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Low-Dose-CTs können Leben retten, wenn ein Lungenkarzinom früh entdeckt wird. Doch falsch positive Untersuchungsergebnis versetzen Patienten in Angst. Führen neue Screening-Strategien tatsächlich zu besseren Ergebnissen oder nur zu mehr Verunsicherung?

Mit 45.224 Todesfällen im Jahr 2015 stehen Lungen- und Bronchialkarzinome auf Platz eins der krebsbedingten Sterblichkeit, berichtet das Statistische Bundesamt (DESTATIS). Unter allen Opfern befanden sich 15.870 Frauen und 29.354 Männer. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben US-weit insgesamt 156.176 Sterbefälle erfasst, darunter 70.518 Frauen und 85.658 Männer.

Europa und Amerika kämpfen mit ähnlichen Problemen: Viele Krebserkrankungen dieses Bereichs werden zu spät erkannt. Während Kollegen bei uns skeptisch sind, empfiehlt die United States Preventive Services Task Force (USPSTF) Risikopatienten eine Low-Dose-CT-Untersuchung pro Jahr.

Mit der rosaroten Brille ins CT

Das Gremium aus unabhängigen Ärzten diverser Fachrichtungen berät verschiedene Behörden. Als Zielgruppe sehen sie Menschen zwischen 55 und 80 Jahren mit 30 oder mehr Packungsjahren, die gerade rauchen oder vor weniger als 15 Jahren ihre letzte Zigarette angerührt haben.

Die zehn häufigsten Todesfälle durch Krebserkrankungen (2015)

Die zehn häufigsten Todesfälle durch Krebserkrankungen (2015). © DESTATIS

Linda S. Kinsinger von der Veterans Health Administration wollte wissen, wie sinnvoll die Untersuchungen tatsächlich sind. Zusammen mit Kollegen identifizierte sie 4.246 Personen, die USPSTF-Kriterien erfüllten. Von ihnen nahmen 2.106 die Leistung in Anspruch. Bei 55 Prozent aller Untersuchungen fanden Ärzte Anomalien, und weitere Tests folgten. Lungenkrebs als Diagnose wurde bei 31 Patienten (1,5 Prozent) gestellt. 20 Personen litten an einem Tumor im frühen, behandelbaren Stadium. „Ich denke, viele Menschen setzen beim Thema Screening die rosarote Brille auf“, kritisiert Dr. Rita Redberg von der University of California, San Francisco, im Editorial. „Nur wenige Patienten profitieren tatsächlich davon.“

Es geht aber auch um ökonomische Aspekte. Die Untersuchung schlägt mit rund 300 US-Dollar zu Buche. Von 6,7 Millionen Versicherten der Veterans Health Administration erfüllen laut Kinsinger etwa 900.000 die USPSTF-Kriterien. Anbieter von CT-Screenings versuchen, über Social Media direkt ihre Zielgruppe – also Laien – anzusprechen:

Weniger Tote, mehr Komplikationen

Nicht nur Kinsinger sieht dies kritisch. Der von ihr jetzt veröffentlichte Trend zeigte sich schon bei der National Lung Screening Trial. Eingeschlossen wurden 53.454 starke Raucher oder Ex-Raucher im Alter von 55 bis 74. Sie erhielten über drei Jahre hinweg jährlich eine konventionelle Röntgenuntersuchung oder ein Low-Dose-CT des Thorax.

Die gute Nachricht: Low-Dose-CTs verringerten ihr Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, um 15 bis 20 Prozent, verglichen mit Standard-Röntgenaufnahmen. Jedoch zahlte so mancher Teilnehmer einen hohen Preis. Auf 1.000 Personen kamen 391 mit positivem Ergebnis in einer der drei Screening-Untersuchungen. Von ihnen hatten 40 tatsächlich Lungenkrebs. Bei den restlichen 351 bestätigte sich der Verdacht nicht. Die Folgeuntersuchungen, etwa Bronchoskopien oder Feinnadelbiopsien, sind nicht frei von Risiken. Drei von 1.000 Patienten erlitten schwerwiegende Komplikationen.

Die Ausgaben inklusive Folgekosten summierten sich auf durchschnittlich 1.631 US-Dollar pro gescreenter Person und gingen mit einem Gewinn von 0,0316 Lebensjahren und 0,0201 QALYs (qualitätsadjustierten Lebensjahren) einher.

