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Beim Mammakarzinom sind die Aussichten besser, je früher der Tumor entdeckt wird. Mit der Kegelstrahl-Brust-CT oder der High-Definition-Tomosynthese wird die ärztliche Krebsvorsorge optimiert – bei der Selbstuntersuchung helfen Geräte wie iBreastExam oder Braster.

Um eine bösartige Veränderung möglichst früh zu erkennen, sollten Frauen mindestens einmal im Jahr ihre Brust durch einen Frauenarzt untersuchen lassen. Gängige Untersuchungsmethoden sind das Abtasten der Brust sowie die Ultraschalluntersuchung, die Kernspintomografie oder das Mammografie-Screening. Mit Letzterem lassen sich bereits sehr kleine Tumoren nachweisen, sodass etwa 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden können. Welche Methode in welchem zeitlichen Abstand angewandt wird, hängt vom Alter der Frau sowie von der „Vorbelastung“ ab. Eine ideale Ergänzung zu den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen ist das bewusste Abtasten der eigenen Brust. Denn ein Großteil der Brustkrebserkrankungen wird von den Frauen selbst entdeckt.

Braster: Für die Selbstkontrolle daheim

Diese Selbstuntersuchung zu Hause möchte das polnische Unternehmen Braster erleichtern und hat daher ein gleichnamiges, mitnehmbares Gerät entwickelt – den sog. Braster. Im Inneren des Geräts befinden sich flüssigkristalline Verbindungen, die Temperaturveränderungen auf der Hautoberfläche messen können. Denn Tumore setzen bei ihrer Entstehung Energie frei und dadurch besitzt das Gewebe eine höhere Temperatur. Für den Test setzt man das Gerät auf die linke bzw. rechte Brust. Nun fertigt der Braster Wärmebilder an und überspielt diese anschließend auf das Tablet oder Smartphone. Hierfür wird allerdings eine App benötigt, für die man bei dem Unternehmen ein Monatsabonnement abschließen muss. Verfügbar ist der Braster bereits in Polen. Andere Länder sollen folgen.

iBreastExam: Einfach anzuwenden

Nicht für die Selbstuntersuchung daheim, sondern um die Vorsorgeuntersuchung zu optimieren, entwickelte UE LifeScience ein kostengünstiges Gerät mit dem Namen iBreastExam. Erhältlich ist dieses Gerät derzeit in Indien und den USA.

Vorteil des iBreastExam ist, dass die Frauen nicht zu der Vorsorgeuntersuchung, sondern die Vorsorgeuntersuchung zu den Frauen kommt. Das Gerät ist nämlich nur handtellergroß und kann dadurch überall mithingenommen werden. Zudem ist es einfach zu bedienen. Radiologieexperten sind daher nicht notwendig. Die Untersuchung kann von einem Hausarzt, einer Krankenschwester oder einem Sozialarbeiter durchgeführt werden.

Der iBreastExam ist mit speziellen Sensoren ausgestattet, die eine unterschiedliche Gewebeelastizität – beispielsweise aufgrund eines Tumors – registrieren. Für die Untersuchung wird das Gerät nacheinander auf unterschiedliche Brustbereiche gehalten. Welche das genau sind, gibt der Untersucher in einem webbasierten Programm an. Bezahlt wird pro Test, was bei vielen durchgeführten Untersuchungen teuer werden kann. Problematisch ist auch, dass für die Untersuchung eine Internetverbindung benötigt wird. Fehlt diese, ist ein Zugriff auf das Programm nicht möglich.

Studien von teilweise Firmen gesponsert

iBreastExam und Braster sollen laut Studien, die teilweise von den Firmen gesponsert wurden, die Tumorentdeckungsraten verbessern: Der Braster beispielsweise entdeckt laut einer klinischen Studie, an der etwa 700 Frauen teilgenommen hatten, bei 72 von 100 erkrankten Frauen das Krebsleiden (Richtig-Positiv-Rate). Die Zahl erhöhte sich auf 96 Prozent, wenn das Verfahren mit einem Mammografie-Screening kombiniert wurde.

Problematisch war allerdings die Spezifität: Nur 58 Prozent der gesunden Probandinnen wurden auch als gesund erkannt. Anders der iBreastExam. Das Gerät erkannte laut einer Studie [Paywall] vom Juni 2016 bei 84 von 100 Frauen das Karzinom und bestätigte bei 94 von 100 Frauen dessen Abwesenheit. Die Sensitivität lag damit 19 Prozent über der einer Brustuntersuchung durch einen Arzt. Ob diese Geräte in Deutschland eine Alternative zu der ärztlichen Tastuntersuchung bzw. zu der Selbstuntersuchung sind, muss sich noch zeigen – unter anderem wegen der teilweise hohen Fehlalarme sowie der zusätzlichen Kosten.

