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Kalifornien stuft Glyphosat als potenziell krebserregend ein

Kalifornien wird das Pestizid Glyphosat ab Juli als potenziell krebsauslösend einordnen. Damit geht der Streit um Gesundheitsgefahren in die nächste Etappe, Hersteller Monsanto hat bereits Widerspruch angekündigt.

Der Saatgutkonzern Monsanto hat mit seinem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat einen Rückschlag in den USA erlitten. In Kalifornien teilte die zuständige Behörde für Gesundheit und Umwelt am Montag mit, Glyphosat werde ab dem 7. Juli auf die Liste mit Chemikalien gesetzt, die krebserregend sein können.

 

Monsanto wird gerade in einem 66 Milliarden Dollar schweren Deal vom deutschen Bayer-Konzern übernommen. Kritiker der Transaktion befürchten ein Imageproblem für Bayer. Denn Monsanto sieht sich wegen Glyphosat immer neuen Klagen ausgesetzt. Der US-Konzern will gegen die Entscheidung in Kalifornien vorgehen und nannte sie "ungerechtfertigt auf der Basis von Wissenschaft und Gesetz".

Streit um Krebsgefahr

Die Einordnung der kalifornischen Behörde reiht sich ein in eine Kette von unterschiedlichen Beurteilungen zur Gesundheitsgefahr durch Glyphosat:

  • Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte im März 2015 erklärt, Glyphosat sei "wahrscheinlich krebserregend". Auf diese Einstufung beziehen sich nun auch die Behörden in Kalifornien.
  • Die europäische Behörde Efsa stufte das Mittel einige Monate später als ungefährlich ein. Sie berief sich dabei auf Forschungsergebnisse, ohne diese offenzulegen.
  • Experten der Europäischen Chemikalienagentur Echa befanden dann im vergangenen März, Glyphosat könne weder als krebserregend noch genverändernd oder gefährlich für die Fortpflanzung eingestuft werden.

Die Unterschiede in der Bewertung rühren vor allem daher, dass die Behörden unterschiedliche Aufgaben haben: So ermittelt die IARC in erster Linie, wie stark die Beweislage dafür ist, dass etwas beim Menschen Krebs auslöst - und nicht, wie stark der Effekt ist. Die Efsa betreibt Risikobewertung: Sie trifft also Aussagen darüber, in welchen Konzentrationen oder bei welchen Aufnahmeformen etwas gesundheitsschädlich ist, weshalb sie auch Grenzwerte vorschlägt.

 

Die EU-Kommission hat kürzlich angekündigt, Glyphosat erneut für zehn Jahre zuzulassen. Die Begründung: Weltweit seien 27 Agenturen übereinstimmend zu dem Schluss gekommen, das Mittel sei nicht krebserregend. Aufgrund der großen Sorgen in der Bevölkerung solle die Zulassung aber auf zehn Jahre beschränkt werden, sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Glyphosat ist farb- und geruchlos. Monsanto brachte das Mittel 1974 auf den Markt. Es wird in 160 Ländern verkauft. Kalifornische Bauern wenden es bei 250 verschiedenen Pflanzenarten an. Das Mittel wird aber nicht nur von Landwirten, sondern auch auf Golfplätzen und in Weingebieten eingesetzt.

Durch die Maßnahme in Kalifornien könnten Monsanto und andere Firmen, die solche Unkrautvernichter herstellen, dort im nächsten Jahr gezwungen werden, die Produktverpackungen mit Warnungen zu versehen.

 

hei/Reuters/dpa