Deutschland, deine Raucher

Was bedeuten die Analysen für unser heimisches Gesundheitssystem? Professor Dr. Andreas Stang vom Uniklinikum Essen hat zusammen mit Kollegen die Zahlen extrapoliert. Basis seiner Studie waren Daten aus Befragungen des Robert Koch-Instituts zum Nikotinkonsum.

Ausgehend von der Annahme, dass etwa 50 Prozent aller starken Raucher zwischen 55 und 74 Jahren ein Low-Dose-CT-Screening in Anspruch nehmen, kommt der Experte auf 1,3 Millionen Menschen. Innerhalb von drei Jahren führt dies zu 916.918 Untersuchungen mit Tumorverdacht. Bei 519.837 Patienten wird sich laut Stang im besagten Zeitraum die Diagnose bestätigen. Etwa 4.155 Lungenkrebstodesfälle würden innerhalb von 6,5 Jahren vermieden. Gleichzeitig käme es zu 12.449 Komplikationen aufgrund der weiteren Diagnostik, darunter 4.363 schwerwiegende Ereignisse und 1.074 Todesfälle.

Risiken vermindern

Screenen oder nicht – nach diesen extrapolierten Zahlen ist guter Rat umso teurer. Andreas Stang überlegt, wie es gelingen könnte, unerwünschte Effekte zu minimieren.

Beim National Lung Screening Trial fiel auf, dass 64 Prozent aller tumorverdächtigen Knoten maximal sieben Millimeter groß waren. „Die volumetrischen Messungen von Läsionen und deren Verlaufskontrolle, wie sie im NELSON Trial und im UK Lung Screen Pilot Trial genutzt wurden, könnten den Anteil falschpositiver Befunde weiter senken“, schreibt der Kollege. Bei einem Mindestdurchmesser von acht Millimetern anstelle von fünf Millimetern ließen sich 66 Prozent aller falschpositiven Befunde vermeiden. Im Gegenzug würden 10,5 aller Lungenkrebserkrankungen verzögert oder nicht entdeckt, die bei der Screening-Studie aufgefallen sind.

In der Diskussion feht ein Aspekt: Screenings helfen primär Patienten, die über lange Jahre hinweg geraucht haben. Um neue Fälle zu vermeiden, ist der Gesetzgeber gefragt. Schon einmal, nämlich zwischen 2002 und 2005, ist es gelungen, mit restriktiven Maßnahmen den Absatz von Zigaretten drastisch zu verringern.

tabakatlas

Gesetzgeberische Maßnahmen in Orange: Tabaksteuererhöhungen (TS), Nichtraucherschutzgesetze (NR), Jugendschutz (JS), Werbeverbote (WV), Warnhinweise (WH). © Tabakatlas Deutschland 2015 / DKFZ

 

22 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

Zur ökonomischen Betrachtung sollte man auch alle Folgekosten bei später Diagnose und langwieriger operativer Chemo-, Strahlen oder gar molekularer Therapie einbeziehen, die durch frühzeitige Diagnosen vermieden werden könnten. Meiner Meinung nach wird die maßvolle Prävention druch die Kassen zu häufig unter dem Vorhalt der Ökonomisierung des Gesundheitswesens beschnitten. Sicher müssen wir die Zahl falsch positiver Befunden in den Griff bekommen. Beim Bronchial-CA bietet sich aber nun wirklich eine gute Variante: Zunächst ein Low-Dose-CT zur Stratifizierung der 40 % positiven Ergebnisse. Um die wiederum 10 Prozent richtig-positiver Befunde von den falsch-positiven zu unterscheiden wäre dann ein zweites bildgebendes Verfahren, vorzugsweise eine FDG-PET/CT, ggf. mit Verlaufskontrolle nach einem halben Jahr angemessen und deutlich weniger invasiv als eine FNP oder Bronchoskopie, auch wenn diese abermals deutlich günstiger wären…

Gerstini
Gerstini

CT vs. Röntgen zur Lungenkrebsfrüherkennung: Das Thema ist erschöpfend erforscht und dargestellt. Mit Röntgen entdeckt man einen – machen wir ein Beispiel – 12 x 10 mm großen Tumor nur zufälligerweise. Mit einem CT findet man ihn in jedem Fall.

