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Geht es um Geld, machen auch einige Ärzte und Krankenkassen vor bewussten Falschdiagnosen nicht Halt. Dieses Vorgehen ist nach Ansicht der Bundesregierung unrechtmäßig. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion an die Regierung hervor.

 

  • Wenn ein harmloses Wehwehchen plötzlich zur chronischen Krankheit wird, könnte dies durchaus auch eine Folge finanzieller Beweggründe sein. Nicht selten werden Ärzte dabei durch Krankenkassen oder externe Dienstleister beauftragt, profitable Diagnosen zu stellen. Dieses Vorgehen ist nach Ansicht der Bundesregierung unrechtmäßig. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion an die Regierung hervor, die der DocCheck-Redaktion vorliegt.

Auslöser für die Anfrage der Fraktion an die Regierung war ein Artikel aus der „Welt am Sonntag“. Darin wurde berichtet, dass viele Kassen niedergelassenen Ärzten Boni zahlen, wenn diese ihren Patienten zusätzliche Diagnosen von Volkskrankheiten wie Diabetes, Adipositas oder Osteoporose stellen. Die Zeitung schrieb, dass offenbar viele Krankenkassen versuchen, den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (RSA) zu ihren Gunsten zu beeinflussen. In diesen Fonds werden gut 200 Milliarden Euro an Beiträgen eingebracht, die gesetzlich Versicherte pro Jahr an ihre Kassen zahlen. Das Geld wird dann, nach einem bestimmten Schlüssel, wieder an die Kassen ausgeschüttet – je nachdem, wie viele kranke Versicherte die jeweilige Kasse hat.

Vor diesem Hintergrund sind die Antworten der Bundesregierung auf die Anfrage der Linken-Fraktion besonders interessant: Die Zahl der Diagnosen, die für den Strukturausgleich relevant sind, ist deutlich gestiegen, seit es die umstrittenen sogenannten Betreuungsstrukturverträge zwischen Ärzten und Krankenkassen gibt. Von 2013 bis 2015 stieg die Zahl dieser Diagnosen um 4,6 Prozent und damit um rund die Hälfte stärker als der Durchschnitt aller Krankheiten.

Behandlungsbedürftige Folge nach Herzinfarkt

Und es gibt noch andere dubiose Taktiken, wie aus der Anfrage der Fraktion hervorgeht: „Eine weitere Strategie bieten Dienstleistungsunternehmen wie die Firma A. an. Sie machen laut der Welt am Sonntag ‚den Kassenmanagern ein Angebot, das äußerst attraktiv klingt: Sie wollen gegen Provision dafür sorgen, dass die Kasse viel Geld aus dem Finanzausgleich bekommt – zum Beispiel mithilfe von Callcentern, die Versicherte anrufen‘. So sollen zum Beispiel Versicherte nach einem ‚milden Herzinfarkt mit nur geringer Beeinträchtigung‘ kontaktiert werden, um ‚ihnen Angst zu machen‘ und sie trotz Beschwerdefreiheit zum Arztbesuch zu bewegen. ‚Das lohne sich, denn pro Patient gibt es für die Diagnose – behandlungsbedürftige Folge nach Herzinfarkt – 998 Euro‘,“ wie es in der Anfrage an die Regierung steht.

Ärzte-Prämien führen zu höheren Beiträgen                                                           Die Auswirkungen bewusster Fehldiagnosen sind letztendlich in den Geldbeuteln der Versicherten spürbar. Wie Wolfgang Schnaase vom Vorstand der Betriebskrankenkasse (BKK) erklärt, schlage sich dies in höheren Ausgaben für Ärztehonorare nieder und damit letztlich in höheren Beiträgen für die Versicherten. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) vermutet, zahlen Krankenkassen allein 900 Millionen Euro pro Jahr für Prämien an Ärzte.