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Die wichtigsten Fakten zur Magersucht

 

Eine falsche Wahrnehmung ihres Körpers bringt Magersüchtige dazu, weiter zu hungern - auch wenn sie schon längst ein lebensbedrohliches Untergewicht erreicht haben. Nach und nach versagen Organe.

Quelle: N24/ Felicia Pochhammer

Die Ex-Freundin von Schalke-Fußballer Ralf Fährmann, Henriette Hömke, ist im Alter von 29 Jahren an Magersucht gestorben. Vor allem Mädchen leiden darunter. Das weiß man über die Essstörung.

Wie erkennt man Magersucht (Anorexia nervosa)?

Die Betroffenen haben große Angst davor, an Gewicht zuzunehmen. Auffällig ist eine Körperschemastörung – das bedeutet, dass die eigene Figur nicht realistisch wahrgenommen wird. Betroffene kommen sich weitaus dicker vor, als sie es tatsächlich sind, unabhängig davon, wie viel sie schon abgenommen haben.

Die Beschäftigung mit dem Essen nimmt teilweise obsessive Züge an. Betroffene studieren Kalorientabellen und essen auffallend wenig und langsam, vermeiden alles, was Zucker oder Fett enthält. Oft treiben sie auch übermäßig viel Sport, nehmen Abführmittel oder erbrechen sich.

Bestimmte Merkmale in der Persönlichkeit und Biografie können dabei helfen, einzuschätzen, ob jemand gefährdet ist, eine Magersucht zu entwickeln. So konnten Forscher gerade zeigen, dass Essstörungen teilweise vererbt sind. Wenn in der Familie also bereits Essstörungen aufgetreten sind, ist das Risiko erhöht.

Außerdem sind viele Betroffene sehr ehrgeizig bis hin zum Perfektionismus. Sie leiden unter Selbstzweifeln und einem geringen Selbstwertgefühl, manche haben schon vor Beginn der Magersucht depressive Verstimmungen. Konkrete Auslöser für die Störung, oft in der Pubertät, können dann belastende Erlebnisse sein, etwa die Trennung der Eltern oder ein Schulwechsel.

Ab wann ist es Magersucht?

Wer unter einer Magersucht leidet, weigert sich, ein Minimum des normalen Körpergewichts zu halten. Das heißt, dass man nicht weniger als 85 Prozent dessen wiegt, was Experten als normal für ein bestimmtes Alter und eine bestimmte Größe anhand des Body-Mass-Index (BMI) definiert haben.

Nach den Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation bedeutet ein BMI unter 18,5 Untergewicht, ab 17,5 sind die Kriterien für eine Magersucht erfüllt. Der BMI gilt aber nur als grobes Mittel der Einschätzung. Da der Körperbau und die Gewichtsentwicklung gerade in der Pubertät bei jedem individuell sind, schaut jeder Arzt ganz genau hin, bevor er eine Magersucht diagnostiziert.

Was passiert mit dem Körper?

Wenn dem Körper über einen längeren Zeitraum Kalorien und Nährstoffe fehlen, bleibt das nicht ohne Folgen. Oft sinkt der Spiegel der Geschlechtshormone ab, bei vielen Mädchen und Frauen bleibt dann die Regelblutung aus. Betroffene Jungen und Männer leiden oft unter Potenzstörungen.

Der Körper versucht außerdem, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Er senkt die Körpertemperatur und den Blutdruck. Deshalb frieren die Betroffenen leicht. Am Rücken, an den Armen und im Gesicht bildet der Körper manchmal einen feinen Haarflaum, der auch Lanugobehaarung genannt wird. Mit der Zeit werden auch die Haare und Nägel brüchig, die Haut wird rau und schuppig und schimmert oftmals bläulich.

Außerdem baut der Körper Muskelmasse ab, bei Kindern und Jugendlichen kann sich so das Wachstum verzögern. Langfristig können durch den Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen sogar die Knochen brüchig werden, und auch den Zähnen drohen Schäden. Schließlich leidet auch das Immunsystem: Die Betroffenen werden häufiger krank als andere.

Wie kann einem geholfen werden?

Mit Magersucht haben die Betroffenen oft über viele Jahre zu kämpfen. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf einen günstigen Verlauf. Bei 40 bis 90 Prozent der Erkrankten lässt sich das Gewicht kurzfristig steigern – je höher das Anfangsgewicht dabei noch liegt, desto günstiger die Prognose.

Schwieriger ist es allerdings, die Körperschemastörung aufzulösen – bei manchen bleibt sie bis ans Lebensende bestehen. Dann kann man nur lernen, mit ihr umzugehen. Bislang halfen Medikamente bei der Behandlung wenig, nur eine gute Psychotherapie konnte den Betroffenen helfen. Das könnte sich künftig mit dem Fund, dass bestimmte Genvarianten Magersucht begünstigen, womöglich ändern.

Wie sollte man als Angehöriger reagieren?

Magersucht gilt als die tödlichste psychische Krankheit: Bis zu 20 Prozent der Betroffenen sterben daran. Deshalb ist schnelle Hilfe sehr wichtig.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät Angehörigen und Freunden, die Warnzeichen zu sehen glauben, zu Folgendem: keine Kritik an Essen und Figur üben, keine Verdachtsdiagnosen stellen – denn starker Gewichtsverlust kann auch organische Ursachen haben, etwa eine Fehlfunktion der Schilddrüse. Wichtig sei es auch, keinen Druck oder Zwang auszuüben, sondern Vertrauen aufzubauen, im Gespräch zu bleiben und Hilfe anzubieten.

Daran sterben in Deutschland 100 Menschen jährlich

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Je dünner, desto besser - das zeigen uns täglich Hochglanzmagazine, Fernsehshows bis hin zu Youtube-Fitness-Stars. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Magersucht und Bulimie nehmen drastisch zu.

Quelle: N24/Fanny Juschten

 
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