Gastverfasser 13
Gastverfasser 13

Sehr geehrter Herr Dr. Lorenz, erstens ist es nicht notwendig, Schimpfwörter verteilen, zweitens geht es hier um Lungenkrebsfrüherkennung und nicht um Adipositas, drittens geht es im Falle der ersten Untersuchung zur Lungenkrebsfrüherkennung um einen Betrag (für ein CT), der für einen Raucher oder ehemaligen Raucher erschwinglich ist – vor allem, wenn er das Rauchen einstellt, im Falle der von Ihnen erwähnten Therapien geht es hingegen um Abertausende. Also bleiben Sie doch bitte bei der Sache und das so höflich wie möglich. Dafür bin ich Ihnen verbunden.

Erna Bichl
Erna Bichl

@Dr. med. Martin Lorenz,
ich verstehe Sie auch nicht, wenn jemand eine gute Radiologin lobt,
ist das eher das Gegenteil von “… über “Radiologen” herzieht”
und er war offensichtlich damit nicht auf dem Holzweg.

Gast15
Gast15

Verehrter Dr. med. Martin Lorenz,
Dann mal Butter bei die Fische:
wie hoch ist denn die Pixelauflösung eines CT?
Und jetzt nicht kneifen!
Ich BIN nebenberuflich Radiologe, nur deshalb habe ich KEINEN Anlass für ein CT gesehen!!! Und ich BIN ein vorsichtiger Mensch, sonst wäre ich nicht zur ersten und nicht zur zweiten Untersuchung gegangen.
Die zweite Radiologin war gut, die erste schlecht, ohne wenn und hätte und könnte …

@ #13:
“Wer einer Risikogruppe angehört, wird das Früherkennungs-CT wohl selbst bezahlen können. Er hat ja auch jahrzehntelang viel Geld fürs Rauchen ausgegeben und damit gezeigt, dass er es hat.”
Und was ist mit den ganzen Adipösen, die neue Gelenke brauchen, evtl. einen Magenbypass, Diabetesbehandlung, Lipidsenker… sollen die das auch alle selbst bezahlen? Adipös zu sein, kostet auch Geld. Schwachsinn!

@ #15:
Sehr geehrter “Gast”, der seinen Namen nicht nennt, aber bereitwillig über “Radiologen” herzieht: Sie sind leider auf dem Holzweg. Eine konventionelle Lungenaufnahme hat längst nicht die Auflösung einer Thorax-CT – ob in üblicher Weise oder als low-dose. Lassen Sie sich das als selbsterwählter Spezialist mal von einem “Fachradiologen” sagen. Aus Ihrem Statement entnehme ich, daß Sie Privatpatient sind. Nun, diese Spezies verfügt allerdings immer über eine ganz besondere Fachkenntnis, die derjenigen der jeweiligen Fachdisziplin vorauseilt. Ein Wunder, daß Sie nicht selbst nebenberuflich Radiologe sind. Hätte die “junge Kollegin” kein CT empfohlen, das Sie nicht wollten, aber es wäre tatsächlich ein schlimmer Befund geworden, hätten Sie sie genauso vor den “virtuellen” Kadi gezerrt wie jetzt. Es gibt Menschen, denen kann man es nicht recht machen. Meine Erfahrung nach 21 Jahren Medizin und 18 Jahren Radiologie.

Gast
Gast

#12 “grandios” ist grandios übertrieben, Sie kennen offensichtlich das wirklich hohe Auflösungsvermögen einer Thoraxaufnahme nicht.
Hier benötigt man heute nicht mehr die Lupe, man kann statt dessen bequemer entsprechend stark vergrößern (für Details). Ich habe selbst (als Nichtraucher und Privatpatient :-)) nach 6 Wochen “husten” einen Thorax in 2 Ebn. gemacht, das CT hat ja lediglich mehr Ebenen, und dabei nichts tumorverdächtiges gesehen, etliches sonstiges durchaus.
Und sofort hat die junge Radiologische Kollegin, die sich nicht festlegen konnte, ein CT vorgeschlagen, was ich zunächst NICHT gemacht habe, da auch der Husten weg war. Zurück an meinem Arbeitsplatz habe ich nach 4-6 Wochen, weis nicht mehr genau, auch ohne Beschwerden, eine erneute Thorax-Kontrolle durch führen lassen und mir den Befund BEIDER Aufnahmen von einer erfahrenen Fachröntgenologin erklären lassen. Sie hat mir versichert, dass auf BEIDEN Aufnahmen kein Tumorverdacht bestünde.
Schließlich kam nach zwei weiteren Monaten die Privatrechnung der ersten Aufnahme mit Befundung vom Chef der Abteilung und der Diagnose: keinerlei Anhalt für Tumorverdacht.
Deshalb steht bei mir nach wie vor der Rö-Thorax immer am Anfang.

