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Die hierarchischen Rollen in Kliniken sind seit 150 Jahren klar verteilt: die Oberen herrschen, die Unteren buckeln. So werden Operationsschwestern vom Chirurgen als „dumm“ bezeichnet. Und für Assistenzärzte gehören öffentliche Schikanen während der Visite zum Klinikalltag dazu.

Das Krankenhaus ist von Natur aus ein Ort, an dem es um Leben und Tod geht. Das ist die Arbeit, die Ärzte, Krankenschwestern und andere Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes gewählt haben. Die ständige drohende Gesundheitsgefahr der Patienten, der enorme emotionale und auch körperliche Stress kann sie motivieren oder runterziehen. Doch was dabei immer an erster Stelle stehen muss, ist ein Höchstmaß an Professionalität. Was aber tun, wenn das nicht funktioniert und die starren Hierarchieebenen von Vorgesetzen missbraucht werden?

Sticheleien zwischen Pflegepersonal und Ärzten

Janina K. ist Krankenpflegerin in einer großen Münchner Klinik. Ihren vollen Namen und genauen Arbeitsort möchte sie nicht nennen, aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen. Sie berichtet, dass sie und ihre Kolleginnen beinahe täglich unfaires Verhalten der Ärzte ihnen gegenüber erleben. Das harmloseste sei die offensichtliche Nichtbeachtung ihrer Person, gerade im Beisein von Patienten oder das maßlose Anherrschen, sollte etwas nicht zur Zufriedenheit der Ärzte erledigt worden sein. Erfahrene Operationsschwestern würden von den Chirurgen häufig als „blöd“, „debil“ oder „faul“ angepöbelt, und das nicht unter vier Augen, sondern vor Assistenten und anderen Zuhörern.

Man lernt mit solchen Sticheleien umzugehen und auch das schlechte Gerede hinter dem Rücken zu ignorieren, betont die Pflegekraft. Doch es gibt auch Situationen, die Janina ziemlich zusetzen, gerade dann, wenn sie auch für Patienten gefährlich werden können. So hatte Janina einmal einen Mann betreut, der für eine Stammzelltransplantation vorgesehen war. Er hatte typische Symptome eines Herzinfarkts gezeigt, was durch die Medikamente, die er bekam, hervorgerufen werden konnte. Wenn der Patient jedoch kardial instabil ist, kann das eine geplante Transplantation sehr riskant machen. Also bekam der Patient ein EKG angelegt und die Schwestern warteten auf den Arzt, der es auswerten sollte.

Als die Morgenvisite startete und der Patient dem diensthabenden Arzt von seinen stechenden Brustschmerzen berichtete, warf dieser nur einen kurzen Blick auf das EKG, während er gleichzeitig auf seinem Smartphone herumtippte. Er kam schließlich zu der Feststellung, dass ihn das jetzt nicht beträfe und sich ein anderer Kollege doch „irgendwann“ darum kümmern solle. Der Arzt war für seine herrische Ungeduld bekannt.

An guten Tagen brodelte seine schlechte Laune nur an der Oberfläche, an schlechten kochte sie über. Janina fühlte sich in einer Pattsituation. Würde sie den Arzt noch einmal auf die Beschwerden und die möglichen Risiken wegen der bevorstehenden Transplantation ansprechen, könnte es sehr ungemütlich für sie werden, wenn sie die Wut des Arztes ab bekäme. Ließe sie es jedoch bleiben, könnte das dem Patienten schaden. Als sie beim Arzt schließlich doch noch einmal zaghaft nachfragt, dreht dieser sich plötzlich inmitten der versammelten Mannschaft zu ihr um und schreit sie wutentbrannt an: „Warum?! Wollen Sie etwa meinen Job tun? Haben Sie etwa Medizin studiert?“. Die Krankenpflegerin ist eingeschüchtert und fühlt sich vorgeführt. Die versammelte Runde bricht in leises Gekicher aus. Dies ist nur eine von vielen Situationen, in denen die altbekannte Hierarchie zwischen Ärzten und Schwestern sich von ihrer schlimmen Seite zeigt.

Schikanieren der Assistenzärzte

Doch nicht nur das Pflegepersonal muss unter denjenigen leiden, die ihre Machtposition missbrauchen. Auch die Ärzte selber erfahren solche Demütigungen häufig am eigenen Leib, gerade in ihrer Anfangszeit.

