: Ein Muss „Es ist ein Unding“, sagt Max Skorning, Leiter der Patientensicherheit beim MDS, „dass selbst entschädigte Behandlungsfehler nicht systematisch erfasst werden. Wir fordern, dass Fälle von anerkannten ärztlichen Behandlungsfehlern gesammelt und ausgewertet werden müssen, um daraus zu lernen und sie künftig besser zu vermeiden.“ Das könne auch anonym geschehen, fügt der Experte hinzu. „Stellen Sie sich vor, in der Luftfahrt passiert ein Unfall, es werden ein paar Passagiere verletzt, die werden entschädigt, und damit wäre die Sache erledigt“, so Skorning. „Es gäbe keine Nachforschung und keine Dokumentation, andere würden nichts davon erfahren. Das wäre nicht möglich in der Luftfahrt. Die Probleme, die man kennt, werden stattdessen systematisch präventiv angegangen, damit der Fehler eben nicht noch einmal passiert.“ Und weiter: „Klare, schwerwiegende Fehler und auch leicht zu vermeidende Fehler, die auffallen und sogar entschädigt werden, verschwinden einfach als Einzelfälle im Aktenschrank.“ Er glaube deshalb, dass man Fehler kennen muss, um daraus lernen zu können. Man wisse zudem, dass die meisten Behandlungsfehler nicht vorgeworfen werden oder gar nicht auffallen. Eine Verwechslung von Medikamenten zum Beispiel: „Vielleicht fällt es dem Patienten sogar auf, doch aufgrund seines insgesamt schlechten Gesundheitszustands entscheidet er sich dazu, keinem einzelnen Fehlerverdacht nachzugehen“, sagt Skorning. „Wir haben also ohnehin eine hohe Dunkelziffer.“ Plädiert für außergerichtliche Einigung: Kerstin Kols. Die Juristin Kerstin Kols plädiert für außergerichtliche Einigung zwischen Arzt und Patient. Viel Aufwand für wenig Erkenntnis Kols sieht eine solche Meldepflicht skeptisch. Sie befürchtet einen hohen Verwaltungsaufwand für wenig neue Erkenntnisse, die Fehler seien bekannt. Schließlich hätten die Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen die Daten, sammeln diese und werten sie für die Ärzteschaft aus. „Eine Evaluation Ende 2016 mit dem Basisjahr 2011 hat belegt , dass sich nach unseren Bewertungen im Schlichtungsverfahren bei mehr als 85 Prozent der Fälle keine gerichtliche Auseinandersetzung mehr zwischen Arzt und Patient anschließt. Das Ergebnis wird offenbar ganz überwiegend von den Beteiligten akzeptiert“, so Kols. In den übrigen 15 Prozent der Fälle seien Klagen erfolgt, davon seien 60 Prozent so entschieden worden wie die der Schlichtungsstelle vorgeschlagen, 24 Prozent kamen zu einem anderen Urteil. Die restlichen Gerichtsverfahren seien noch anhängig. Experten überprüfen die Fälle Insgesamt gesehen dauerten Prüfungen von Arztfehlern durchschnittlich 16 Monate, sagt die Juristin: „Wird ein Vorwurf an uns herangetragen, so sieht sich zunächst einer unserer 68 Fachärzte den Fall an und es wird nach einem längeren Abstimmungsprozess mit allen Beteiligten ein Gutachter beauftragt. Wenn dieses zurückkommt, wird es mit der Möglichkeit zur Stellungnahme an alle Beteiligten verteilt. Diese schauen, ob es ihrer Ansicht nach Widersprüche oder Fehler gibt. Danach geht das Gutachten mit allen Stellungnahmen zu unserem ehrenamtlich tätigen Arzt, der sich alles noch einmal anschaut und im Hinblick auf inhaltliche Plausibilität hin prüft.“ Schließlich werde ein Entwurf der abschließenden Bewertung gefertigt, der von einem Juristen hinsichtlich der juristischen Fragestellungen ergänzt werde. Erst wenn Arzt und Jurist sich einig seien über das unverbindliche Ergebnis des Votums, erfolge die Versendung der Unterlagen an den Patienten, den Arzt bzw. das Krankenhaus und an den Haftpflichtversicherer, so Kols. „Auf diese Weise ist allen gedient“, sagt die Juristin. „Für den Patienten ist unser Verfahren gut, um eine kostenfreie qualitativ hochwertige Einschätzung zu bekommen, für den Arzt ist es ein Verfahren, das ihn nachhaltig vor schwieriger, langwieriger und kostenintensiver Auseinandersetzung schützt. Ein Vorwurf hat ja auch immer mit Reputationsverlust zu tun.“ Der Verlust von Ansehen und der Schaden könnten immens sein, gerade auch, wenn es eine Diskussion in der Öffentlichkeit gebe. „Wir lösen den Fall sachlich und objektiv, erklären, was passiert ist, und bereinigen damit auch viele Emotionen“, sagt Kols weiter. Jeder Eingriff eine Körperverletzung Emotionen spielen nicht nur auf Patientenseite eine Rolle – Ärzte sind laut Skorning oft unsicher in Bezug auf ihre Haftbarkeit: „Ein Fehler muss immer nachgewiesen werden und zwar vom Patienten, nicht vom Arzt. Zusätzlich muss der Patient einen Schaden nachweisen, der von dem Fehler ausgelöst worden ist. Und der Fehler muss nachweislich, nicht nur mit hoher Wahrscheinlichkeit, diesen Schaden ausgelöst haben.“ Die gefürchtete Beweislastumkehr, dass nämlich der Arzt nachweisen müsse, dass der Schaden nicht durch seinen Fehler ausgelöst worden sei, gebe es vor allem im Fall des seltenen „groben Behandlungsfehlers“, so Skorning. „Das wird nur relevant, wenn ein Fehler so eindeutig gegen ärztliche Standards oder Sorgfaltspflichten verstößt, dass es nur noch Kopfschütteln auslöst. Dass nicht mal ein Fehler vorliegt, der Arzt aber trotzdem haften muss, wie gelegentlich verbreitet wird, das gibt es nicht.“ Grundsätzlich sei jeder ärztlicher Eingriff eine Körperverletzung, sagt der Experte. Sie werde dadurch entschuldigt, dass der Patient aufgeklärt wird, einwilligt oder ein Notfall vorliegt, zum Beispiel bei einem Bewusstlosen. Man könne von einer Einwilligung ausgehen, etwa wenn der Eingriff zur Lebensrettung erforderlich ist. Wäre der Patient aber aufgeklärt worden, hätte nicht eingewilligt, und trotzdem wäre eine ärztliche Maßnahmen durchgeführt worden, dann sei dies natürlich eine Körperverletzung, die auch strafrechtlich relevant werden könne, so Skorning. Das alte Bild vom Gott in Weiß „Strafverfahren gegen Ärzte sind aber eine Rarität“, sagt er, „der Großteil der Verfahren ist im zivilrechtlichen Haftungsbereich angelegt. Da geht es nicht um Strafe, sondern darum, ob der Arzt bzw. seine Berufshaftpflichtversicherung eine Entschädigung zahlt.“ Davor, Fehler zuzugeben, sollten Ärzte keine Angst haben, im Gegenteil. In einer Kultur, in der wir wüssten, dass Fehler gemacht würden, sollten Ärzte selbstverständlich zu diesen stehen, ebenso wie auch die Haftpflichtversicherung einspringen und selbstverständlich den Schaden entschädigen sollte, so Skorning. „Das Problem ist historisch gewachsen. Es gibt noch immer dieses alte Bild vom Arzt als Gott in Weiß, der keine Fehler macht. Doch Ärzte sind Menschen, sie machen Fehler, gerade auch in der Kommunikation in der Zusammenarbeit in Teams passiert das.“ Meldepflicht für vermeidbare Ereignisse Dabei gebe es, sagt Skorning, eindeutige medizinische Fehler, wie etwa eine Seitenverwechselung. „Da muss nicht medizinisch begutachtet werden, ob links links und rechts rechts ist. Hier ist einfach ein Fehler passiert – und davon erfährt oft außer den Beteiligten niemand“, so Skorning. Der MDS wolle, dass Fehler bekannt gemacht würden, damit man bestmöglich wisse, wo und welche Präventions- und Sicherheitsmaßnahmen vorgenommen werden müssten. „Wir fordern deshalb eine Meldepflicht für vermeidbare, unerwünschte Ereignisse. Das ist ein feststehender medizinischer Begriff und bedeutet in der Regel nichts anderes als juristisch ausgedrückt ‚Behandlungsfehler mit resultierendem Schaden‘. Diese Fälle müssen ausgewertet werden. Gehen zum Beispiel die Zahlen von Seitenverwechslungen oder von zurückgebliebenen Tupfern zurück? Oder steigen sie möglicherweise sogar an? Das weiß in Deutschland kein Mensch.“