Gast
Gast

“Falsch positive Resultate versetzen Patienten in Angst.” – Die Resultate einer ersten CT-Untersuchung zur Früherkennung eines Lungenkrebses können per definitionem keine “falsch positiven Resultate” sein (es sei denn, man habe absolut offensichtlich ein Lungenkarzinom entdeckt): Wird bei der ersten Untersuchung etwas entdeckt, das beobachtet werden sollte, wird es beobachtet; erst der Verlauf schafft mehr Sicherheit. Und was die Angst betrifft: Da raucht man Jahrzehnte und hat dann auf einmal Angst vor den Resultaten einer Untersuchung, die einen retten kann, wenn man unerkannt erkrankt ist? Das ist eben die Aufgabe des Diagnosezentrums: den Teilnehmern zu erklären, dass in einer Großzahl von Untersuchungen Befunde sichtbar werden, die aber mit großer Wahrscheinlichkeit kein Krebs sind. Das ist natürlich anforderungsreicher, als stumm CTs anzufertigen, aber es sollte zu schaffen sein, wenn man sich etwas Mühe gibt und vom hohen Ross steigt. Was auch auffällt am Artikel: Entdeckt man einen Lungenkrebs im Frühstadium (I), steigt die Überlebenschance auf 80 % (!). Das hat der Autor vergessen oder “vergessen”.

Gast
Gast

Was redet man denn da immer vom Sparen? Wer einer Risikogruppe angehört, wird das Früherkennungs-CT wohl selbst bezahlen können. Er hat ja auch jahrzehntelang viel Geld fürs Rauchen ausgegeben und damit gezeigt, dass er es hat.

Gast
Gast

Gast: “Wobei … die sparsamere Rö-Thoraxkontrolle ja schon eine gute Basis ist. Gibt es dabei Fragezeichen, kann immer noch ein CT nachfolgen. Eine gute BEFUNDUNG durch einen Fachkollegen spart oft das CT!” – Grandios verfehlt, was Sie sagen! Auf einem üblichen Thorax-Röntgenbild sieht man die gesuchten Lungenkrebs-Rundherde in der Regel nicht! Aber Sie können es uns ja gerne mal vormachen und die Fachwelt zum Staunen bringen, wenn Sie eine Verlaufkontrolle eines 10×9-mm-Rundherdes auf einem Röntgenbild zeigen.

Gast
Gast

Das gleiche wie bei der Infragestellung von PSA und Mammographie,
es geht um Geldsparen, das klingt nur nicht so gut, daher werden alle möglichen Ausreden erfunden, warum man das lieber nicht machen sollte.
Wobei bei entsprechendem Risiko, die sparsamere Rö-Thoraxkontrolle ja schon eine gute Basis ist. Gibt es dabei Fragezeichen, kann immer noch ein CT nachfolgen. Eine gute BEFUNDUNG durch einen Fachkollegen spart oft das CT!

Gast
Gast

Weiter mit aller Konsequenz an der Primärprävention dranbleiben, Rauchen nicht verteufeln und stigmatisieren, sondern Nichtrauchen “fördern”. Insbesondere den Fokus auf den Einstieg in die Droge legen und hierbei maximal restriktiv vorgehen. Die Tabakindustrie mit ihren Mitarbeitern nicht vergessen, aber plausibel machen das es ohne weiter Restriktionen nicht gehen wird. Gleichzeitig aus den verfügbaren Daten die Sekundärprävention möglichst gezielt und ohne Panikmache gestalten (psychische Belastungen sollte man hier keinesfalls aussen vor lassen). Dann ist man gesellschaftlich auf einen vernünftigen Weg denke ich. Die Zahlen oben sprechen immer noch Bände…..80 Milliarden Zigaretten(!)…….nur in Deutschland…….10% bei 12-17 sind immer noch zu viel………

Christina Mory
Christina Mory

Unabhängig vom Nutzen oder Nicht-Nutzen des Screenings wissen viele Raucher wahrscheinlich nicht, dass sie durch das Rauchen ebenfalls eine Strahlenquelle inhalieren, die man nicht so schnell los wird. Daher sollte die Angst vor der Strahlenbelastung durch ein low-dose-CT vielleicht etwas relativiert werden.