Assistenzärzte stehen besonders unter Druck, da sie zur Facharztprüfung einen dicken Katalog an Operationen und Untersuchungen nachweisen müssen und häufig daneben auch noch wissenschaftlich tätig sein müssen. Sie haben oft nur einen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag, wodurch die Chefärzte sie in der Hand haben und deren unangemessenes Verhalten nicht geahndet, sondern toleriert wird.

Beliebt ist laut Assistenzarzt Hannes R., der in einer großen chirurgischen Abteilung arbeitet, das Bloßstellen während der Visite. Hannes berichtet, dass Assistenzärzte regelmäßig vom Chefarzt vor den Patienten „ausgefragt“ werden. Sie müssen dann auswendig die Patientenakte hinunter beten, inklusive Wohnort, früherer Arbeitsstellen, Haustiere und anderer häufig unrelevanter Informationen. Bei Nichtwissen würde der Vorgesetzte dann süffisant vor dem Patientenbett bemerken „Sehen Sie, Sie sind kein guter Arzt. Wie soll nur jemals was aus Ihnen werden“.

Auch Dr. Rebecca Mahnsen*, die Assistenzärztin in einer Kölner Klinik ist, berichtet uns von ähnlichen Erlebnissen. „Die PJler und Famulanten werden regelmäßig wie Luft bei den Visiten behandelt, wobei ich diese ja noch beneide.“ Die Assistenzärzte hingegen werden jederzeit vor der versammelten Runde runtergemacht, wenn etwas nicht so notiert wurde, wie der Chef persönlich es wolle oder bei sonstigen „angeblichen“ Fehlern.

Einmal wurde eine Kollegin angeschrien, weil sie eine Minute zu spät zum Dienst erschien. Rebecca Mahnsen berichtet, dass sie häufig einfach von ihrem Chefarzt ignoriert würde. So würde dieser ziemlich wichtige OPs ihrem männlichen Kollegen geben, während sie leer ausginge. Wenn sie dann darauf zu sprechen komme, würde der Arzt nur grinsen und meinen, dass sie noch nicht „das Zeug dazu hätte“.

Medizinstudenten werden ausgenutzt

Solche Situationen, in denen die hierarchischen Ebenen im Krankenhaus ausgenutzt werden, erleben viele Ärzte tagtäglich. Ein PJler in der Inneren Medizin erzählte uns, dass sein Oberarzt auf Station immer die ganzen Patientenakten rausreißen und auf den Boden werfen würde, wenn er etwas nicht richtig eingeordnet hätte. Oder er würde ihn mit Botengängen schikanieren, wie etwa, dass er der versammelten Mannschaft Kaffee holen müsse und deswegen „leider“ nicht an der interessanten Besprechung teilnehmen könne.

Auch würde sein Chef ihm häufig kurz vor Dienstschluss noch längere Aufgaben aufs Auge drücken, wie etwa Aktenschränke auszusortieren, damit er ja nicht pünktlich gehen kann so wie die anderen Ärzte auch. Doch auch schon im Studium bekommen viele Medizinstudenten die hierarchischen Ebenen im Krankenhaus zu spüren. Beispielsweise, wenn es um das Erstellen der Doktorarbeit geht.

Stefanie K. bekam das am eigenen Leib zu spüren. Die Studentin bewarb sich für eine Dissertation an einer anerkannten Klinik für Plastische Chirurgie. Am Anfang sah alles super aus. Sie hatte einen Assistenzarzt, der sie in die Laborarbeit einführte und der Doktorvater und Oberarzt der Klinik erschienen auch nett und sehr kompetent. Stefanie begann motiviert ihre experimentelle Arbeit und dokumentierte alles sorgfältig. Als erste Ergebnisse feststanden, meinte ihr Betreuer, er müsse diese nun auf einem Kongress vorstellen. Stefanie dachte, das wäre so üblich und überreichte dem Betreuer alle ihre schriftlichen Aufzeichnungen.

Doch schon bald nach dem Kongress begann die Qualität ihrer Betreuung rapide zu sinken, sie wurde immer öfter mit Fragestellungen alleine gelassen. Schließlich erfuhr sie durch Zufall, dass ihr Betreuer auch schon eine Publikation mit ihren Ergebnissen eingereicht hatte: Sie stand zwar auch weit hinten auf dem Paper, doch ihr Betreuer nannte sich als Erstautor und verwendete ihre hart erarbeiteten Ergebnisse gleich für seine Zwecke. Als sie ihren Doktorvater schließlich zögerlich darauf ansprach, meinte dieser nur, dass sei halt so üblich, schließlich wolle sich der Assistenzarzt habilitieren und er könne die Arbeit ja nicht alleine machen.