Doch auch das Standardverfahren, die Mammografie, hat ihre Schwächen: Die falsch negativen und die häufigen falsch positiven Befunde. Als kritisch wird zudem der Einsatz von Röntgenstrahlen gesehen. Allerding unterliegt die Strahlendosis vorgegebenen Grenzwerten. Bei Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe stößt die Methode zudem an ihre Grenzen: Je dichter die Brust ist, desto schwieriger wird es, bösartige Tumoren zu erkennen. „Hier zeigen Studien, dass der Mammografie von 100 bösartigen Tumoren etwa 40 entgehen“, so Dr. Susanne Wienbeck, Radiologin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Brustzentrum der Universitätsmedizin Göttingen, die derzeit die Kegelstrahl („Cone-Beam“)-Brust-CT, ein neues Screening-Verfahren, testet.

Cone-Beam-CT: Neues Screening-Verfahren?

Verdächtiges Gewebe lässt sich mit diesem neuen Screening-Verfahren bei geringer Strahlenbelastung präzise in alle Raumrichtungen lokalisieren. Weiterer Vorteil ist, dass Befunde sofort über die Entnahme von Gewebe abgeklärt werden können. Last but not least ist die Untersuchung mittels Kegelstrahl-Brust-CT für Frauen angenehmer als bei einer Mammografie. Grund hierfür ist, dass die Brust nicht zusammengedrückt werden muss, was vielen Frauen Schmerzen bereitet. Nachteil der Cone-Beam-CT ist zum einem, dass die Erkennungsraten – ähnlich wie bei der Mammografie – von der Brustdichte abhängen.

Mithilfe von Kontrastmittel kann die Detektionsrate jedoch verbessert werden. „Weltweit gibt es nur sieben derartige Geräte, und wir sind in Europa die einzigen, die diese Technologie in der Brustkrebsdiagnostik einsetzen“, betont Wienbeck. Wie die Kegelstrahl-Brust-CT im Vergleich zur Mammografie abschneidet, wollen die Göttinger jetzt in einer größeren klinischen Studie untersuchen.

High-Definition-Tomosynthese


 

Präzisere Bilder ohne Strahlenbelastung: Das zumindest verspricht das Universitätsklinikum Freiburg von ihrer neuen Röntgentechnik, die erstmals in Zentraleuropa zum Einsatz kommt. Laut den Medizinern stellt High-Definition-Tomosynthese „eine deutliche Weiterentwicklung der diagnostischen Sicherheit ohne eine relevante zusätzliche Strahlenbelastung dar“. Für die Methode werden die zweidimensionalen Mammografieaufnahmen des Brustgewebes mit denen der Tomosynthese kombiniert.

Die Tomosynthese ist ein Screeningverfahren, bei der eine Serie von Schichtaufnahmen erzeugt wird, mit deren Hilfe sich die Brust dreidimensional darstellen lässt. „Dank der 3D-Darstellung lässt sich mit großer Sicherheit feststellen, ob Verdichtungen in der 2D-Aufnahme lediglich auf eine Überlagerung im Gewebe oder tatsächlich auf ein Karzinom zurückzuführen sind. So können falsch positive Befunde minimiert werden“, sagt Prof. Dr. Mathias Langer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Radiologie.

Für einen verlässlichen Befund mussten die Ärzte – insbesondere bei hoher Brustdichte – zusätzlich zur 3D-Tomosynthese zwei 2D-Mammografien aus verschiedenen Ebenen aufnehmen. Eine der beiden Mammografie-Aufnahmen kann nun mithilfe der High-Definition-Tomosynthese gemacht werden. Dadurch verringert sich die gesamte Strahlenbelastung um ca. 20 bis 30 Prozent.

Das Fazit

Ein standardisiertes Vorgehen bei der ärztlichen Vorsorgeuntersuchung bringt zwar viele Vorteile mit sich, allerdings eignet es sich nicht für jede Frau. Dr. Susanne Wienbeck und andere Radiologen plädieren daher für eine individualisierte Herangehensweise an das Screening. Ihrer Meinung nach erhöht dies die Trefferquote und damit auch die Erfolgsrate. Dies bedeutet aber auch, dass verschiedene Methoden wie die Kernspintomografie oder High-Definition-Tomosynthese mit der Mammografie kombiniert werden sollten.