Tausende bewerben sich jährlich vergeblich auf einen Medizinstudienplatz. Die meisten müssen lange warten – manchmal mehr als sieben Jahre. Jetzt prüft das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, ob der Numerus clausus als Auswahlkriterium gegen das Grundgesetz verstößt. Mit der Frage, ob der Numerus clausus als Zulassungsvoraussetzung für das Medizinstudium mit dem Grundgesetz vereinbar ist, befasst sich derzeit das Bundesverfassungsgericht. Der Grund: Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen fand, die bisherige Regelung verstoße gegen das Grundgesetz und wandte sich an die oberste gerichtliche Instanz. InsiteFollowMap Philips Healthcare Die Richter in Karlsruhe holen derzeit die Meinungen von Hochschulen, Verbänden und Gewerkschaften ein, am 4. Oktober wird es dann eine öffentliche Anhörung geben. Studienplätze der Humanmedizin sind begehrt: Im Wintersemester 2014/2015 bewarben sich rund 43.000 Bewerber auf 9.000 Studienplätze, so das Gericht, die Wartezeit betrage 15 Semester – das sind mehr als sieben Jahre. „Derzeit vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung die Studienplätze für die Studiengänge Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie im Zentralen Vergabeverfahren,“ sagt Verena Hoppe, Sprecherin des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und somit des Verwaltungsgerichts: „20 Prozent der Studienplätze werden in der Abiturbestenquote, weitere 20 Prozent der Studienplätze in der Wartezeitquote und 60 Prozent der Studienplätze im Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben.“ Innerhalb der Abiturbestenquote bestehe keine bundeseinheitliche Notenrangliste, so Hoppe, es werde für jedes Bundesland getrennt eine eigene Notenrangliste aufgestellt. „Das Abitur wird bundeseinheitlich von allen Ländern als Studienberechtigung anerkannt. Der Verzicht auf eine bundeseinheitliche Notenrangliste aber wird damit begründet, dass die unterschiedlichen Schulsysteme zu einer Verzerrung der Konkurrenz führen könnten“, so die Sprecherin. Knackpunkt Abiturbestenquote Die Abiturbestenquote ergibt sich aus den besten Noten und, bei gleicher Note, der Wartezeit. „Die Stiftung für Hochschulzulassung stellt nun für jedes Bundesland getrennt eine Rangliste auf“, erklärt Pressesprecher Patrick Holtermann: „Die für die Abiturbesten verfügbaren Studienplätze jeder Universität werden addiert und nach einem festgelegten Schlüssel auf die einzelnen Bundesländer aufgeteilt. Um diese Plätze konkurrieren die Abiturienten, die in diesem Bundesland Abitur gemacht haben. Am Ende dieses Auswahlverfahrens stehen dann 16 manchmal unterschiedliche Auswahlgrenzen (Landes-NC).“ Durch dieses Verfahren werde gewährleistet, dass nur Studienbewerber eines Landes miteinander konkurrieren, die unter gleichen Lehrplanbedingungen ihre Studienberechtigung erworben haben, sagt Holtermann: „Jede der drei Hauptquoten besitzt ihre eigene Systematik. Landesquoten kommen nur beim Prozess der Abiturbestenquote zum Einsatz.“ Nicht vergleichbar und ungerecht Die Richter in Gelsenkirchen sehen in der jetzigen Regelung gleich mehrere Kritikpunkte. Zum Einen befanden sie, die Abiturnoten seien bundesweit nicht vergleichbar, so dass es unterschiedliche Landesquoten brauche, damit das System gerecht sei. Diese Aussage bezieht sich aber auf das eigene Auswahlverfahren der Hochschulen, die keine Landesquoten bilden, sondern 60 Prozent der Studienplätze über Abiturbestenquote und der Wartezeitquote vergeben. Zum Zweiten kritisiert das Verwaltungsgericht, dass die Abiturnote selbst eine zu große Rolle bei der Auswahl geeigneter Bewerber spielt. Zudem stellten sie infrage, ob die Rechtssprechung insgesamt fortentwickelt werden müsse: Das Bundesverfassungsgericht hatte zuletzt 1972 entsprechende Kriterien ausgearbeitet auf der Grundlage des in Art. 12 Abs. 1 Satz 1 GG gewährleisteten Rechts auf freie Wahl des Berufes. Daraus resultierte ein Recht auf Zulassung zum Hochschulstudium und die Auflage, die Auswahl der Bewerber müsse sachgerecht sein und jedem eine Chance bieten. Die Abinote ist nicht alles Die Gelsenkirchener Richter stehen damit nicht allein da: Der Deutsche Hochschulverband (DHV) etwa hält die derzeitige prädominante Orientierung an der Abiturnote für nicht zielführend: „Die Durchschnittsnoten der Abiturzeugnisse differieren in den Bundesländern um bis zu einer halben Note“, so Sprecher Matthias Jaroch. Eine Landesquote auch bei den Hochschulen solle die Differenz ausgleichen. Zudem möchte der DHV persönliche Auswahlgespräche einführen, damit neben den intellektuellen Fähigkeiten auch die soziale und empathische Kompetenz geprüft werde: „Die Studienmotivation und die charakterliche Eignung, die für ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis erforderlich ist, können durch die Abiturdurchschnittsnote allein nicht abgebildet werden“, meint Jaroch. Status quo unzumutbar Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) findet, die Wartezeitquote erfülle zwar das Grundrecht auf freie Berufswahl, es könne aber bei einer Wartezeit von mittlerweile 13 Semestern kaum noch von zumutbaren Kriterien gesprochen werden. „Das aktuelle Verfahren der Wartezeitquote muss also dringend in ein anderes Verfahren überführt werden, das für Medizinstudium gut geeignete Bewerber schon frühzeitig erkennt“, sagt Isabel Molwitz, Vizepräsidentin für Externes. „Gute Abiturnoten gehen nicht zwangsläufig mit guten Studienleistungen einher, auch wenn ein Zusammenhang zwischen der Abiturdurchschnittsnote und dem erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums besteht“, so Molwitz. Die bvmd lehne die Abiturbestenquote ab, da so keine Aussage über die Eignung zum Medizinstudium getroffen werden könne. „Wir fordern daher schon seit Jahren eine grundlegende Reform des Auswahlverfahrens zum Medizinstudium, weg von der bisherigen Vergabe der Studienplätze in den drei Quoten, hin zu einem einheitlichen Auswahlverfahren unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien, dass allen Bewerbern mit Hochschulzulassung eine faire Chance einräumt“, sagt Molwitz. Bitte nicht einfrieren Ähnlich sieht es der Marburger Bund: „Der stark gestiegene NC und die zunehmende Zahl notwendiger Wartesemester haben berechtigte Zweifel an der bisherigen Studienplatzvergabe im Fach Humanmedizin hervorgerufen“, sagt Sprecher Hans-Jörg Freese. Er plädiert für eine neue Quote, bestehend aus Abiturnote und Auswahlverfahren der Hochschulen. „Darin sollen die Ergebnisse des Schulabschlusses niedriger und Auswahlkriterien mit entsprechender Aussagekraft, wie beispielsweise Sozialkompetenz und Motivation, stärker und möglichst bundeseinheitlich berücksichtigt werden“, so Freese. Der Marburger Bund halte es auch versorgungspolitisch für problematisch, die Studienkapazitäten auf einem Niveau einzufrieren, wie es Mitte der 1980er Jahre in der Zeit vor der Deutschen Einheit bestand. Nehme man diesen Stand zum Maßstab, so müssten heute unter Einbeziehung der medizinischen Fakultäten in den ostdeutschen Bundesländern rechnerisch mindestens 16.000 Plätze pro Jahr zur Verfügung stehen. „Stattdessen gibt es gegenwärtig jährlich etwa 10.600 Plätze für Studienanfänger“, sagt Freese, „dabei wächst der Ersatzbedarf an Ärzten von Jahr zu Jahr, nicht nur wegen des allgemeinen demografischen Wandels, sondern vor allem auch wegen der Ruhestandswelle, die auf die Ärzteschaft zurollt, wenn die Babyboomer-Generation in zehn bis 15 Jahren aus dem Beruf ausscheidet.“ Der Marburger Bund ist für eine Erhöhung der Anzahl der Studienplätze um mindestens zehn Prozent. Gute Lösung – in weiter Ferne Die bvmd macht es konkret: Zusammen mit dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) hat sie ein Konzept zur Reform der Zulassung erarbeitet. „Die bisher bestehenden drei Quoten für die Abiturbesten, das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) und die Wartezeitquote sollten zu einer zentralen deutschlandweiten Auswahlstufe zusammengeführt werden,“ heißt es in der aktuellen Pressemitteilung der bvmd vom 23. August 2017. Gemeinsam schlagen sie vor, bei der Auswahl in unterschiedlicher Gewichtung die Abiturdurchschnittsnote, Studierfähigkeitstest (TMS, HAM-Nat), berufspraktische Erfahrung oder einen staatlich anerkannten Freiwilligendienst zu berücksichtigen. Für diese Kriterien würden jeweils Punkte vergeben und daraus eine bundesweite Reihenfolge der Bewerber erstellt. Für Tausende Bewerber, die aktuell auf einen Studienplatz hoffen, ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht: „Nach der Anhörung am 4. Oktober gehen sicher noch einige Monate ins Land, bevor das Bundesverfassungsgericht zu einem Urteil kommt“, sagt Pressesprecher Michael Allmendinger. Umgesetzt werden müsste es anschließend dann auch noch. Besonders begrüße ich den Ansatz der Studierfähigkeits-Tests, sowie des freiwilligen, anerkannten Jahres. solches läuft durchaus schon lange in Groß-Britannien und die Studenten werden somit zuerst in die harten Fakten der Realität geführt. Vor über 40 Jahren galt ein mehr- jähriges Arbeiten als Vorexamen ,durch Praxis in einer Apotheke, auch als