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Berlin (dpa) - Die Zahl neuer Leberkrebsfälle hat sich in Deutschland während der vergangenen 30 Jahre verdoppelt. Hauptursache dafür sei die Zunahme von Hepatitis-C-Infektionen, berichten Berliner Ärzte um Prof. Hans Scherübl vom Vivantes Klinikum Am Urban.

Die Mediziner werteten dazu Daten des Gemeinsamen Krebsregisters der neuen Bundesländer und Berlin aus. Obwohl der Anstieg der Leberkrebsfälle aus anderen Industrieländern bekannt ist, lagen für Deutschland bislang keine entsprechenden Zahlen vor.

Demnach gab es in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen noch 1976 knapp 200 Neuerkrankungen des gefährlichen hepatozellulären Karzinoms (HCC), 2002 waren es fast 400. Männer sind dabei etwa doppelt so oft betroffen wie Frauen. Auch an einem anderen, oft tödlichen Leberkarzinom (iCCC) erkranken mit einer Häufigkeit von 0,7 pro 100 000 heute doppelt so viele Menschen wie 1976, berichtet Scherübls Team. Die Analyse ist in der «Deutschen Medizinischen Wochenschrift» (Nr. 131, S. 1649) erschienen.

Als Gründe nennt Scherübl die Zunahme von Infektionen mit Hepatitis-C-Viren (HCV), aber auch bessere diagnostische Möglichkeiten und die gestiegene Lebenserwartung bei Leberzirrhose. Die Leberzirrhose gilt als wichtigste Vorstufe von Leberkrebs. Die Zahl der HCV-Infizierten wird in Deutschland auf 600 000 geschätzt, jährlich kommen 5 100 hinzu. Aber auch Hepatitis B, Alkohol- Abhängigkeit oder Eisenspeicherkrankheit können zu Leberkrebs führen. Nur drei Prozent der HCC- und zwei Prozent der iCCC-Patienten leben noch fünf Jahre, nachdem die Diagnose gestellt wurde.