Mobbing im Krankenhaus

Solch ein Ausspielen von Machtpositionen kann auch sehr extrem werden und zu Mobbing ausarten. Das ist ein Thema, das zwar oft nicht angesprochen wird, aber in ziemlich vielen Kliniken besteht. Im Gesundheitswesen wird sogar mehr gemobbt als in jeder anderen Berufssparte. Zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Kanada. Die Erkenntnisse lassen sich aber auch auf Deutschland übertragen.

Als Mobbing bezeichnet man Handlungen, die dazu dienen, andere Menschen wiederholt zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen, beispielsweise durch die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, die Zuweisung sinnloser Arbeitsaufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige Kritik an der Arbeit. Viele Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes kennen diese Situationen. Oft ist das Mobbingopfer zunächst Sündenbock für unverarbeitete Konflikte am Arbeitsplatz. Später kommt es zu gezieltem Terror durch Ausgrenzung und  Kränkungen.

Wie bei der Ärztin Ramona Hoffmann*. Sie bewarb sich für eine Assistenzarztstelle an einer großen Klinik in der Inneren Medizin. Anfangs war sie sehr motiviert, freudig, dass es nun endlich losging mit dem ersten richtigen Job. Doch schnell fühlte sie sich von ihren Vorgesetzen alleine gelassen. „Ich habe keinerlei Unterstützung von meinen Oberärzten bekommen“ erzählt sie. „Ich war für eine ganze Station als absoluter Anfänger alleine verantwortlich.“ Das zerrte an ihren Nerven: „Wenn ich abends nach Hause kam, betete ich, heute niemanden umgebracht zu haben“.

Bei Fragen, die sie an ihren Oberarzt richtete, war der zu beschäftigt, um zu antworten. Doch wenn sie am nächsten Tag in der Morgenvisite den Patienten vorstellte, wurde sie vor versammelter Mannschaft vorgeführt, weil man hinter ihrem Rücken Therapiepläne änderte. „Oft fand ich meine Anordnungen in den Patientenakten mit einem dicken roten Stift durchgestrichen, ohne, dass jemand mit mir darüber gesprochen hätte, was ich falsch gemacht hätte“, berichtet die junge Ärztin. „Sowieso hab ich immer alles falsch gemacht, egal wie sehr ich mich anstrengte“.

Die Situation nagt an ihren Kräften, Ramona wird immer unsicherer und ihr Selbstwertgefühl leidet. „Wollte ich einen Patienten noch am selben Tag untersuchen, hieß es immer, dass sei doch nicht nötig, ich müsse auch auf die Kosten achten. Verschob ich das Ganze auf den nächsten Tag, sagte man mir, dass müsse doch unbedingt gleich erfolgen, ob ich im Medizinstudium nichts gelernt hätte“. Ramona geht es immer schlechter.

Oft geht sie weinend nach Hause, müde vom Nachtdienst, erschöpft und frustriert, weil sie wieder einmal von ihrem Oberarzt eins auf den Deckel bekommen hat. Die Assistenzärztin traut sich immer weniger zu, will bei allem auf Nummer sicher gehen und bekommt doch von allen Seiten zu hören, sie wäre nicht gut genug für den Beruf. Als sie sich immer mehr zurückzieht, um ja nichts Falsches zu tun, sagt man ihr, sie müsse sich gar nicht wundern über die schlechte Kritik ihres Vorgesetzten, sie würde den Beruf ja gar nicht wollen.

Schließlich zieht Ramona die Reißleine. „Ich habe gekündigt und mir eine andere Stelle in einer anderen kleineren Klinik auf dem Land gesucht“, erzählt sie. „Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht“. In der kleinen Klinik erfährt sie Unterstützung und flache Hierarchien. „Jeder grüßte sich mit Vornamen, man saß häufig noch nach der Arbeit gemütlich in einem kleinen Cafe um die Ecke zusammen. Jeder war freundlich und bereit, Sachverhalte vernünftig anzusprechen und zu erklären.“ So etwas kannte sie vorher nicht. Erst im Nachhinein wurde Ramona klar, dass sie zuvor ein Mobbingopfer gewesen war.