Voraussetzung für das Pharmazie-Studium. Schade, dass dies abgeschafft wurde! Dass es im Leben wirklich um Menschen und Heilung geht, wurde doch eher vergessen. Bei aller Liebe zu modernen Möglichkeiten heute, es sind beides, der Arzt und der Apotheker, Heilberufler, nicht Hier wird ja viel die Empathie des Arztes angesprochen aber so gut wie gar nicht die Abgrenzfähigkeit. Empathie hin oder her, das allein macht auch keinen guten Arzt und übermäßige Empathie kann sogar hinderlich sein. Ich kann nicht mit jedem Patienten mitleiden, irgendwo muss eine klare Grenze gezogen werden zwischen Patientenleid und eigener Person. Empathie ist gut aber kann genau so hinderlich sein. Es ist tatsächlich schwierig zu definieren was einen guten Arzt ausmachen und erst recht vorher zu sehen ob ein 18 oder 19 Jähriger Bewerber (oder halt 20 oder 30 wenn später Einsteiger) einmal zu einem heranreifen kann. Viele Sachen sind nämlich erlernbar und auch verlernbar. Am Schluss wird es nie 100% “Fair” sein es sei denn man will puren Zufall und lost ALLE Studienplätze aus. Außerdem, relativieren wir mal bitte ETWAS den NC der Medizin mit dem Mythose “nur die besten” bekämen einen Platz… Ich hab meinen mit 1,4 an der Wunschuni bekommen. Regensburg nahm jahrelang z.T. bis 1,8. Über Losverfahren, Wartesemester und andere Wege waren Leute mit 3,5 in meinem Jahrgang. Und dann gibt es ja noch den Weg Privatuni oder Im Ausland beginnen (Ungarn, Estland, Österreich sind Beliebt) und dann nach Deutschland wechseln. Klar, das ist kein direkter Weg aber gangbare Wege die nicht selten gegangen werden. Was man vorher nicht im Abi gezeigt hat kann man so durchaus auf anderen Wege zeigen sag ich da nur. Es gibt weniger Plätze als Leute die es gern machen wollen. Es wird also immer eine Mehrheit leer ausgehen (zu Recht) und die werden sich dann zu unrecht beschweren. Irgendwie muss man fest machen wer eine Chance bekommt, einfach mehr Plätze würde die Qualität der Lehre vernichten und noch dazu das Problem nur weiter nach hinten verschieben. Ich finde gut, wenn derjenige der die beste Leistung gebracht hat den Platz bekommt – das ist das einzig faire gegenüber denen die leer ausgehen. Empathie ließe sich höchstens bei Auswahlgesprächen mittels simulation erproben, selbst da sehr subjektiv, ist aber kostenaufwändig und es muss dafür auch eine vorauswahl geben – in Göttingen werden 3x so viele zum gespräch geladen wie plätze da sind, nach Abi. Also bis 1,2. Ich fände es gut einen einheitlichen Eignungstest zu haben und Boni für zusätzliches Engagement wie zB Ehrenamt, am besten wäre das für die vorauswahl und dann würde im auswahlgespräch mit simulationspatienten die finale auswahl getroffen werden. Mein abi habe ich nur mit dem Ziel medizin zu studieren gut gemacht sonst wäre es mir auch egal gewesen und ich persönlich glaube nicht dass fächer wie geschichte einen einfluss auf die eignung für medizin haben. Die Problematik ist wie bei so vielen Sachen viel tiefgreifender, als es im ersten Augenblick erscheint. Nur zu sagen, dass die Vergabe der Plätze nach der Abiturnote ungerecht und schlecht ist, reicht leider nicht. In den Kommentaren wurde oft gesagt: Lasst die motivierten Leute endlich ins Studium, die fehlen in den Kliniken! Nur warum fehlt das Personal? Weil die Arbeitsbedingungen für das medizinische Personal in Deutschland unter aller Kanone sind. Das gilt nicht allein für die Ärzte-Pflegepersonal, Therapeuten etc. Das Gesundheitssystem ist so konstruiert, dass ein Krankenhaus wirtschaftlich arbeiten muss. Möglichst wenig Personalkosten, Patienten als Fallpauschalen. 60-Stunden-Wochen, Dienste, dazu Dokumentationspflicht bis zum Umfallen. Da kann man noch so motiviert ins Studium einsteigen-die Realität sieht einfach anders aus. Kein Wunder also, dass hintenraus die Ärzte fehlen. Es müsste also grundsätzlich mal was am Gesundheitssystem geändert werden, und da habe ich von der Landarztproblematik noch nicht einmal begonnen. Dann wandern die deutschen Ärzte vielleicht nicht reihenweise ins Ausland ab. Zum eigentlichen Thema des Artikels: Wie in anderen Kommentaren schon richtig gesagt wurde: EIN Medizinstudienplatz kostet über 6 Jahre über 120.000 Euro. Die logische Konsequenz also: möglichst wenig Abbrecher im Studium. Nun können die Studenten mit 3,0er Abi und Wartezeit so empathisch sein wie sie wollen-sie sind die Gruppe, die am häufigsten abbricht oder Prüfungen nicht schafft. Und die Gründe sind verständlich! 6 Jahre aus der Schule, wohlmöglich alle Naturwissenschaften abgewählt-und dann plötzlich in der Vorklinik die volle Dröhnung Physik, Chemie, Biologie, Physiologie, Biochemie? Dazu wohlmöglich Kinder und Teilzeit immer noch im alten Job, weil Eltern oder Bafög als Unterstützung fehlen? Die Studienplatzvergabe über die Note ist momentan also die beste Absicherung für geringe Abbruchquoten. Dennoch bin ich dafür, nicht nur 1,0 Kandidaten ins Studium zu lassen. Es sollte meiner Meinung nach tatsächlich eine Vergabe über einen Aufnahmetest in Kombination mit einem Auswahlgespräch erfolgen-allerdings ist das ein organisatorischer Wahnsinn. Zu Aufnahmetests ähnlich es TMS bleibt aber auch zu sagen: wer in der Schule gerade so das Abitur geschafft hat, wird nicht wie durch ein Wunder auch in diesem Test gut abschneiden. Letztendlich werden auch hier die guten Schüler ausgesiebt werden-wobei aber alle die gleiche Chance hatten. Ich denke aber auch, dass dennoch ein Teil über die Note vergeben werden sollte-denn wer schon in der Schule sein Ziel kannte und sich reingehangen hat, soll dafür belohnt werden. Aber dafür müsste das Schulsystem in Deutschland ersteinmal vereinheitlicht werden-eine schier unlösbare Aufgabe, wenn nicht mal der Umstieg von G9 auf G8 geklappt hat. Seltsam. In dieser Diskussion gibt es viele Stimmen, die zurecht behaupten, schulische Leistungen sagen im Grunde nichts über die Fähigkeiten späterer Ärzte aus. Schaut man sich dann aber die Kommentare an wenn es um Kompetenzen anderer mediznischer Berufe geht, dann kann die Leistung nie gut genug sein, sie kommt niemals an die Kompetenz eines Arztes heran und muss schärfstens unter Ärtzliche Kontrolle gestellt oder abgeschafft werden. Jeder ist quasi “dumm”, der nicht Medizin studiert hat. Na, wer findet den Fehler. Bigotterie in Reinform. “… dann müssten wenige auf den “Heilpraktiker” ausweichen … ” – Die Patienten weichen nicht wegen des NC auf Heilpraktiker aus, sondern aus ganz anderen Gründen. Will man aber in den eigenen Reihen nicht wahrhaben, und so versucht man ein umfassendes Monopol zu errichten. Wenn man diversen Medizinberufen mehr Kompetenzen zugestehen würde, was durchaus angebracht wäre, dann wären Ärzte auch nicht so “überlastet” mit zig Überstunden. Aber man möchte ja die Fuchtel über alles mögliche halten, vor Allem aber bestimmte Töpfe nicht teilen. Alles natürlich “zum Wohle der Patienten”… Ich kann mir kein perfektes Auswahlsystem vorstellen, denn die meisten Mitdiskutanten gehen wohl davon aus, dass ein Abiturient fertig entwickelt und reif genug ist zu wissen, was er will und voller Empathie für einen Beruf ist. Daran glaube ich nicht. Mein Interesse für Naturwissenschaften entwickelte sich erst in den letzten 2 Jahren des Gymnasiums. Eigentlich wollte ich Biologie und Biochemie studieren, da ich wissen wollte, wie funktioniert das Leben. Vom Professor wurde ich dann auf Medizin verwiesen, wo ich alles zusammen hatte. Während des Studiums dachte ich nicht daran, einmal praktizierender Arzt zu werden, die Forschung hätte mich interessiert. Empathie besaß ich m.E. zu diesem Zeitpunkt wohl kaum. Aber nach den zahlreichen Patientenkontakten im Studium orientierte ich mich um. Ich bin heute ein mit voller Empathie praktizierender Arzt, lebe für meinen Beruf und für meine Patienten. Ich konnte 1977 glücklicherweise noch mit einem “schlechten” Abitur von 1,5 sofort studieren, keine Ahnung, ob ich psychologische Tests etc. bestanden hätte. – Ähnlich ging es mit meiner Tochter: Sie wollte Medizin studieren. Ich Idiot riet ihr davon ab, da sie zum damaligen Zeitpunkt nicht den Eindruck machte, dafür geeignet zu sein, sich über den Durchschnitt einzusetzen und ausreichende Empathie und Motivation für diesen Beruf mitzubringen. Ich werde das mein Leben lang bereuen. In ihrem jetzigen Beruf zeigt sie alle Qualitäten, die aus ihr auch einen hervorragenden Arzt gemacht hätten. Leider finde ich es Unfair, dass mir mein Abitur mein Leben lang im Weg steht. Nur weil ich vor 8 Jahren andere Flausen im Kopf hatte und das Abitur auf einem Technischen Gymnasium gemacht hat, was mir im Nachhinein doch nicht so lag, bin ich kein schlechterer Student ! Ich habe eine medizinische Ausbildung absolviert und viele Jahre in dem Beruf gearbeitet. Als ich dann zu Studieren begonnen hatte war es natürlich eine Umstellung denn man hat schon lange nicht mehr an Büchern gesessen. Ich muss allerdings sagen, dass das Studium nicht so hart ist wie Sie sagen. Ich habe alle Klausuren und die erste ÄP beim ersten mal bestanden. Natürlich muss man lernen, aber man wächst auch im Geiste und nur weil ich vor so vielen Jahren