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Patienten mit einer Herzinsuffizienz sollen zur Leistungssteigerung körperliches Training absolvieren. Sportmediziner fanden nun heraus, dass nicht die Trainingsform entscheidend ist, sondern ob die Patienten dabei qualifiziert betreut wurden. Die Herzinsuffizienz zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Obwohl sich die Lebenserwartung von Herzinsuffizienz-Patienten in den vergangenen Jahren verbessert hat, verstirbt dennoch etwa die Hälfte innerhalb von vier Jahren nach der Diagnose. Bei der Behandlung der Herzmuskelschwäche stand lange Zeit die medikamentöse Therapie ganz klar im Vordergrund. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat ein langsames Umdenken eingesetzt. Körperliches Training soll medikamentöse Therapie unterstützen Immer mehr Ärzte sehen im körperlichen Training eine Möglichkeit, den Herzmuskel zusätzlich zu stärken. „Medikamente sind die absolute Basis der Behandlung, darauf kann man nicht verzichten, aber körperliches Training macht die Patienten belastbarer und reduziert die Zahl weiterer Krankenhausaufenthalte“, sagt Martin Halle, ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der Technischen Universität München. „Das körperliche Training stärkt das Herz durch eine verbesserte Herzmuskelfunktion. Die Blutgefäße erweitern sich und es bilden sich zudem neue Blutgefäße.“ Nun haben er und ein internationales Team im Rahmen einer größeren klinischen Studie untersucht, wie sich unterschiedliche Formen von körperlichem Training auf das geschädigte Herz von Patienten mit einer Herzinsuffizienz auswirken. Wie die Forscher in einem Artikel im Fachmagazin Circulation mitteilen, konnten Patienten mit einem moderaten Ausdauertraining die gleichen Verbesserungen ihrer Herzleistung erzielen wie mit einem Intervalltraining bei hoher Intensität. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu einer früheren Studie mit kleiner Teilnehmerzahl, die eine Überlegenheit des Intervalltrainings gezeigt hatte. An der aktuellen Studie nahmen 261 Probanden an neun Kliniken in Europa teil. Die Studienteilnehmer litten alle an einer Herzmuskelschwäche mit mittelschwerer bis schwerer Symptomatik und wurden in drei Gruppen eingeteilt. Überwachtes Training nur in den ersten zwölf Wochen Die erste Gruppe trainierte alleine zu Hause und besuchte alle drei Wochen ein Fitnesszentrum, um dort moderat zu trainieren. Die zweite und die dritte Gruppe trainierte dreimal pro Woche unter Überwachung in einem Fitnesszentrum. Von diesen beiden Gruppen trainierte dabei wiederum die eine Gruppe auf moderate Weise mit 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz, die andere Gruppe intensiv im Rahmen eines Intervalltrainings mit 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Alle Probanden führten ihr jeweiliges Trainingsprogramm zunächst über zwölf Wochen durch und erhielten dann von den Medizinern um Halle die Empfehlung, das Training in den folgenden 40 Wochen fortzuführen, ohne in diesem Zeitraum überwacht zu werden. 202 von 261 Patienten absolvierten die kompletten 52 Wochen, die anderen Patienten schieden aus verschiedenen Gründen vorzeitig aus der Studie aus. Training verbessert Sauerstoffaufnahme Zu Beginn der Studie, nach 12 und nach 52 Wochen, maßen die Mediziner bei allen Probanden Größe und Pumpleistung der linken Herzkammer sowie die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität. Patienten, die an einem überwachten Training teilnahmen, egal, ob moderat oder intensiv, waren nach zwölf Wochen leistungsfähiger als diejenigen, die alleine trainierten. „Wir konnten bei diesen Patienten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten“, sagt Halle. „Sowohl die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität als auch ihre allgemeine körperliche Verfassung verbesserten sich ebenfalls.“ Er und die anderen Mediziner konnten zu ihrer Überraschung jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität und einem Ausdauertraining bei moderater Intensität feststellen. Warum das so ist, kann Halle momentan noch nicht erklären, da gesunde Menschen mit einem Intervalltraining größere Effekte erzielen als mit einem moderaten Ausdauertraining. Trainingsbereitschaft der Patienten verringert sich Die Anzahl von ernsten Zwischenfällen war bei den Patienten, die mit hoher Intensität trainierten, höher als bei den Patienten, die moderat trainierten. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Um diesen Aspekt mit einer genügend großen statistischen Aussagekraft zu beurteilen, werden deshalb Studien mit einer noch größeren Patientenzahl benötigt. Solange die Frage, ob Intervalltraining mit hoher Intensität genauso sicher ist, nicht eindeutig beantworten werden kann, empfiehlt Halle Herzinsuffizienz-Patienten ein moderates Ausdauertraining. Am besten sollten die Patienten dabei unter Betreuung durch ausgebildete Fachkräfte trainieren. Im Rahmen der Studie zeigte sich nach 52 Wochen, dass die Patienten aus den beiden anfangs überwachten Gruppen ihre im Vergleich zu den alleine trainierenden Patienten erzielten Leistungsverbesserungen nicht aufrecht halten konnten. Halle hofft, dass die Ergebnisse der aktuellen Studie dazu beitragen, dass mehr Patienten mit einer Herzmuskelschwäche als bisher mit einem körperlichen Training beginnen. Er schätzt, dass sich momentan maximal 20 Prozent dieser Patienten in Deutschland sportlich betätigen. Patienten haben Wahl zwischen verschiedenen Trainingsformen Andere Experten bewerten die Untersuchung von Halle und seinen Kollegen positiv: „Die Studie ist methodisch gut gemacht und die Ergebnisse ergeben Sinn“, sagt Josef Niebauer, Leiter des Instituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin des Universitätsklinikum Salzburg. Warum das Intervalltraining nicht besser abschneidet als das moderate Ausdauertraining, dafür hat Niebauer eine einfache Erklärung: „Herzinsuffizienz-Patienten sind krank und limitiert, die werden durch körperliches Training ihre Leistungsfähigkeit verbessern, fast egal, was sie tun.“ Das, so der Sportmediziner, sage letztendlich die Studie aus, und das sei auch eine gute Botschaft für alle Patienten, die, wenn sie wollten, vielfältig trainieren könnten und sich nicht auf eine bestimmte Trainingsform beschränken müssten. Präventionszentren fehlen Nach Ansicht von Niebauer zeigt die Studie aber auch ganz klar, dass es nicht damit getan ist, die Patienten für kurze Zeit unter Aufsicht trainieren zu lassen und diese dann sich selbst zu überlassen. Hier sieht er einen grundsätzlichen Fehler im deutschen Gesundheitssystem: „Bei einer medikamentösen Therapie kontrolliert der behandelnde Arzt regelmäßig, ob beim Patient ein Arzneimittel weiterhin wirkt oder ob dessen Dosierung geändert werden muss“, erklärt Niebauer. „Wir müssen deshalb eine Infrastruktur mit genügend Präventionszentren schaffen, die die Patienten regelmäßig aufsuchen und wo sie unter fachkundiger Überwachung therapiegetreu trainieren können. Am besten kombiniert mit einem finanziellen Belohnungssystem, das die Patienten zusätzlich motiviert.“ Eigentlich, so Niebauer, brauche es keine weiteren Studien, um das zu beweisen, denn es sei mittlerweile klar, dass regelmäßiges sportliches Training die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten nicht nur bei Herzinsuffizienz, sondern auch bei vielen anderen Krankheiten deutlich verbessere.