Auch Chefärzte sind betroffen

Wie der 2015 bekannt gewordene Fall eines Chefarztes der Ilmtalklinik zeigt, kommt Mobbing allerdings nicht immer nur von Seiten der Ärzte. Hier wollte die Klinik den in Ungnade gefallenen Arzt loswerden und wendete perfide Methoden an. Gewisse lukrative Eingriffe waren rückläufig geworden, anscheinend konnte man nicht die vorgeschriebene Mindestmenge an Fällen erbringen, wodurch sich finanzielle Probleme ergaben. Die Klinik wollte den Arzt zur Kündigung drängen. Der betroffene Chefarzt wurde eines Tages zur Geschäftsleitung zitiert und fiel aus allen Wolken, als er von dieser nach gesundheitlichen Problemen befragt wurde.

Der Geschäftsführung sei nämlich von verschiedenen Seiten zugetragen worden, dass er „Aussetzer“ habe. Die Klinik wollte den Arzt untersuchen lassen und tatsächlich rief kurze Zeit später einen psychiatrische Einrichtung an: er solle sofort zu einer 14-tägigen stationären Untersuchung kommen, man hätte von der Geschäftsleitung gehört, es stehe sehr schlimm um ihn.

Der Chefarzt wurde zwangsweise einer neurologisch-psychiatrischen Begutachtung wegen angeblicher Demenz unterzogen. Zwar haben Klinikleiter tatsächlich das Recht bei Zweifeln am Gesundheitszustand eines Mitarbeiters auf eine vertrauensärztliche Untersuchung zu bestehen, aber „dass es allerdings im konkreten Fall um einen Chefarzt geht und zudem auch noch um ein etwas untypisches Krankheitsbild, das ist jetzt eher selten", erklärte der Geschäftsführer der Bayrischen Krankenhausgesellschaft Siegfried Hasenbein.

Die Begutachtung des Chefarztes fand schließlich heraus, dass dieser „überdurchschnittliche Fähigkeiten besitzt“, wie es in einem Schreiben des Ärztlichen Kreisverbandes heißt. Doch damit hatte er noch lange keine Ruhe, denn er wurde erneut mit einem Vorwurf konfrontiert. Diesmal sollten die im Landkreis praktizierenden Fach- und Hausärzte angeblich kein Vertrauen mehr zu ihm haben und deswegen ein Auflösungsvertrag erfolgen.

Doch wieder konnte der Vorwurf entkräftigt werden – die Landkreisärzte sprachen dem langjährig tätigen Chefarzt ihr Vertrauen aus und stellten sogar den Klinikleiter auf einer Sitzung zur Rede. Das Vorgehen der Geschäftsführer der Ilmtalklinik ist kein Einzelfall. Um unerwünschte Mitarbeiter loszuwerden, wird auf verschiedene Arten versucht, Machtpositionen auszunutzen, um Angestellte „rauszuekeln“.

Was tun?

Es stellt sich die Frage, was man gegen Schikane und Mobbing im Krankenhaus tun kann. „Mobbing ist in Kliniken stark verbreitet - das liegt auch an den traditionellen, strikt hierarchischen Strukturen“, erklärt Dr. Brigitte Hefer, Mobbing-Beauftragte der Ärztekammer Nordrhein. Schon seit 150 Jahren sind die Rollen im Krankenhaus klar verteilt.

Im 19. Jahrhundert wurden in der Preußischen Militärakademie Chef-, Ober- und Unterärzte (die heutigen Assistenzärzte) ausgebildet. Dabei wurden keine Widerworte geduldet und alles streng reglementiert. Und auch heute noch haben wir diese strengen Hierarchien. Das schlechte Arbeitsklima führt dazu, dass Schwächen oder Probleme unerwünscht sind. Es wird hart und rücksichtslos kritisiert, da keine Zeit bleibt, um Konflikte in Ruhe auszutragen. Die Hackordnung führt dazu, dass Schikanen und Machtmissbräuche häufig toleriert werden und Opfer sich keine Hilfe suchen.

„Die Betroffenen leiden meistens sehr lange, ehe sie sich bei uns melden - im Schnitt drei Jahre“, berichtet Hefer. Doch nicht nur die standestypische Hierarchie ist Grund für den rauen Umgang im Krankenhaus. Es ist vielmehr eine allgemeine Entsolidarisierung und der generelle Verlust persönlicher Scham und Anständigkeit, die ein solches Verhalten erst ermöglichen. Schon im Studium werden Medizinstudenten eher zu Einzelkämpfern erzogen, als zu Teamplayern. Es werden die Ehrgeizigsten ausgewählt, solche die schon in der Schule immer sehr gute Leistungen erbrachten und diese nicht gerne mit anderen teilen. Das zeigt sich auch im späteren Berufsleben wieder.