eine “schlechte” Note erzielt habe, heißt das noch lange nicht, dass das aktuell immer noch so wäre… Oder möchten Sie z.B Ihre Punkte in Flensburg von vor 8 Jahren weiterhin behalten ?! Ich weis ja nicht warum der NC immer so verteufelt wird. Was viele Leute vergessen: das Medizinstudium ist HART. WIRKLICH hart. Ja, die Abinote ist unfair und sagt nichts drüber aus wie gut ein Arzt ist… aber im Studium spielt es auch keine Rolle wie empathisch man ist. Da geht es drum die Massen an Wissen die man BRAUCHT ins Hirn zu bekommen und die an zu wenden. Sorry aber wer das zu Schulzeiten nicht auf die Reihe bekommt… warum soll man ihm dann zutrauen das Studium zu schaffen? Studiuenplätz sind rar und es ist TEUER einen Studenten aus zu bilden… ich hab mal Zahlen um die 100.000 Euro gehört. Für EINEN Medizinstudenten. Wundert es da einen dass der NC als grober Filter vorgeschaltet ist? (Und seien wir ehrlich, welche Uni führt mit tausenden von Bewerbern persönliche Gespräche, das ist logistisch gar nicht möglich) Außerdem: viele Unis HABEN zusätzliche Systeme, die 60% der Plätze liegen in der Hand der Unis. 20% sind Warteliste, 20% Abi-Besten. Ehrlich gesagt find ich das fair. (vor allem weil der NC als hartes Kriterium frei von Sachen wie Geschlecht, Hautfarbe, Orientierung, politische Meinung, u.s.w. ist. Bei persönlichen Gesprächen? Bei einigen Profs die ich kannte währe da hart “aussortiert” worden…) Losverfahren und alles gibt es ja auch noch zusätzlich. Klar ist das im Einzelfall unfair und ich kenn auch Ärzte mit 3,0 Abi… aber das sind Einzelfälle und oft Leute die andere Zugangswege zum Traumberuf fanden. Wo ein Wille ist ist ein Weg, trotz NC und schlechtem Abi. Auf der anderen Seite kenn ich mehr 3,0 Abiturler die schreckliche Ärzte wären… nur so als Gedanke. NC ist sicherlich nicht optimal… aber vermutlich einfach der einfachste grobe Vorfilter. Der NC hängt massgeblich von den Fächern ab die für das Abitur gewählt wurden und die müssen nicht unbedingt die Fächer sein die für Medizn gebraucht werden. Ich fände einen bundesweit identischen Eignungstest gepaart mit einem Interview das die persönliche Eignung und Motivation durchleuchtet wesentlich besser um zu entscheiden wer denn für die weniger Studienplätze qualifiziert ist. Die ‘Wartezeit’ sollte für medizin-relevante Erfahrungen genutzt werden um auch einzufliessen. Na, jetzt bin ich ja platt. Den NC gibt es seit ca. 50 Jahren und es war schon immer klar, daß der NC nicht geeignet ist als Auswahlkriterieum für engagierte und dem Patienten zugewandte Ärzte. Das Problem unterbesetzter Fächer und Orte lässt sich am einfachsten und effektivsten auf finanzielle Art lösen. Wenn psychiatrische Assistenzarztstellen 20% mehr vergütet werden, und Stellen in der unterversorgten Peripherie ebenso, hat man fähige und motivierte Ärzte genau dort. Das Problem ist, dass während der ersten Weiterbildungsjahre, wo das Geld gebraucht wird keine finanziellen oder auch sonstige Anreize existieren. Was interessiert es einen Studienabsolvent was er in 5-6 Jahren als Facharzt verdienen kann, wo man ohnehin nur noch um Geld verhandelt, das man eigentlich nicht braucht. Man entscheidet sich dann natürlich für die Fachrichtung, die einen am meisten interessiert, vielleicht auch noch für die, die einem die beste Work-Life-Balance und Familienvereinbarkeit in Aussicht stellt. Ich will nicht behaupten, dass jeder Absolvent für die Neurochirurgie genauso wie für sie Psychosomatik geeignet ist. Trotzdem hat jeder Absolvent ein gewisses Fächerspektrum, in dem er gut und motiviert arbeiten könnte. Die mangelnde zentrale (bspw. finanzielle) Steuerung sorgt dafür, dass alle schön gerecht gleich bezahlt werden und jeder sich eben in die Fächer drängt, die er halt am liebsten hat. In der Allgemeinmedizin zeigt sich das am deutlichsten. Kaum ein Weiterbildungsassitent in einer Praxis verdient soviel wie ein Assisten in der Klinik, da für die Praxisweiterbildungszeiten kein Tarifvertrag gilt. So ist Allgemeinmedizin für viele, die letztlich Innere als Alternative wählen, finanziell die schlechtere Entscheidung. In der Psychiatrie muss man häufig die teure Psychotherapeutenausbildung selbst zahlen und danach wartet der am schlechtesten bezahlte niedergelassene Facharztberuf auf den, der das trotzdem durchgezogen hat. Btw: In Norwegen beispielsweise sind Zuschläge von über 150% für Arbeit in entlegenen Gebieten drin. “Der NC sagt direkt etwas darüber aus, wie fähig und wie gewillte der Student ist, theoretische Probleme, die gerade die heutige Medizin immer mehr aufweist, zu durch denken. Genau das erwatet man, wenn man zu einem Arzt geht.” Gast 34, der NC ist erstmal nur ein praktisches Sieb. Außer Medizin gibt es ja noch mehr zulassungsbeschränkte studiengänge, der Grund ist einfach, dass es nicht genug Studienplätze für Bewerber gibt. Manche Studiengänge haben nur in bestimmten Jahren, andere nur an bestimmten Unis NC. Für Medizin gibt es immer und überall wesentlich mehr Bewerber als freie Plätze, daher ein hoher NC. mit den Anforderungen hat das erstmal nix zu tun. Gerade in unserer Studenten-/Ärztegeneration stößt es den meisten doch am bittersten auf, dass v.a. anfangs Überstunden en masse geleistet werden, und das Privatleben dadurch über Jahre massivst eingeschränkt wird. (Täglich von 8 bis 18 Uhr in der Klinik plus Dienste, viel mehr als abends KO auf der Couch zu hängen bleibt einem da nicht wirklich.) Das ganze dann noch als Pflichtdienst, d.h. man wäre den Chefebenen wehrlos ausgeliefert, weil kündigen aufgrund der drohenden hohen Strafzahlung nicht möglich ist? Das wäre einmal für die Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen der Ärzte fatal, weil eben eine große Menge Assistenten bereitstünden, mit denen man für fünf Jahre machen könnte, was man will. (Und zu welcher Behandlung das führt, sieht man ja z.B. beim PJ, wo an vielen Unis Stundenlöhne von 2€ gezahlt werden…) Desweiteren möchte ich ehrlichgesagt nicht von einem Assistenten behandelt werden, der dementsprechend ausgebeutet wird, und in dessen Kopf permanent “nur noch zwei Jahre…” herumspukt… man kann in der Schule gelernt haben richtig zu lernen und ein sehr gutes Abitur z.B. 1,7 aber eben kein hervorragendes mit 1,0-1,2 schreiben und das aus mannigfaltigen Gründen die nicht in der persönlichen Leistung des Schülers gründen. Ich glaube nicht daran das Kommabereiche auf der Abiturnote und darum geht es bei manchen Bewerbern einem die erfolgreiche Studierfähigkeit absprechen können. Davon mal abgesehen stimme ich Ihnen vollkommen zu das ein Schüler mit hervorragender Abiturnote i.d.R. auch das Medizinstudium mit entsprechender Leistung abschließen wird. Es kann nicht nur Ärzte geben , die Kapazitäten sind ausgelastet , warum mehr zulassen wenn genügend ausgebildet werden. Es sollten die Gründe gesucht werden warum hier nicht so viele arbeiten wollen wie ausgebildet werden. Auch der Zwang nach dem Studium eine bestimmte Zeit in Deutschland arbeiten zu müssen ist keine richtige Lösung, wäre aber eine Möglichkeit… Wir haben in Deutschland nicht zu wenig Ärzte weil zu wenig ausgbildet werden, es wandern zu viele ab. Und da kann an Zulassungsbeschränkungen so viel herumgedreht werden wie man will, wenn sich die Bedingungen für das spätere Berufsleben und damit meine ich vordergründig Arbeitszeiten und ein an die hohen Anforderungen und die große Verantwortung gekoppeltes Gehalt wird man nur erreichen das bei doppelt so vielen Zulassungen -> doppelt so viele abwandern. Für mich ist die einzig sinnvolle Lösung: ein Zwang für alle Studiengänge die einen NC aufgrund der Nachfrage machen müssen, eine bestimmte Zeit in Deutschland als Arzt (oder Jurist … etc. je nachdem welcher Studiengang) arbeiten zu müssen (z.b. eine gut gewählte Zeit wie 5 Jahre) ansonsten volle Rückzahlung der Studienkosten. Solange die Studienplatzvergabe nur nach der Abiturnote erfolgte, hatte das Fach Medizin die geringste Abbrecher- und Gescheitertenquote. Wer in der Schule nicht gelernt hat zu lernen, wird die Stoffmenge nicht bewältigen können. Am Ende hilft nur der, der’s gelernt hat und kann und nicht der, der’s so gerne gewollt hätte. Das ist überfällig. Auch Politiker sollten sich diesem Dauerproblem annehmen. Geld in Bildung stecken klingt gut, bringt aber nichts ,wenn man keinen Plan hat. Schon zu meiner Abizeit (1981!!!) waren sich alle einig, daß ein “Einser” -NC keine guten Landärzte hervorbringt. Hunderttausende hochmotivierte junge Leute scheiterten seit den letzten 40 oder mehr Jahren an fragwürdigen Einstelluingskriterien. Ich sehe aber, wenn ich das hier lese, da keine Perspektive derzeit. Gute Schulnoten haben mit guten Ärzten wenig gemeinsam. Mein Tipp wäre: 1 soziales Pflichtjahr im Krankenhaus oder auch Altenheim, danach weiß ein junger Mann-bzw. junge Frau mehr, der bvmd erwägt es zumindest. Diese Einschätzung teile ich mit Ärzten aus dem beruflichen Umfeld und Bekanntenkreis. … dann müssten wenige auf den “Heilpraktiker” ausweichen … Wenn das so einfach wäre Herr Bedynek, ich habe einen Bekannten ,der hat sein Medizinstudium mit Bravour gemeistert, nur als