Da heißt es: Ausgehend von der Annahme, dass etwa 50 Prozent aller starken Raucher zwischen 55 und 74 Jahren ein Low-Dose-CT-Screening in Anspruch nehmen, kommt der Experte auf 1,3 Millionen Menschen. Innerhalb von drei Jahren führt dies zu 916.918 Untersuchungen mit Tumorverdacht. Bei 519.837 Patienten wird sich laut Stang im besagten Zeitraum die Diagnose bestätigen. Etwa 4.155 Lungenkrebstodesfälle würden innerhalb von 6,5 Jahren vermieden. – – – Diese Auswertung ist für mich schlicht nicht nachvollziehbar. In 3 Jahren erkranken 519.837 der 1,3 Millionen Raucher? Wohl nicht.

Gast
Gast

Was heißt da falsch positiv?! Bei einer ersten Untersuchung ist ein verdächtiger Knoten nicht ein “falsch positiver Krebsbefund”, sondern einfach ein Knoten, der ohne Bronchoskopie usw. weiter beobachtet wird.

Gast
Gast

Schade, dass in diesem Beitrag “Teilwahrheiten” verbreitet werden: In einem ordentlich geführten Lungenkarzinomfrüherkennungsprogramm gibt es kaum “falsch positive” (“Huch! Krebs!”) Befunde mit gleich folgender hektischer Aktivität oder Todesängsten, denn jeder Teilnehmer muss vor der Untersuchung darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass sich nach seiner langen Raucherkarriere in seiner Lunge mit einer bedeutenden Wahrscheinlichkeit Anormalitäten zeigen, die aber mit grosser Wahrscheinlichkeitkeit kein Lungenkrebs sind und auch nicht gleich mit Bronchoskopien u.ä. weiter untersucht, sondern einem weiteren CT, einer Verlaufskontrolle, unterzogen werden. Nur in “sehr wahrscheinlichen Fällen”, die durch das Protokoll der Untersuchung eng eingegrenzt werden, erfolgt ein Eingriff. Zudem ist festzuhalten, dass 80 % der an Lungenkrebs Erkrankten, deren Tumor im Frühstadium entdeckt und gleich behandelt worden ist, zehn Jahre nach Diagnose noch am Leben waren. Zum Vergleich: Das 5-Jahre-Überleben bei Lungenkrebs, der z.B. aufgrund von Beschwerden erkannt wird, beträgt nur 15 %. Die Kosten für den Erstuntersuch können und sollen die Risikoträger (und -verursacher) selbst tragen; sie sind ihnen zuzumuten, wenn man bedenkt, was sie ausgegeben haben, um sich ihr Risiko zu erwerben. Weshalb man die Strahlenbelastung gegen die Lungenkrebsfrüherkennung ins Feld führt, erschließt sich nicht, wenn man bedenkt, welche Gefahr der Lungenkrebs darstellt – und das dieser mit der Früherkennung mittels Low Dose CT rechtzeitig erkannt werden kann.