Die Konkurrenz ist groß. Gerade in den großen beliebten Facharztrichtungen Chirurgie und Innere Medizin helfen sich die jungen Ärzte nicht untereinander, sondern stoßen mit den Ellenbogen, um ganz nach oben zu kommen. Der Erfolg des Einzelnen ist wichtiger als Zusammenhalt, schließlich möchte man sich jetzt schon einen Namen machen.

Die Ärztekammer versucht mit verschiedenen Methoden, Mobbing in Kliniken vorzubeugen. Man braucht dazu einerseits klare Regeln für häufig mit Konflikten behaftete Bereiche wie Dienstpläne, Urlaub, Fortbildung und Dienstreisen. Alles muss transparent gestaltet werden, damit keiner nachteilig behandelt werden kann.

„Man muss den Chefs das Druckmittel nehmen, beliebig zu strafen“, erklärt Hefer. Andererseits sollte auch eine Kultur geschaffen werden, die es innerhalb der Klinik selbstverständlich macht, dass Mobben für den „Mobber“ negative Konsequenzen hat und unkollegiales Verhalten nicht geduldet wird. Wichtig sind zudem klare Organisations- und Betriebsstrukturen im Krankenhaus.

Vorgesetzte sollten an Schulungen im Bereich Führungsverhalten teilnehmen, um den richtigen Umgang mit Mitarbeitern zu erlernen. Erfährt man selber tagtäglich Schikanen, sollte man sich auch von den Mobbingbeauftragen der Kliniken oder Ärztekammern im konkreten Fall beraten lassen.

„Wir weisen die „Mobbingopfer“ auf berufs- oder arbeitsrechtliche Aspekte hin, die nach unserer Erfahrung sehr oft vorliegen. Bei berufsrechtlichen Verstößen kann die Ärztekammer eine Überprüfung einleiten. (...) Stehen arbeitsrechtliche Belange im Vordergrund, weisen wir die Kollegen auf arbeitsrechtliche Unterstützung durch einen Rechtsanwalt oder den Marburger Bund hin. (...)Wir bieten den Ratsuchenden außerdem die Durchführung eines Schlichtungsverfahrens (Gespräch zwischen „Gemobbtem“, „Mobber“ und Moderation durch die Ärztekammer) an.

In einigen Fällen ist das Arbeitsverhältnis so zerrüttet, dass von den Betroffenen keine Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit gesehen wird. In diesen Fällen raten wir, die Möglichkeit einer adäquaten Abfindung, gegebenenfalls mit Hilfe eines Rechtsbeistandes, prüfen zu lassen“ erklären Dr. Brigitte Hefer und Dr. Martina Levartz, Geschäftsführerin des Instituts für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein.

Zudem halten sie die Einführung einer Betriebsvereinbarung zur Lösung von Konflikten am Arbeitsplatz für sinnvoll, in der Prävention von Mobbing und eine Anlaufstelle sowie Ablaufschritte bei Mobbing niedergelegt sind.

Gemeinsam ist man stärker

Vor allem aber sollten die Kollegen untereinander besser zusammenhalten. Ist man nicht nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, sondern stärkt sich untereinander den Rücken, kann es erst gar nicht soweit kommen. Mobbing funktioniert nur, wenn Einzelne aus der Gruppe ausgegrenzt werden. Setzen sich Kollegen zusammen zur Wehr und dokumentieren notfalls alle unfairen Schikanen, schießt sich der Mobber schnell ein Eigentor.

Natürlich können sich Vorgesetzte und andere Mitarbeiter in Stresssituationen mal im Ton vergreifen oder einen schlechten Tag haben. Wichtig ist dann aber in einem ruhigen Moment das Gespräch mit dem Gegenüber zu suchen und alles zu bereinigen. So kann sich kein Frust anstauen, der womöglich zu unkollegialem Verhalten führt. Gerade bei den hierarchischen Strukturen im Krankenhaus scheint das nicht immer einfach. Oft traut man sich nicht, auch den Chef an einen respektvollen Umgang miteinander zu erinnern. Doch nur, wenn alle zusammen arbeiten, kann das Gesundheitspersonal bestmöglich den Patienten versorgen. Und nur in einem angenehmen kollegialen Arbeitsklima kann die medizinische Arbeit letztlich auch Freude und Erfüllung für alle bieten.