er dann wahrhaftig seinen Arzt im Krankenhaus stehen musste ,ist er auf der ganzen Linie gescheitert. Es reicht nicht ein exzellenter Theoretiker zu sein, ein wirklich guter Arzt braucht den Patienten nur anzuschauen und weiß oftmals was ihm fehlt. die Alternative liegt in Holland und Österreich, dort geht man anders mit der Medzin um. Kein NC sondern Eignungsteste sind ausschlaggebend. Daran solte man sich orientieren !!! Das Studium ist umfänglich auch mit dem Blick in die Naturheilkunde !!! Sie verwechseln wohl nc mit der Abiturnote. Der numerus clausus ist ein Produkt aus Angebot und Nachfrage und hat nicht das geringste mit den intellektuellen Anforderungen eines Studienganges, geschweige denn des späteren Berufes zu tun. Andere Studiengänge mit gleichen oder höheren Anforderungen wie Physik, Pharmazie, Veterinärmedizin uvm haben je nach Anzahl der Plätze und Bewerber einen anderen nc. Wer denkt dass der nc bedeutet dass “nur die besten” genommen werden, der irrt. Auch eine Landarztquote finde ich sehr fragwürdig: sicherlich wäre das attraktiv für Leute, die einen schlechten Abiturschnitt haben. Aber ernsthaft, sich bereits vor dem ersten Semester auf Allgemeinmedizin festlegen? Da ist man von den ersten klinischen Praktika über zwei Jahre entfernt und hat doch nicht die geringste Ahnung, welche Fachrichtung man später mal wählen will… Schlimmstenfalls hat man dann einen unmotivierten Arzt, der vielleicht gerne z.B. Psychiater geworden wäre und dann eben frustriert mit Dienst nach Vorschrift seine 15 Jahre auf dem Land absitzt – ich glaube nicht, dass das in irgendeiner Hinsicht die Lösung des Hausarztmangels auf dem Land ist… So einfach, wie der eine oder andere sich das hier denkt ist es aber dann doch nicht. Ein sinnvolleres Auswahlverfahren für die vorhandenen Plätze zu schaffen ist sicherlich überfällig – trotzdem wird es eine Menge Leute geben, die nicht sofort studieren können und lange Wartezeiten auf sich nehmen müssen. Den NC einfach abschaffen ist unsinnig. Die Kapazitäten der Unis sind bereits in der Vorklinik schon ausgeschöpft, was die vorhanden Hörsäale sowie Kurse angeht – mehr Studienplätze anbieten würde also unmittelbar die Qualität der Lehre stark einschränken. Um hier mehr Studienplätze anzubieten, müssten erst einmal entsprechende Räumlichkeiten gebaut werden, was viel Geld und Jahre Vorlauf bräuchte. Das ganze spitzt sich aber in der Klinik noch mehr zu. Auch hier sind die Kapazitäten absolut ausgeschöpft (man kann es z.B. daran sehen, wie schwer es Studenten mit Teilstudienplatz haben, einen Klinikplatz zu bekommen). Außerdem ist die Anzahl der Studienplätze an die Betten der Lehrkrankenhäuser gebunden. (Auch das macht Sinn: wenn ich in einem Praktikum alleine auf einer Station bin kann ich jede Menge machen und dementsprechend lernen. Sind plötzlich z.B. noch ein Praktikant und ein Famulant da, wird es schon langsam langweilig. Wäre man dann stattdessen zu fünft, würde niemand mehr irgendetwas lernen). Fazit: ein Gericht, dass den NC verbietet bzw. Wartezeiten als unzumutbar einordnet, hilft niemandem. Das ganze ist ein politisches Problem, dass etwas mehr als Phrasen wie “NC abschaffen!” benötigt. Der NC sagt direkt etwas darüber aus, wie fähig und wie gewillte der Student ist, theoretische Probleme, die gerade die heutige Medizin immer mehr aufweist, zu durch denken. Genau das erwatet man, wenn man zu einem Arzt geht. Auswahlgespräche – hört sich gut an, aber wie wird das festgeschrieben? Unter dem Vorwand der Justitiabilität werden Anforderungen gestellt, die kein Klinikum ohne drastische Einschränkung der Krankenversorgung und anderer Funktionen erfüllen kann: Pro Bewerber 3 Dozenten, darunter ein Klinikchef, Dauer des Auswahlgesprächs in festgelegtem Procedere mit festgelegtem Rahmen je eine Stunde, endloses formalisiertes mehrseitiges Protokoll (noch einmal 40 Min. mindestens, siehe heutiges 3.Staatsexamen Medizin), das ist so ein Mindest-Modell. Bei 25 Bewerbern, die über diese Schiene gefunden werden sollen, bedeutet dies ca 85 Mannstunden in den überbelasteten Universitätskliniken. Daher sind die Auswahlgespräche dort so unbeliebt, daß diese Option nur selten beantragt wird. Es ist trotz Intelligenz nicht immer einfach, ein 1er-Abitur zu erwerben. Es gibt Menschen, die großartige “social skills” mitbringen, aber ein schlechteres Abi erreichen, und solche, die großartige Noten, aber sonst nicht viel vorzuweisen haben. Wie soll man da eine Auslese treffen? Ich selbst habe ein mittelmäßiges Abitur erreicht (2,4), aber im Vorfeld eine Menge Lebenserfahrungen gesammelt, die mir als spätere Fachärztin für Psychiatrie rückblickend enorm wichtig waren und sind. Der Medizinertest hat mir, schwupps, über die Testbestenquote schnell den Weg ins Studium gebahnt. Oh, hat man da aus Versehen ‘ne Dumme reingelassen? Ich bin per se nicht für die Abschaffung des NC, wohl aber dafür, dass er nicht als Kriterium im Auswahlverfahren der Hochschulen genutzt wird. Zu meiner Bewerbungszeit gab es mehrere Beispiele, die dadurch theoretisch 80% ihrer Bewerber so aus dem Pool zogen. Sicherlich ließe sich auch eine Neugewichtung der Verteilungszahlen durchführen, meines Erachtens nach ist aber nicht das Verteilungssystem der Flaschenhals, sondern tatsächlich die Kapazitäten der Universitäten. Und da hilfts auch nichts, Semester mit 2000 “Erstis” zu öffnen, wenn bis zum Physikum 1000 “rausgeprüft” werden für die klinische Aufnahmefähigkeit. Alles in allem durfte ich trotz TMS/EMS, 2,0er Schnitt und RettAssausbildung 6 Jahre warten, und sehe trotzdem andere Brennpunkte als wichtiger an, als die totale Abschaffung des NC’S. Eine wie oben beschriebene Anpassung unter Einbezug von Fächerwahl, erlerntem Beruf etc. tte m.E. nach schon reichen… Es gibt viele bessere Lösungen. Man könnte neben der Abinote noch ein von der Schule festgelegte Eignungastufe für sein Studiumwunsch bekommen. Z.B. Gut geeignet-geeignet- nicht geeignet. Dazu ggf. Aufnahmeprüfung und gut ist es. Das Problem ist wie immer die Politik, denn die sind ständig am Wichtigtuen und daraus resultierend am festlegen von ” Ideotenspielen”. Ein Glück, dass zu meiner Zeit eine doch recht umfängliche , naturwissenschaftlich orientierte Aufnahmeprüfung darüber entschied, ob man zum Studium zugelassen werden konnte oder eben nicht. Aber das ist eben Geschichte! Den NC abzuschaffen wird Zeit. Zum Thema Anzahl der Studienplätze möchte ich hinzufügen, dass die Anfangssemester, die von Studienabbrechern verlassen werden, nicht wieder aufgefüllt werden. Warum? Das weis ich von meiner Freundin, deren Töchter beide gerne Medizin studieren möchten. Die Eine hat jetzt nach 7 Jahren einen Platz bekommen, die Andere macht, wie vorher schon erwähnt wurde, eine Ausbildung zur Rettungsassistentin. Ich bin sicher, dass viele froh wären, sie könnten in das 2. Semester noch einsteigen und würden entsprechend lernen. Dann wäre die Zahl der Abschließenden auch höher. Das ganze schlägt viel weiter aus, als man auf den ersten Blick sieht. Bundesweit gibt es im Rettungsdienst Personalmangel – wieso? Weil die Ausbildungsplätze größtenteils von auf Medizinstudienplätzen wartenden jungen Menschen belegt werden, die nach wenigen Jahren sich dann aus dem Beruf wieder verabschieden, wenn endlich die 7 Jahre Wartezeit Rum sind. Es ist ein ständiges Gesuche nach brauchbaren Azubis mit “möglichst schlechtem Abitur”… das ist einfach nicht zielführend! Die einzige ursächliche Therapie wäre vermutlich die Studienplatzzahl zu erhöhen, dann gäbe es den Druck und die Klagen der Wartenden nicht mehr so stark, schätze ich. Solange dies nicht kommt, sind irgendwelche Reformierungen von Quoten und Auswahltests nur das herumdoktern am Symptom. Mal ehrlich: es klingt schon sehr toll die “charakterliche Eignung” von Studienplatzbewerbern zu prüfen. Aber ich kann mir schlecht vorstellen, wie das gehen soll. Viele Studienanfänger kommen direkt aus der Schule (ist ja auch nicht schlecht!) – woran genau soll man bitte bei 18-Jährigen messen und abschätzen, ob dieser Mensch mal ein empathischer Arzt wird? Das ist doch etwas, was man nicht angeboren bekommt, sondern auch erlernt, oder? Gleiche Kritik ist hier auch den Landarztquoten vorzuwerfen: Welcher Erstsemestler kann denn seriös und verbindlich sagen, dass er sich nach 13 Semestern Studium verschiedenster Fächer für die Allgemeinmedizin im ländlichen Raum entscheiden wird? Niemand sollte so mit den Hoffnungen und Träumen junger Menschen spielen. Das lässt sich sehr gut in der Politik verkaufen, weil es Tateneifer signalisiert – für die konkret betroffenen Studenten aber nicht so sicher die Lage vereinfacht, oder? Ich bin etwas abgedriftet, das möge man mir verzeihen ;) Kurz und knapp: Mehr Studienplätze hilft! ” Allerdings habe ich keine Vorstellung, wie man das rechtsverbindlich gestalten könnte. Auf diese Weise wäre jedenfalls motivierten Bewerbern geholfen, und zugleich könnten drohende bzw. bereits existente Versorgungsengpässe entschärft werden.” Dr. Peveling, eventuell so wie bei der Bundeswehr, da verpflichtet man sich auch 17 Jahre, und wer früher geht, muss Schulden zurückbezahlen. Funktioniert aber nur, wenn die Ärzte dann auch so etwas wie staatliche Angestellte und nicht selbstständig wären, in Ambulanzen und staatlichen Polykliniken. Ein Manko wäre freilich, dass es dann auf dem platten Land nur dienstverpflichtete, unerfahrene Ärzte gäbe. Anstatt einen Studienplatz zur Verfügung zu stellen, fände ich die Idee eines Bonus für Landärzte besser. Solange die Abiturnote im Vordergrund steht, bedeutet dies, und das ist makaber, folgendes: in Deutschland bestimmt im Wesentlichen die Lehrerschaft in Form der in größten Teilen subjektiven Notenvergabe, WER Medizin studieren darf. Es kann nicht sein, dass (indirekt) die Pädagogen entscheiden, WAS die Mediziner deutlich besser einschätzen können. Diese Diskrepanz ist verwerflich und Grund genug, sich an die oberste gerichtliche Instanz zu wenden. Danke, endlich werde ihr vernünftig.” Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Es ist auch nicht der Punkt, dass die Noten von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind, nein, auch von Schule zu Schule! Gehe ich auf eine bayerische Privatschule oder Schule kirchlichen Trägers, spende ein wenig aus Papis Geldbeutel, schon ist die 1,0 sicher bei halbwegs Grips in der Birne. Ich war auf einer Schule mit sehr, sehr geiziger Punkte- und Notenverteilung, ich habe alles gegeben, aber durch die “Tendenz zur Mitte”, die alle Lehrer pflegten (keine Ausreißer nach oben und nach unten), wurde es über die mündliche Note immer wieder gedeckelt, sodass ich am Ende “nur” mit 1,2 abschloss. In ein paar Jahren bekäme man vermutlich auch mit dieser Note kaum einen Studienplatz und an der Universität ist man damit unter Medizinern schon einer der “schlechteren” Abiturienten. Und trotzdem habe ich das Staatsexamen mit 1,0 abgeschlossenen. Ich habe bisher keine einzige Note als 1 bekommen. Ich finde es wichtig, endlich zu prüfen, ob der Bewerber überhaupt die Fähigkeit hat, in dieses Stoffgebiet einzutauchen. Es ist am Ende ein naturwissenschaftliches Studium, auf das sich so viele NaWi-Idioten bewerben, die sich nie und nimmer für Chemie bewerben würden. Auswahlgespräche dagegen sind noch schlimmer als die Abinote als Kriterium. Denn dann wird man in 10-15 Jahren nur noch die Blender und Narzissten als Ärzte herumlaufen haben, die sich damals gut präsentieren konnten, aber wenig Sachverstand haben. Dass der nc abgeschafft wird ist höchste Zeit. Auch wenn hier immer wieder von “zu wenig Studienplätzen” die Rede ist…. ist das so nicht korrekt. An unserer Uni waren wir vor über 10 Jahren etwa 700 Erstsemester, mit denen die sich nachträglich dazugeklagt haben nochmal mehr… und wieviele durften bei der Abschlussfeier ein Zeugnis entgegen nehmen? Gerade einmal 200! Wenn nur ein Drittel der Studenten das Studium auch mit Examen beendet bedeutet das nicht dass es zu wenig Studienplätze gibt, sondern dass die verfügbaren Plätze an die falschen Leute vergeben werden. Hohe Abbruchquoten sind in meinen Augen ein Indiz für ein falsches Auswahlverfahren. Warum leisten wir uns in Deutschland immer noch einen NC, wenn wir mittlerweile in vielen Kliniken kaum noch Ärzte finden, die noch nicht einmal der deutschen Sprache mächtig sind, ganz zu schweigen von der teils äußerst minderwertigen medizinischen Ausbildung. Unsere jungen Studienkollegen Menschen reglementieren wir und auf der anderen Seite fehlen an jeder Stelle in Deutschland junge Ärzte, die auch wieder bereit sind den schönsten Beruf der Welt auch auszuüben! Krank!!! Prüfung ist gut, aber das Grundgesetz besteht schon lange. Also wenigstens Prüfung, dann könnte man ja eventuell wieder weiter schlafen, was ich nicht hoffe. Alle paar Jahre wird dieses Thema wieder neu diskutiert. Ich hatte selbst leider auch eine lange Wartezeit. In dieser Zeit wurde ebenfalls von Abschaffung des NC`s, Eingangstests, Abschaffung der ZVS etc. gesprochen. Was ist im Endeffekt passiert? Die ZVS wurde umbenannt in “Hochschulstart”, das wars. Es scheint wohl nichtso einfach zu sein, dieses bestehende System zu ändern. Solange die Abiturnote im Vordergrund steht, bedeutet dies, und das ist makaber, folgendes: in Deutschland bestimmt im Wesentlichen die Lehrerschaft in Form der in größten Teilen subjektiven Notenvergabe, WER Medizin studieren darf. Es kann nicht sein, dass (indirekt) die Pädagogen entscheiden, WAS die Mediziner deutlich besser einschätzen können. Diese Diskrepanz ist verwerflich und Grund genug, sich an die oberste gerichtliche Instanz zu wenden. Danke, endlich werde ihr vernünftig. Es ist politisch gewollt aber für die medizinische Versorgung nicht akzeptabel, dass die Zahl der Medizinstudienplätze auf dem Stand vor der Wiedervereinigung eingefroren worden ist. Da jeder fertige Arzt in seiner Arbeitszeit vorausberechenbare Kosten für das Sozialsystem verursachen wird, ist es beabsichtigt die medizinische Versorgung zu verschlechtern, damit sie bezahlbar bleibt. Dies ist bei einer zunehmend Überalterungen der Gesellschaft bei gleichbleibenden Arztdichte die logische Konsequenz. Aber wer trifft eigentlich diese politische Entscheidung? Die höchst richterliche Instanz sollte sich also sich nicht nur mit den Zulassungskriterien beschäftigen, sondern auch die Zahl der Studienplätze unter die Lupe nehmen. Wenn der Numerus clausus fällt, dann aber auch für alle anderen Fächer. Damit kann dann auch jeder motivierte sofort Jura studieren. Kleiner Scherz. Wetten daß das nur für Medizin gilt? Hier werden billige willige Arbeitskräfte gebraucht. Was in der Krankenpflege geklappt hat, geht doch sicherlich auch im Arztberuf … Das wird auch langsam Zeit. Vor allem der Auswahlmodus mit der Abinote war so ziemlich das Dümmste was den bürokratischen Sesselfurzern einfallen konnte. Vielleicht werden dann endlich einmal auch mehr wirklich empathische Menschen und Menschenfreunde auf die Patienten losgelassen, und nicht mehr so viele streberhafte Roboter, denen die Kranken und deren Angehörigen komplett am A… vorbeigehen, weil sie nur Evidenzen, berufliches Fortkommen, Spesen von der Pharmaindustrie und möglichst viele Publikationen pro Monat im Auge haben. Ich bin für die Einführung einer “Landarztquote”, d.h. auch Bewerber mit schlechterem NC könnten einen Studienplatz erhalten, sofern sie sich verpflichten, sich nach der Ausbildung in strukturschwachen Gebieten niederzulassen. Allerdings habe ich keine Vorstellung, wie man das rechtsverbindlich gestalten könnte. Auf diese Weise wäre jedenfalls motivierten Bewerbern geholfen, und zugleich könnten drohende bzw. bereits existente Versorgungsengpässe entschärft werden. Das könnte jungen Menschen die Hoffnung geben, doch den gewünschten Studienplatz bekommen zu können. Junge Menschen, die viel Interesse und Empathie mitbringen , sich seit Jahren als Rettungssanitäter ehrenamtlich engagieren, in den Sommerferien statt zu chillen im Krankenhaus Praktika machen -die für die Sache brennen – aber ” nur ” ein Abi mit 1,8 gemacht haben. Nach den derzeitigen Kriterien haben sie nämlich absolut keine Chance einen Studienplatz zu bekommen. Zu einer Wartezeit von 7 Jahren kann ich als Mutter ihm wirklich nicht raten. Doch wir brauchen junge Ärzte und sollten sie auch ausbilden. Derzeit suchen viele im Ausland ihr Studienglück und in Deutschland werden Ärzte aus dem Ausland eingestellt. Da stimmt was ganz und gar nicht. Grundsätzlich ist die Diskussion zu begrüßen. Aber auch ein geändertes Zulassungsverfahren ändert nichts daran, dass es zu wenige Studienplätze für zu viele Bewerber gibt – Wartezeiten können sich also dadurch nicht ändern, sondern bestenfalls nur etwas fairer Verteilen. Dass Wartezeiten von 13 Semestern nicht zumutbar sind wurde meines Wissens bereits vor 5-6 Jahren vor relativ hohen Gerichten verhandelt, damals ohne Ergebnis. Mal abgesehen von den Folgen: würden Gerichte urteilen, dass eine lange Wartezeit unzulässig ist und Bewerber vorher ein Recht auf einen Studienplatz hätten, müssten entsprechend die Unis wesentlich mehr Studienplätze zur Verfügung stellen. In der Vorklinik mag das noch möglich sein (auch wenn die Qualität darunter sehr leiden würde, weil vielerorts z.B. die Anatomiekurse o.a. schon völlig überfüllt sind), aber in der Klinik hängt die Anzahl der möglichen Studienplätze fix mit den Krankenhausbetten zusammen (was auch Sinn macht, denn mehrere Studenten im Praktikum auf der gleichen Station sitzen dann eben nur entsprechend viel rum). Ergebnis wäre, dass die Unis wesentlich massiver in der Vorklinik aussieben müssten oder aber mehr Teilstudienplätze vergeben – mit entsprechend frustrierten Studenten, die im Zweifel wiederum dagegen klagen würden. Ich denke, die ganze Thematik ist eine politische Entscheidung und keine, die ein Gericht lösen kann. endlich…. damit bliebe auch tausenden der Umweg über das ( teure ) Ausland erspart. Ich selbst mit Abitur 2,5 ( Bawü) Jetzt Staatsexamina 1,2 Wenn Auswahlkriterien, dann lieber mal die Frage ” sind sie bereit Nachtdienste zu schieben und Überstunden zu machen ” Was bringt mir meine religionsnote , wenn ich keine 3 Stunden im op stehen kann? … Ok… dann werd ich halt Radiologe ;)

