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Viel Bürokratie, wenig Ertrag – Ärzte hadern mit der ASV

Vor fünf Jahren wurde die ambulante spezialfachärztliche Versorgung eingeführt. Ärzte, die sich daran beteiligen, benötigen offenbar vor allem eins: viel Enthusiasmus.

Von Anno Fricke und Martina Merten

BERLIN. Fünf Jahre nach Einführung stehen Vertreter von Kassen, KBV und Krankenhäusern der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (Paragraf 116b neu) überwiegend skeptisch gegenüber. "Die ASV-Richtlinien sind zu lang, komplex und ihre Umsetzung zu zeitaufwendig", kritisierte beispielsweise Dr. Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband bei einem Symposium in Berlin.

Ähnlich bewertete der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) Georg Baum das ASV-Regelwerk. Die Überführung der alten ASV-Verträge in das neue Konstrukt werde gut und gerne zehn Jahre in Anspruch nehmen. Baum: "Alle alten Verträge sollten ohne Nachweis in die neue ASV aufgenommen werden."

Umsetzung schleppend

Auch aus Patientensicht war wenig Gutes zu hören. Renate Pfeiffer von der BAG Selbsthilfe kritisierte, dass das ASV-Regelwerk auf wenige Indikationen beschränkt und nicht mit der Aufnahme neuer Erkrankungen zu rechnen sei. Durch die schleppende Umsetzung sei nicht abzuschätzen, ob in absehbarer Zeit ein Nutzen erkennbar ist.

62 Spezialistenteams sind beim ASV-Bundesverband derzeit bekannt. 41 setzen die ASV für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, 21 die für Patienten mit Tuberkulose um. Teams für die Versorgung gynäkologischer Tumoren würden derzeit zusammengestellt, teilte der Bundesverband auf Anfrage mit.

In den ASV-Teams sind mehrheitlich sowohl Vertragsärzte als auch Klinikärzte vertreten. Die Teamleiter sehen in der interdisziplinären Versorgung, der intensivierten Betreuung, der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit und der kurzfristigen Wahrnehmung von Facharztterminen überwiegend einen Zusatznutzen für die Patienten im Vergleich zu den bisherigen Standards. Das geht aus einer ersten Auswertung der Begleitstudie zur Einführung der ASV hervor.

Die Studie wird von der Berliner Hochschule BBW, dem ASV-Bundesverband und dem Bundesverband Managed Care betreut. Verwertbare Daten lieferten bis Ende 2016 genau 20 Teams, elf für die onkologische Indikation, neun für TBC. In 14 Teams aus der Umfragegruppe sind Vertragsärzte vertreten. Auffällig sei, dass in knapp der Hälfte aller ASV-Kernteams Ärzte aus einem Medizinischen Versorgungszentrum in vertragsärztlicher oder gemischter Trägerschaft waren.

Keine Rede von flächendeckender Etablierung

Lediglich zwei Teamleiter haben reine "Klinik-Teams" zusammengestellt. Für die onkologische Indikation ist die Zusammenarbeit über die Sektorengrenzen hinweg gesetzlich vorgeschrieben. Von einer flächendeckenden Etablierung der ASV könne nach wie vor keine Rede sein, schreiben die Studienautoren. Im für die Auswertung betrachteten zweiten Quartal 2016 behandelten die Teams der ASV für die gastrointestinalen Tumoren im Schnitt 61 Patienten, die für die TBC 26 Patienten.

Das Anzeigeverfahren und die Abrechnung werden von den Beteiligten als bürokratisch erlebt. Kritisiert wird zum Beispiel der Umfang der einzureichenden Unterlagen. Dafür seien zum Teil auch die Teamgrößen von bis zu 50 teilnehmenden Ärzten verantwortlich, heißt es beim ASV-Bundesverband. Gerechnet hat sich die Teilnahme für die Ärzte nach deren Angaben bislang kaum. In der ASV sehen aber vor allem die Vertragsärzte langfristige strategische Vorteile.

Die doch recht übersichtliche Anzahl von 62 ASV Teams erklärt sich Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes ambulante spezialfachärztliche Versorgung, mit ungenügenden Infos an Ärzte über die neue ASV. Das kritisiert auch Anna Maria Raskop von der KBV. Wenig hilfreich für Ärzte seien die Änderungen an der Definition schwere Verlaufsform gewesen.

ASV

- 62 Spezialistenteams sind beim ASV-Bundesverband derzeit bekannt.

- 41 dieser Teams setzen die ASV für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren um, 21 Teams die für Patienten mit Tuberkulose.