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Körperliche Aktivität schon bei Kindern ab sieben Jahren rückläufig

Glasgow – Jungen und Mädchen bewegen sich nicht erst ab dem Jugendalter weniger, sondern bereits ab einem Alter von sieben Jahren. Zudem ist der Rückgang bei beiden Geschlechtern etwa gleich hoch. Dies fanden Forscher der University of Strathclyde in Glasgow heraus. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im British Journal of Sports Medicine (2017; doi: 10.1136/bjsports-2016-096933).

Mit ihren Ergebnissen stellen die Wissenschaftler die Annahme, dass das körperliche Aktivitätslevel erst während der Pubertät abnimmt und geschlechterspezifisch ist, infrage. Für die oft vorherrschende Überzeugung, dass Kinder sich meist ausreichend bewegen, die Bewegung im Jugendalter jedoch stark abnimmt und dieser Rückgang unter Mäd­chen signifikant größer ist, gebe es wenig eindeutige Hinweise, so die Forscher der neu­en Studie. Zudem stammten diese Forschungsergebnisse aus einer Zeit, in der noch we­nig Aussa­gen über den Einfluss neuer Technologien getroffen werden konnten.

Um den zeitlichen Verlauf der Veränderungen zu quantifizieren, untersuchte die Arbeits­gruppe die körperliche Aktivität einer repräsentativen Anzahl von etwa 400 Kindern über eine Dauer von acht Jahren. Diese Kinder waren Teil der Gateshead Millennium Cohort Study in Nordostengland (2006–2015).

Das Level körperlicher Aktivität wurde jeweils im Alter von sieben, neun, zwölf und 15 Jahren mittels eines kleinen, tragbaren Mo­ni­tors (Actigraph) gemessen. Diesen trugen die Kinder sieben Tage ununterbrochen, lediglich nachts und zum Duschen und Schwim­men entfernten sie ihn. Der Monitor zeichnete in Intervallen von 15 Sekunden ihre Aktivität auf. Zur Sicherheit beauftragten die Forscher zusätzlich die Familien, die Tragezeit täglich zu protokollieren.

Insgesamt war der Umfang der körperlichen Aktivität ab einem Alter von sieben Jahren rückläufig, unter den Mädchen und unter den Jungen. Die Wissenschaftler stellten wäh­rend des Jugendalters keinen stärkeren Rückgang fest. Anhand der Daten wurde jedoch deutlich, dass die Abnahme nicht einheitlich ist.

Für die Jungen entstanden vier verschie­dene Muster: Niedrige Level, die ab einem Alter von sieben Jahren langsam abnahmen, machten lediglich drei Prozent aus. Anfangs hohe, ab sieben Jahren schnell abfallende Level lagen in 17 Prozent der Fälle vor. Mo­de­rate Level, die ab einem Alter von sieben Jahren allmählich abnahmen, kamen bei 61 Prozent der Kinder und stabile Level bei mäßiger bis starker körperlicher Aktivität bei 19 Prozent der Probanden vor.

Für die Mädchen zeichneten sich drei verschiedene Muster ab: Zu Beginn niedrige Level körperlicher Aktivität, die ab einem Alter von sieben Jahren langsam abnahmen in 19 Pro­zent der Fälle. Mittlere Level, die ab sieben Jahren allmählich abnahmen in 62 Pro­zent und hohe Anfangslevel, die ab einem Alter von sieben Jahren stark rückläufig wa­ren, in ebenfalls 19 Prozent der Fälle.

„Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können keine festen Schlussfolge­run­gen bezüglich Kausalität und Effekt gezogen werden“, so die Forscher. Zudem seien die Ergebnisse zwar repräsentativ für Nordostengland, könnten jedoch nicht ohne Weiteres auf andere Teile des Landes oder andere Nationen angewandt werden. Dennoch beto­nen die Wissenschaftler, dass ihre Ergebnisse eindeutig nicht mit der Annahme zusam­m­en­passten, dass die körperliche Aktivität erst im Jugendalter zurückgehe. Das sollten künf­­ti­ge Forschungen und die Prävention berücksichtigen. © hil/aerzteblatt.de