Telemedizin in Deutschland fühlt sich an wie der Berliner Flughafen. Viele Ärzte würden gerne an Bord gehen, aber die Standespolitik braucht noch ein paar Jahre, um die Kabel zu verlegen. Wie ist der Stand der Dinge und was geht im deutschsprachigen Ausland? Telemedizin hat viele Gesichter. Sie kann den Arzt-Patienten-Kontakt ermöglichen, Assistenzpersonal im Rettungsdienst mit einem Notfallmediziner vernetzen und Ärzten mit einem Spezialisten bei einer Videokonferenz zusammenführen. InsiteFollowMap Philips Healthcare Früher schmerzfrei dank Funkverbindung Auch seit es den neuen Tätigkeitsbereich des Notfallsanitäters gibt, gelingt es nicht flächendeckend, dass das nichtärztliche Rettungsteam dem Patienten Analgetika wie Fentanyl oder Opiate rechtssicher verabreichen darf. Trotzdem muss der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes ein regionales Protokoll erstellen und freigeben. Dazu haben Dr. Jörg Christian Brockmann und Kollegen an der Uniklinik Aachen eine Pilotstudie durchgeführt. Sie wollten untersuchen, ob ein Notfallpatient mit Hilfe der Telemedizin ein starkes Analgetikum früher erhält. Dabei rüsteten sie fünf Rettungsteams mit einem multifunktionalen telemedizinischen System aus. Das Rettungsteam war so während des Einsatzes über verschiedene mobile Netze mit einem Notfallmediziner verbunden. Vitaldaten der Patienten, Bilder sowie ein Videostream vom Einsatzort konnten so an den Mediziner übertragen werden. Verglichen wurden die Ergebnisse von 80 telemedizinisch unterstützten und von 80 klassischen Einsätzen, bei denen eine Analgesie notwendig war. Effiziente Analgesie Das telemedizinisch gestützte Delegieren der Analgesie hat sich durchaus als sicher und effizient erwiesen. Ziel war es, den Schmerz auf der Numerischen Analogskala (0–10) im Idealfall auf fünf oder mindestens um zwei Punkte zu senken. „Die telemedizinische Delegation von Analgetika war sicher und führte zu einer Schmerzreduktion, die dem Mindeststandard in beiden Gruppen überlegen war. Die Dokumentationsqualität war in der Telemedizin-Gruppe besser“, so das Resümee der Autoren. „Wird die telenotärztliche Versorgung übergreifend durchgeführt, so ist zusätzlich mit einer Kostenreduktion zu rechnen, da dann vielerorts auf einen Ausbau der konventionell notärztlichen Ressourcen verzichtet werden kann“, so die Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin (DGAI). Im Notfall erlaubt Die Musterberufsordnung für Ärzte erlaubt ausdrücklich keine ärztliche Behandlung und Beratung ausschließlich über Fernkommunikationsmedien. Eine Ausnahme bilden aber akute Notfälle, bei denen keine andere Form der ärztlichen Hilfe möglich ist. Bedingung ist, dass die Telemedizin allein als „Notmaßnahme“ erfolgt und die Einleitung erforderlicher Maßnahmen nicht zeitlich verzögert. Der Patient muss anschließend trotzdem einer ärztlichen Therapie zugeführt werden. Die Kommission betont, dass auch die AHA (Amersich ausdrücklich für die telemedizinische Unterstützung im Rettungsdienst ausspricht. Auch in Österreich wird die Diskussion über Telemetrie im Rettungsdienst bereits sehr hitzig geführt. Die Österreichische Gesellschaft für Ethik und Recht in der Notfall- und Katastrophenmedizin (öGERN) spricht sich klar für diese Technik aus. Prof. Carla Nau, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein sieht nicht nur in der Analgesie im Rettungsdienst einen Stellenwert der Telemedizin. „Teleschmerztherapie ist ein schnell aufkeimendes klinisches und wissenschaftliches Feld, dem auch großes gesundheitspolitisches Interesse entgegengebracht wird“, so die Anästhesistin. Heißer Draht für Kinder mit Diabetes Natürlich kann eine telemedizinische Unterstützung nicht nur in Notfällen und der präklinischen Phase hilfreich sein. Die Virtuelle Diabetesambulanz für Kinder und Jugendliche (ViDiKi) ist ein Beispiel dafür. Mit dem Projekt soll die medizinische Versorgung von den rund 1.200 Kindern und Jugendlichen, die in Schleswig-Holstein an Diabetes Typ 1 erkrankt sind, deutlich verbessert werden. ViDiKi ist am 1. Juli 2017 gestartet und 240 Kinder sowie Jugendliche mit Diabetes Typ 1 nehmen vorerst daran teil. „Das neue Angebot ersetzt nicht komplett den persönlichen Kontakt zum Arzt. Die Kinder bleiben weiterhin in Betreuung bei ihrem Arzt oder Diabetologen, der auch nach wie vor einmal pro Quartal den wichtigen HbA1c-Wert bestimmt“, so die Projektleiterin Dr. Simone von Sengbusch. Digitales Mittelalter verlassen Es gibt mehrere Möglichkeiten der Konsultation. Darunter fällt beim Beispiel des ViDiKi-Projekts etwa der Kontakt per Telefon und E-Mail oder über ein Arzt-Video-Portal. Das Programm gibt den Familien zusätzliche Sicherheit und erspart ihnen außerdem weite Wege, denn kinderdiabetologische Zentren gibt es nur an den Universitätskliniken in Kiel und Lübeck. Evaluiert wird das Projekt vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie an der Universität zu Lübeck. Auch für erwachsene Diabetiker kann die Telemedizin den Therapieerfolg optimieren. In der kürzlich in Diabetes Care veröffentlichten TeLIPro-Studie wird kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Telemedizin zur Verbesserung der Versorgung beitragen kann. „Wir befinden uns im deutschen Gesundheitswesen noch immer im digitalen Mittelalter“, prangert Bernd Altpeter, CEO des Deutschen Instituts für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG), an. Auch kardial Erkrankte könnten profitieren Neben Diabetes ist auch die Betreuung von Patienten mit kardialen Erkrankungen überwachungsintensiv. 1,2 Millionen Bundesbürger leiden an chronischer Herzinsuffizienz. Besonders in ländlichen Gebieten ist die fachärztliche Betreuung immernoch eine logistische Herausforderung. In der Versorgungsforschungsstudie TIM-HF II (Telemedical Interventional Management in Heart Failure II) wird an 1500 Herzinsuffizienz-Patienten geprüft, ob sich mit einer telemedizinischen Betreuung in ländlichen Regionen die Therapiequalität verbessern lässt. Studienziel ist die Senkung ungeplanter Herzinsuffizienz-Hospitalisierung und der Mortalität sowie die Steigerung der Lebensqualität im Vergleich zur Standardtherapie. Erste Ergebnisse der Studien sind voraussichtlich Ende 2017 zu erwarten. Teuer und nicht besser: Ein gutes Gefühl In die CardioBBEAT-Studie wurden zwischen Januar 2010 und April 2013 insgesamt 621 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz eingeschlossen. („Cardio“: herzkranke Patienten, „BB“: Berlin und Brandenburg, „EAT“: Economic Analysis of TeleHealth). Die Patienten der Kontrollgruppe werden nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie behandelt, die anderen Patienten zusätzlich in ihrem häuslichen Umfeld telemedizinisch versorgt. Über ein interaktives Telemonitoringsystem wurden täglich die vom Patienten erhobenen Werte für Körpergewicht, Blutdruck und Herzfrequenz dem Telemedizin-Zentrum übermittelt. Bei Überschreitungen von Zielwerten nahm das Zentrum telefonischen Kontakt mit dem behandelnden Arzt auf. Als Schnittstelle agierte der häusliche Fernseher des Patienten. Es sollte gezeigt werden, dass die telemedizinisch versorgten Patienten ökonomischer versorgt werden können. Das Ergebnis ist jedoch enttäuschend. Eine Kosteneffektivität gegenüber der Routineversorgung konnte nicht nachgewiesen werden, ebenso wenig eine Senkung der Mortalität. Lediglich die Lebensqualität war in der telemedizinischen Gruppe signifikant besser. Gesamtsterblichkeit Abb.: Gesamtsterblichkeit während der CardioBBEAT-Studiendauer (Quelle: Pressetext DGK 04/2017) Wer soll das bezahlen? Bisher waren nur wenige telemedizinische Leistungen hinsichtlich der Honorierung abgesichert. Im DRG-Katalog hat die telemedizinische Behandlung von Schlaganfall-Patienten eine eigene OPS-Ziffer. Seit April 2016 können Vertragsärzte spezielle Herzschrittmacher telemedizinisch überwachen. Hierfür wurde die erste telemedizinische EBM-GOP eingeführt. Einige Ansätze, die zumindest eine telemedizinische Beratung beinhalten, findet man in Deutschland dennoch. Beispiele sind der Video-Chat der DAK oder die Plattform TeleClinic, die ihren Kunden anbietet, online oder telefonisch mit einem Arzt zu sprechen, die Kosten werden von einigen Krankenkassen übernommen. DocCheck stellt mit DocCheck Help ebenfalls seit April 2017 einen Beratungsservice zu Verfügung: Hier können sich Patienten gegen eine Servicegebühr von Ärzten über das Smartphone beraten lassen. Den neuesten Beitrag zur Verankerung der Telemedizin in die Regelversorgung liefert das Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz). Der Bewertungsausschuss wird darin verpflichtet, den EBM anzupassen. So soll beispielsweise das Telekonsil mit radiologischen Befunden und die Videosprechstunde bis 2017 in den EBM integriert werden. „Mit dem E-Health-Gesetz treiben wir den Fortschritt im Gesundheitswesen voran. Dabei stehen Patientennutzen und Datenschutz im Mittelpunkt“, so Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe. Die Schweiz traut sich was Fast schon Galaxien von Deutschland und Österreich entfernt, hat die Schweiz die Telemedizin in ihr Gesundheitssystem integriert. Hier ist eine Behandlung und sogar eine Medikation per Telemedizin bereits möglich. Der Patient wird quasi aufgenommen und befindet sich dann zunächst im „virtuellen Wartezimmer“. Anschließend wird er vom Arzt befragt und bekommt eine entsprechende Therapie. So betreuen im Medgate Telemedicine Center, dem größten ärztlich betriebenen telemedizinischen Zentrum Europas, rund hundert Ärzte mehrere tausend Patienten am Tag. Dabei ist das Zentrum sowohl für akute als auch allgemein medizinische Anliegen zuständig. Soweit medizinisch sinnvoll und leitlinienkonform stellen die Ärzte ihren Patienten ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis oder ein Rezept aus. Die Verordnung wird dann direkt an eine Apotheke in der Nähe des Patienten geschickt, wo dieser das Medikament beziehen kann. Alternativ kann es auch an eine Versandapotheke übermittelt werden. Die Frage, ob das fortschrittlich oder eher fatal ist, bleibt sicherlich zunächst diskussionswürdig.