Gast
Gast

Ich bin mit nur 46 Jahren an Lungenkrebs erkrankt. Mir war zwar bewusst, dass es nicht gesund ist und man unter Umständen auch Lungenkrebs bekommen kann. Da ich aber niemand in mei em Freundes- und Bekanntenkrejs kannte, der an Lungenkrebs gestorben ist, schätze ich das Risiko als gering ein und hatte immer den “berühmten” Helmut Schmitt als Beispiel und die typische Aussage, dass man auch als Nichtraucher Lungenkrebs bekommen kann. Heute weis ich welchen Bullshit ich da geredet habe. Als ich na h mei er Diagnose relativ offen damit umgegangen bin, haben sich etliche Angehörige von verstorbenen Freunden und Bekannten nachträglich für diese Krebstoten “geoutet” und mir wurde schlagartig bewusst, dass Lungenkrebs gar nicht so selten ist wie ich dachte. Ich bekam meine Diagnose im Stadium IV. Erst dachte ich, dass es nun auch keinen Sinn mehr macht mit dem Rauchen aufzuhören. Aber nach zwei Wochen kam die Einsicht, dass wenn ich eine minimale Chance haben will, ich mit dem Rauchen azfhören muss. Das ging erstaunlicher Weise von heute auf morgen ohne irgendwelche “Entzugsrrscheinungen” und ich hatte jahrelang erfolglos versucht mit dem Rauchen aufzuhören. Ich kàmpfe nun schon im vierten Jahr ums Überleben und hoffe, dass ich es noch lange schaffe. Vier leute konnte ich schon vom Nichtrauchen überzeugen und hoffe, dass es noch mehr werden. Ich wünsche mir eine gute Fernsehsotkampagne, die den Leuten das wirkliche Risiko und die Sterberate nahe bringt. Ich dachte auch, dass ich wahrscheinkich mal einen Herzinfarkt bekomme – aber mit Lungenkrebs habe ich nicht gerechnet. Die AIDS-Kampahnen der 80-er Jahre ware. Ja auch ziemlich erfolgreich. Ich denke, dass solche Kampagnen erfolgreicher wären, als das jährliche Low-Dose-CT.

Sehr gute Zusammenfassung. Eine weiterer Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben: ein Screening-Angebot für Risikopatienten sollte diese auf keinen Fall von geplanter Nikotinkarenz abhalten, nach dem Motto ‘sicher weiter Rauchen durch Screening’. Genau das ist aber die Gefahr.

Hans-Christian Blum
Pneumologe

Wenn ich von “Skrupel beim Screenen”, von “Low-Dose-CTs können Leben retten”, vom “falsch positiven Untersuchungsergebnis” oder dem falsch negativen, von “Patienten in Angst” oder “mehr Verunsicherung” lese, muss ich immer an ein Gedicht von Kurt Tucholsky denken:
DAS IDEAL (1927)
Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:
Neun Zimmer – nein, doch lieber zehn!
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,
Radio, Zentralheizung, Vakuum,
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,
eine süße Frau voller Rasse und Verve –
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) –
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgesumm.
Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,
acht Autos, Motorrad – alles lenkste
natürlich selber – das wär ja gelacht!
Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.
Ja, und das hab ich ganz vergessen:
Prima Küche – erstes Essen –
alte Weine aus schönem Pokal –
und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.
Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.
Und noch ne Million und noch ne Million.
Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.
Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.
Ja, das möchste!
Aber, wie das so ist hienieden:
manchmal scheints so, als sei es beschieden
nur pöapö, das irdische Glück.
Immer fehlt dir irgendein Stück.
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten –
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
Etwas ist immer.
Tröste dich.
Jedes Glück hat einen kleinen Stich.
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.
Daß einer alles hat:
das ist selten.”

Frustrierter Gast
Frustrierter Gast

Es ist immer einfach, irgendwelche Raucher- Restriktionen zu fordern… aber das wissen wir ALLE: die bringen nix!!! Wievile Kollegen verschreiben aktiven Rauchern, die ihren Husten nicht mehr loswerden, Dosieraerosole und Codein, damit das Warnsignal, der Husten, endlich verschwindet, da der beim Rauchen nervt??? Für die scheusslichen Bilder auf den Zigarettenpackungen gibt es schon “lustige” Aufkleber, um diesen Bildern den Schrecken zu nehmen usw… Es handelt sich um ein Suchtverhalten, welches gesellschaftlich wie Alkohol geduldet, teilweise gefördert wird. Und dieser Umstand wird sich, solange die Gesellschaft von den daraus generierten Steuereinnahmen mittelbar profitiert, nicht ändern.
Aus diesen, zugegeben polemischen Gründen, halte ich bei einer guten Auswahl der betroffenen Raucher das LowDose CT trotz der Strehlenbelastung für vertretbar! Jedes so gewonnene Lebensjahr ist ein Lebensjahr! Ich gehöre nicht zu den Ärzten, welche immer moralinsauer den Zeigefinger heben und belehrend von der Kanzel zu predigen… Menschen brauchen ihre Süchte um zu überleben.

Gast
Gast

Wichtig ist auch zu bedenken, daß trotz einer im Vergleich zur “normalen” CT niedrigeren Dosis immer noch eine Strahlenbelastung auftritt.