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Glaeske fordert Antibiotika-Leitlinie für Ärzte 

 

„Ärzte brauchen eine Leitlinie für Ärzte zum Umgang mit Antibiotika.“ Das fordert Gesundheitsökonom Gerd Glaeske. Anlass ist eine aktuelle Studie, laut der Ärzte immer noch zu viele unnötige Antibiotika verschreiben. Um die Hersteller zu motivieren, neue Wirkstoffe zu entwickeln, will Gesundheitsminister Gröhe Vergütungsmodelle entwickeln, bei denen der wirtschaftliche Erfolg eines Präparats nicht alleine vom Umsatz abhängt.   

Trotz erster Erfolge werden einer Studie zufolge immer noch zu viele Antibiotika unnötig verschrieben. Das fördert bekanntermaßen Resistenzbildung. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, Ärzten komme beim sachgerechten Einsatz von Antibiotika eine Schlüsselrolle zu. Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske von der Universität Bremen fordert deshalb eine Handreichung für Ärzte zum Umgang mit dem Medikament. „Wir haben keine einzige Leitlinie, die den Ärzten genau darstellt, wie Antibiotika eingenommen werden sollen.“ Außerdem müsse es in den Krankenhäusern mehr Hygienefachkräfte geben, damit die resistenten Keime sich nicht ausbreiten. Auch in die Forschung müsse mehr Geld investiert werden. „Von der Pharmazie ist das ein Bereich, der dramatisch vernachlässigt worden ist.“

Gröhe will Anreize für die Forschung

Gesundheitsminister Gröhe betonte, neu entwickelte Antibiotika sollten möglichst sparsam eingesetzt werden. Das macht die Forschung für Pharmaunternehmen nicht besonders attraktiv. „Notwendig sind deshalb Anreize, die den wirtschaftlichen Nutzen zumindest teilweise vom Umsatz entkoppeln“, sagte Gröhe der dpa. Im Auftrag der 20 Industrie- und Schwellenländer erarbeite die OECD dazu gerade eine Studie.

Den TK-Zahlen zufolge ist die Quote der Antibiotika-Verordnungen zwar zurückgegangen, lag im vergangenen Jahr bei erkältungsbedingt krangeschriebenen Beschäftigten aber noch immer bei 27 Prozent. Im Vergleichsjahr 2008 waren es noch 38 Prozent. „Die überwiegende Zahl der Erkältungsinfekte ist durch Viren hervorgerufen - und gegen eine Virus-Infektion hilft das Medikament nicht“, sagte Tim Steimle von der TK. Auch eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hatte vor Kurzem gezeigt, dass Antibiotika oft nicht indikationsgerecht eingesetzt werden. In der Untersuchung war es konkret um Fluorchinolone gegangen, die demnach zu oft bei bei Bagatallerkrankungen, wie ambulant erworbene unkomplizierte Harnwegsinfekten, Bronchitis oder Sinusitis, verordnet werden. Unter anderem vor dem Hintergrund einer fortschreitenden Resistenzentwicklung sollten die Fluorchinolone aber als Reservesubstanzen zurückhaltend eingesetzt werden. Diese Wirkstoffgruppe hat zudem bei leichteren Erkrankungen ein umstrittenes Nutzen-Risikoverhältnis.

„Patienten wollen unbedingt Antibiotika“

„Die niedergelassenen Ärzte verordnen Antibiotika in verantwortungsvoller Weise“, sagte Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Häufig sähen Ärzte sich jedoch mit dem Wunsch der Patienten konfrontiert, unbedingt ein Antibiotikum zu erhalten. Alle Seiten betonen deshalb den Stellenwert der Patientenaufklärung. „Wir brauchen in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Antibiotika nicht bei jedem Husten oder einer tropfenden Nase helfen“, sagte Gröhe. Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy Müller, fordert daher vor allem mehr finanzielle Unterstützung der Initiativen in Krankenhäusern und Arztpraxen. „Entscheidend ist immer noch, was beim Patienten ankommt“, sagte Müller.  


 

dpa / jb
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