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Fasten Urlaub für den Darm

Nur trinken und nichts essen? "Ein Genuss", meint Jens Lubbadeh, der jedes Jahr eine Fastenkur macht. Die hat er - wissenschaftlich fundiert - auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Ein Erfahrungsbericht.

Warum das Ganze? Weil ich mich leicht und gut fühle, es ist ein Genuss! Mein Asthma verschwindet und ich verliere außerdem noch ein paar Pfunde, die sich übers Jahr ansammeln.

Früher habe ich mich streng an die Heilfasten-Kur nach Buchinger gehalten. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass einige Anweisungen meinen Körper nur unnötig belasten. Seitdem praktiziere ich eine abgespeckte Variante und das Fasten macht viel mehr Spaß.

Der Hunger verschwindet schnell

Mein Heilfasten geht so: Ich starte mit einem Entlastungstag, an dem ich nur noch Obst, Gemüse oder Reis esse. Dann folgen die eigentlichen Fastentage (fünf bis sieben). Hier wird nur getrunken - Tee, Brühe und etwas Saft, Zucker ist tabu. Die Fastenkur endet mit zwei oder drei Aufbautagen, an denen ich langsam wieder beginne, feste Nahrung zu mir zu nehmen.

 

Zehn Tage erscheinen lang, aber der Hunger verschwindet recht schnell. Am schwierigsten sind die ersten drei Tage, weil der Organismus seinen Stoffwechsel umstellt. Ich habe dann Hunger, Kopfschmerzen, der Kreislauf liegt am Boden, ich bin müde und gereizt und fröstele. Allein deswegen nehme ich mir zum Fasten Urlaub.

Aber sobald man diese sogenannte Fastenkrise überstanden hat, beginnt die schöne Zeit: Der Körper reduziert Stresshormone, das sogenannte Fasten-High stellt sich ein, ich bin sensibler für Gerüche, Geräusche und fühle mich leicht und gut.

Fetisch Schlacke

Da hinzukommen, ist schwierig genug - und hier macht es das traditionelle Heilfasten den Leuten nur unnötig schwer. Denn ein wichtiger Bestandteil der Buchinger-Kur ist die regelmäßige Darmentleerung. Das soll mit Abführmitteln wie Glauber- oder Bittersalz sowie mit Einläufen erfolgen. Warum? Weil Heilfasten-Puristen diesen Fetisch haben: Die Schlacke, die angeblich im Körper steckt, muss über den Darm raus.

 

Beim Thema Schlacke verläuft die Frontlinie zwischen Fastenfans und -kritikern. Immer wieder sagen letztere, dass es dafür keinerlei wissenschaftliche Grundlage gebe. Nun, Sie haben in Ihrem Körper sicher keine teerartigen, klebrigen Rückstände aus der Erzverhüttung. Aber tatsächlich speichert der Körper organische Gifte wie Dioxin, PCB und Weichmacher im Fettgewebe. Und er eliminiert sie normalerweise nur sehr langsam, über Jahre hinweg.

Beim Fasten werden die Fettdepots abgebaut, dabei die Gifte freigesetzt und dieser Prozess beschleunigt. In Studien an fastenden Übergewichtigen fand sich während der Diät und noch eine Zeit danach ein Anstieg der giftigen Verbindungen im Blut. Der Körper entgiftet viele Stoffe normalerweise über Leber und Darm. Dennoch bringt Abführen hier keinen Vorteil.

FAQ zum Fasten
Stoffwechselumstellung
Beim Hungern greift der Körper auf seine Fett- und Eiweißreserven zurück. Aus diesen bildet er Ketonkörper, die nun den Zellen als Brennstoff dienen. Auch das Gehirn, das normalerweise nur Zucker als Treibstoff benutzt, stellt teilweise auf Ketonkörper um.
Muskelabbau
Immunsystem
Körperwärme
Entschlacken
Darmentleerung
Fasten-High
Abbau-/Aufbautage

Im Glaubersalz-Gefängnis

Wozu also das Glauber- und Bittersalz? Das sind keine grün-duftenden Kräuterextrakte, die schon Hexen und Druiden benutzt haben, sondern Natriumsulfat und Magnesiumsulfat und starke Abführmittel. Sie entziehen dem Gewebe osmotisch Wasser, das im Darm angereichert wird. Dadurch wird der Flüssigkeitsanteil des Stuhls erhöht und letztlich der Drang, den Darm zu entleeren.

Und ja, sie schmecken genauso wenig sexy, wie sie sich anhören. Aber das ist nicht mal das Schlimmste.

Meine Erfahrung: Jahrelang habe ich penibel nach Anleitung jeden zweiten Tag während der Fastenkur abgeführt. Und irgendwann gemerkt, dass ich von den Abführmitteln die eigentliche Krise bekomme. Der Flüssigkeitsverlust schwächt zusätzlich den Kreislauf. Und: Ja, man entleert den Darm, aber nicht nur einmal, sondern im Wortsinn tröpfchenweise - über Stunden. Das wiederum führt dazu, dass man nicht mehr das Haus verlassen kann. Man wird abgeführt - ins Glaubersalz-Gefängnis. "Das Abführen bringt keine Vorteile und hat eher psychologische Effekte", sagt der Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung.

Trinken Sie weiter Kaffee!

Eine weitere unsinnige Regel: Kaffee ist beim Heilfasten verboten. Warum? Weil er Koffein enthält und das gilt als Gift (schwarzer Tee, der ebenfalls Koffein enthält, ist paradoxerweise erlaubt). Die Folge: Aufgrund der Koffeinentwöhnung hat man in den kritischen drei Anfangstagen noch mehr Kopfschmerzen und noch mehr Kreislaufprobleme. Meine dringende Empfehlung: Wenn Sie Kaffeetrinker sind, dann trinken Sie auch weiterhin Ihren Kaffee! Nur: Lassen Sie den Zucker weg.

Womit man bei der für mich besten Regel ist: dem Zuckerverzicht. Ich habe ihn auch nach der Fastenkur beibehalten und festgestellt: Meine allabendlichen Hungerattacken sind weg. In vielen Lebensmitteln ist schon sehr viel versteckter Zucker, da braucht es nicht noch löffelweise Zucker im Kaffee oder Tee (und ja, Honig ist auch Zucker).

 

Allein das hilft schon viel, um das neue Gewicht nach dem Fasten beizubehalten. Immer wieder heißt es, man könne mit Heilfasten nicht dauerhaft abnehmen. Das kommt aber darauf an, wie man sich vorher ernährt hat. Kehrt man zu den alten Gewohnheiten zurück, wird man wieder zunehmen. Aber Fasten ist eine gute Zäsur, um das Ernährungsverhalten zu hinterfragen und zu ändern.

Vergangenes Jahr habe ich mit zwei Fastenkuren so insgesamt rund zehn Kilo abgenommen - und bis heute gehalten.