 

 
 

In der Altersforschung erlebt die Parabiose ein Comeback. Studien zeigten: Das Zusammennähen von zwei unterschiedlich alten Mäusen hat verjüngende Effekte auf den Organismus der älteren Maus. Eine neue Anti-Aging-Strategie? Einige Firmen bieten bereits Bluttransfusionen an.

Vor etwa 150 Jahren machte der französische Physiologe Paul Bert eine erstaunliche Entdeckung: Der Wissenschaftler hatte von zwei Ratten Hautstreifen entfernt und die Tiere an dieser Stelle anschließend zusammen genäht. Nach kurzer Zeit waren die Blutgefäße der zwei Nager verschmolzen. Es hatte sich ein Blutkreislauf gebildet. Indem er Flüssigkeiten in die Venen eines Tieres injizierte, konnte Bert zeigen, dass das Blut der einen Ratte auch durch die Adern des anderen Tieres floss. Für seine Arbeit erhielt er zwei Jahre später den Preis der Pariser Akademie der Wissenschaften.

Parabiose wird dieses Phänomen genannt, bei der zwei Organismen miteinander verwachsen sind. Lebewesen können entweder von Geburt an miteinander verbunden sein, wie siamesische Zwillinge, oder sie können mithilfe eines chirurgischen Eingriffs aneinander genäht werden.

Ergebnisse um jeden Preis?

Alterserscheinungen wurden mithilfe parabiotischer Versuche erstmals 1956 untersucht. Hierfür hatte der Biochemiker und Gerontologe Clive McCay von der Cornell University in New York eine alte mit einer jungen Ratte zusammen genäht. Die Ratten blieben über mehrere Monate in dieser Form vereint – zum Vorteil des älteren Tieres, denn seine Knochendichte verbesserte sich. Ein paar Jahre später, im Jahr 1972, veröffentlichten Wissenschaftler von der University of California ebenfalls eine Studie zu dem Thema „junges Blut bei älteren Tieren“. Die amerikanischen Forscher hatten herausgefunden, dass ältere Ratten, die sich Blut mit jüngeren teilten, vier bis fünf Monate länger lebten als solche, die das nicht taten. Allerdings konnten diese Resultate bis heute nicht reproduziert werden.

So faszinierend die Ergebnisse sind, für die Tiere waren diese Versuche jedoch alles andere als angenehm und gingen zudem mit einem hohen Sterberisiko einher: Ratten, die nicht aneinander gewöhnt waren, bissen sich gegenseitig tot. Zudem verstarben 11 der 69 Nager-Paare  an der parabiotischen Krankheit, einer Krankheit, bei der vermutlich das Immunsystem des einen Tieres gegen das Blut des anderen ankämpft.

Ältere Mäuse profitieren von jungem Blut

Ende der 70er Jahre ließ das Interesse an parabiotischen Versuchen nach. Doch heutzutage sind sie im Rahmen der Altersforschung wieder in den Medien. Denn in fast allen Bereichen des Körpers älterer Mäuse scheint „junges Blut“ einen verjüngenden Effekt zu haben, nicht nur auf die Knochendichte. 2005 publizierte ein Forscherteam um Thomas Rando, damals Assistenzprofessor an der Stanford University School of Medicine, wie sich das Blut junger Mäuse auf alternde Muskeln auswirkt. Für einen Zeitraum von sechs bis sieben Monaten, verband er hierfür zwei Mäuse, wobei die eine zwei bis drei Monate jung und die andere zwischen 19 und 26 Monate alt war. Nach fünf Wochen verletzte der Wissenschaftler bei jeder Maus die Muskeln an der Hinterpfote. Fünf Tage später war die Verletzung der älteren Tiere ebenso gut verheilt wie die der jüngeren. Wahrscheinlich, da die Stammzellen des älteren Tieres angeregt wurden, sich zu teilen. War die ältere Maus jedoch mit einem gleichaltrigen Nager verbunden, heilte die Verletzung weitaus schlechter – so wie es normal ist bei nicht-parabiotischen älteren Tieren.

Ab diesem Zeitpunkt erschienen viele verschiedene Veröffentlichungen zu dem Thema. Junges Blut kann demnach beschädigtes Rückenmark reparieren, verdickte Herzmuskeln zurückbilden oder die Bildung neuer Neuronen im Gehirn und dem Geruchsystem unterstützen. Der Effekt funktioniert auch mit Plasma von Menschen. Im April dieses Jahres zeigte Tony Wyss-Coray von der Stanford University School of Medicine, dass sich die Erinnerungs- und Lernfähigkeit alter Mäuse durch menschliches Nabelschnurplasma verbessert. Hierfür hatte das Forscherteam den Tieren über zwei Wochen jeden vierten Tag das Plasma gespritzt.

Tierfreundlicheres Vorgehen

Seit den 70er Jahren hat sich viel zum Wohle der Tiere verändert. Damit die Tiere weniger leiden müssen, werden Mäuse gleichen Geschlechts und gleicher Größe mindestens zwei Wochen vor dem chirurgischen Eingriff aneinander gewöhnt. Für die Operation werden sie narkotisiert. Um die Sterblichkeit der Versuchstiere zu senken, werden heutzutage nur genetisch gleiche Tiere verbunden. Denn diese scheinen nicht an der Parabiose-Krankheit zu erkranken. Antibiotikagaben verringern zudem das Infektionsrisiko. Nach dem chirurgischen Eingriff verhalten sich die verbundenen Tiere normal und sie lassen sich auch später wieder erfolgreich trennen.

Unbekannter Wirkmechanismus

Die Frage, wie genau das „junge Blut“ auf den älteren Organismus wirkt, ist bis heute unklar. Vermutet wird, dass bestimmte Bestandteile des Blutes sich positiv auf die älteren Stammzellen auswirken. Eine mögliche Erklärung für die positiven Effekte des jungen Bluts könnte das Protein GDF11 (Growth Differentation Factor 11) sein, dessen Konzentration im Blut immer mehr abnimmt, je älter man wird. Forscher der Havard University in Cambridge hatten das Protein älteren Mäusen mit Herzhypertrophie über vier Wochen verabreicht, woraufhin sich das vergrößerte Herz zurückbildete. Auch das Protein TIMP2 (Tissue Inhibitor Metalloprotease) steht unter dem Verdacht, sich positiv auszuwirken, indem es die Funktion des älteren Hippocampus verbessert, das Hormon Oxytocin soll Alterungsprozesse aufhalten. Beides findet sich vermehrt in jungem Blut.

Doch nicht immer herrscht Einigkeit. Das Biotechnologie-Unternehmen Novartis beispielsweise konnte die positive Wirkung von GDF11 nicht reproduzieren. Das Problem sei, dass GDF11 dem Protein Myostatin ähnelt und die von den Havard-Wissenschaftlern verwendeten Nachweismethoden zwischen diesen beiden Substanzen nicht unterscheiden könne. Myostatin hemmt das Muskelwachstum und seine Konzentration im Blut nimmt im Alter zu. Tatsächlich würden auch die GDF11-Level im Alter ansteigen, was Novartis mit anderen Reagenzien nachgewiesen haben will. Das Forscherteam der Havard University erwiderte, dass womöglich mehrere Formen von GDF11 existieren und die von Novartis durchgeführten Tests aufgrund einiger Abweichungen nicht vergleichbar wären.

Die Ursache für den verjüngenden Effekt der Parabiose könnte jedoch auch darin liegen, dass sich die verbundenen Tiere Organe teilen. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, entwickelten Irina Conboy eine Vorrichtung, mit deren Hilfe sie das Blut von jungen und alten Mäusen austauschen konnte. Es zeigte sich, dass der hemmende Effekt des alten Blutes auf junge Mäuse deutlich ausgeprägter war, als der Nutzen des jungen Blutes auf alte Mäuse. Grund für die beobachteten positiven Effekte bei alten Mäusen könnten, so die Forscher, auch damit erklärt werden, dass das alte Blut verdünnt würde.

Verjüngungskur kostet 8000 Dollar

Obwohl der Wirkmechanismus des jungen Mäusebluts auf älteres Gewebe bisher ungeklärt ist, haben einige Firmen eigene Studien am Menschen gestartet. Im Gegensatz zu den Tierversuchen wird allerdings auf eine Parabiose verzichtet. Denn wer möchte sich schon freiwillig mit einem anderen Menschen zusammen nähen lassen? Stattdessen erhalten die Studienteilnehmern Blut, das jüngere Menschen gespendet haben.

Eine dieser Firmen ist das Start-up Ambrosia aus Monterey in Kalifornien. Für die Studie sucht Firmengründer Jesse Karmazin derzeit noch Teilnehmer. Voraussetzung ist, dass man mindestens 35 Jahre alt, nicht schwanger und gesund ist. Wenn man dann noch das nötige Kleingeld übrig hat, nämlich 8.000 Dollar, steht der Verjüngungskur nichts mehr im Wege: Dann erhält man eine einmalige Plasmainfusion von einem Spender, der maximal 25 Jahre alt ist. Eine Kontrollgruppe gibt es nicht, niemand möchte 8.000 Dollar für ein Placebo ausgeben. Stattdessen wird das Blut der Teilnehmer vor und nach der Infusion auf verschiedene Biomarker untersucht. Gegenüber einem Fachmagazin versicherte der Firmengründer, dass die Teilnahmegebühr notwendig sei, um unter anderem die Kosten für das Plasma, die Genehmigung der Ethikkommission und die Labortests zu decken.

Eine weitere Firma ist Alkahest. Das Privatunternehmen aus San Carlos in Kalifornien wurde von Wyss-Coray gegründet und startete zusammen mit der Stanford University im September eine randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie. 18 Alzheimer-Patienten über 50 Jahre erhalten vier Infusionen von jungen Spendern über vier Wochen. Primärer Endpunkt ist die Sicherheit. Zudem suchen die Wissenschaftler nach Veränderungen im Gehirn oder im Blut. Bis Ende des Jahres soll die Studie abgeschlossen sein.

Auch ein Krankenhaus in Südkorea startete eine randomisierte placebokontrollierte klinische Studie. 64 Studienteilnehmer, die mindestens 55 Jahre alt sind, erhalten entweder frisches Nabelschnurblut, eingefrorenes Nabelschnurblut, eingefrorenes Plasma oder ein Placebo. Ziel der Studie ist neben der Überprüfung der Sicherheit auch die Untersuchung der Auswirkung des Blutes bzw. Plasmas auf Alterserscheinungen.

Vorsicht vor unnötigen Bluttransfusionen

Derzeit existieren keine Daten, die eine lebensverlängernde Wirkung von Bluttransfusionen belegen. Behandlungen zur Lebensverlängerungen sind daher nicht sinnvoll. Hinzu kommt, dass Bluttransfusionen, obwohl sie schon zur Routine gehören, nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfen. Neben der Übertragung von Infektionen können – selbst bei einem gut passendem Spender – Immunreaktionen auftreten. Im Extremfall erleidet der Empfänger sogar einen anaphylaktischen Schock.