+43-662-23457-8032 oder +49-221-732102

Migräne: Was gegen den Kopfschmerz hilft

Migräne wird oft belächelt, dabei ist sie eine ernstzunehmende und - wenn nicht richtig behandelt - belastende Krankheit.

Es ist ein pochender Kopfschmerz, der regelrecht außer Gefecht setzt: Zwölf Prozent der Deutschen leiden unter Migräne. Frauen öfter als Männer. Die anfallartigen Schmerzen können bis zu mehrere Tage andauern. FOCUS Online klärt, wie Migräne entsteht und was Betroffene wissen müssen.

  • Migräne ist eine ernstzunehmende neurologische Krankheit.
  • Bei fast jedem vierten Patienten tritt zusätzlich zur eigentlichen Migräne eine sogenannte Aura auf.
  • Migränepatienten könnten gegenüber der restlichen Bevölkerung einen evolutionären Vorteil im Leben haben, vermuten Experten.


Viele belächeln sie. Dabei ist sie eine ernstzunehmende Krankheit: Migräne. Fast jeder hatte schon einmal Kopfschmerzen. Der Kreislauf, starke Sonne oder auch mal ein Bier zu viel. machen unserem Kopf zu schaffen Doch für manche ist der stechende Schmerz ein wiederkehrendes Leiden. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen tritt er nach Tagen, Wochen oder Monaten periodisch auf und wird zu einer regelrechten Qual. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Migräne auf Platz sieben der Krankheiten, die uns in unserem Alltag am stärksten behindern. Deutschlandweit leiden sechs bis acht Prozent der Männer unter Migräne. Bei Frauen tritt die Krankheit mit zehn bis 15 Prozent deutlich häufiger auf.

Was ist Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Es handelt sich dabei um anfallartige Kopfschmerzen. Der Kopf pocht, pulsiert, hämmert. Meistens betreffen die Schmerzen nur eine Seite des Kopfes. Übelkeit und Lichtempfindlichkeit können die Kopfschmerzen begleiten. Inzwischen sind verschiedene Formen der Migräne bekannt. Bei einigen Patienten geht den anfallartigen Kopfschmerzen eine sogenannte Migräneaura voraus. Dabei treten typischerweise weitere Symptome wie zum Beispiel Sehstörungen auf.

Ursachen von Migräne

Die Wissenschaft forscht beständig an den genauen Ursachen von Migräne. Es gibt Hinweise darauf, dass die Genetik einen erheblichen Einfluss ausübt. Einige Menschen weisen eine Reihe von Risiko-Genen auf (bestimmte genetische Slots im Erbgut). Rein statistisch betrachtet haben diese Menschen ein 1,3-mal höheres Risiko an Migräne zu erkranken. Zwei Drittel aller Migränepatienten berichten über weitere Familienangehörige, die auch unter der Krankheit leiden, so Charly Gaul, Chefarzt der Migräne und Kopfschmerz Klinik Königstein. Die Masse der Patienten lasse sich aber alleine dadurch nicht erklären.

Ob die Krankheit ausbricht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Bei Kindern verzeichneten Ärzte in den vergangenen Jahren eine gestiegene Zahl. Da die Lebensbedingungen (mehr Stress, erhöhte Erwartungen im Arbeitsleben, usw.) heute anders sind, sei laut Gaul auch bei Erwachsenen zu erwarten, dass Migräne in Zukunft bei mehr Menschen ausbrechen wird. Natürlich wird die Krankheit heute dank des wissenschaftlichen Fortschritts auch besser erkannt.

Übererregbarkeit des Gehirns

Physiologisch betrachtet leiden Migränepatienten an einer Übererregbarkeit des Gehirns. Es reagiert sehr sensibel auf Reize, es treten Reizverarbeitungsstörungen auf. Entgegen verbreiteter Annahmen handelt es sich nicht um eine Störung der Durchblutung. Migränepatienten verfügen über ein regelrechtes Hochleistungsgehirn. In ihren Gehirnen laufen viele Vorgänge gleichzeitig ab. Das Gehirn braucht dann ganz natürlich auch mal eine Pause zum Abschalten. Daher leitet der Körper dann durch einen Migräneanfall eine Art „Notaus“ ein.

Laut Gaul kann es aber nicht nur Nachteile haben, unter Migräne zu leiden. Eine Krankheit, die seit Jahren vorrangig vor dem 40. Lebensjahr auftritt und sich bei den Betroffenen hält, müsse evolutionär betrachtet auch einen Nutzen bergen. Die Migräne ist möglicherweise der Preis für das Hochleistungsgehirn, das den Betroffenen sonst im Alltag auch Vorteile verschaffen kann.

Beim eigentlichen Migräneanfall steigt die Aktivität bestimmter Botenstoffe im Gehirn. Daraufhin reagieren die Gehirngefäße und -häute mit Schmerz. Die Durchblutung verändert sich, ebenso die Bioelektrik der einzelnen Ionen, wie beispielsweise Natrium oder Kalium, im Gehirn.

Bestimmte Faktoren können Migräne auslösen. Experten sprechen auch von Triggern:

  • Schlafmangel
  • Stress
  • Flüssigkeitsmangel
  • Genetik
  • hormonelle Schwankungen (Menstruationszyklus bei Frauen)
  • Wetterlagen (z.B. Föhn)

Symptome von Migräne

Der ICD-Schlüssel (International Classification of Diseases), ein weltweit anerkanntes Diagnose­klassifikationssystem der WHO, unterteilt grundsätzlich zwei Arten der Migräne. Je nachdem,ob die Migräne von weiteren Symptomen begleitet wird, beziehungsweise sich vorher bereits ankündigt, sprechen Ärzte von einer Migräneaura.

Typische Symptome ohne Aura

  • Kopfschmerzen, meist halbseitig (Bei Kindern dauern die Migräneanfälle meist kürzer und betreffen beide Kopfseiten)
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Müdigkeit
  • Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel

Typische Symptome mit Aura

  • Sehstörungen mit Flimmersehen
  • Lähmungen
  • Schwindel
  • Sprachstörungen
  • Kribbeln in Armen und Beinen


Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. leiden ungefähr 15 bis 25 Prozent an einer Migräne mit Aura. Dabei treten zusätzlich zu den typischen Symptomen die genannten neurologischen Beschwerden auf.

Typisch ist, dass sie sich langsam entwickeln und sich in der Regel innerhalb einer Stunde wieder zurückbilden. Bei einer Aura entladen sich im Gehirn der Patienten sogenannte Depolarisationswellen. Dabei kommt es in den Ionenkanälen zu Fehlfunktionen, die die Nervenzellen stören. Das kann zu Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühlen führen.

Diagnose von Migräne

Treten die beschriebenen Symptome erstmalig gehäuft auf, sollten Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Dieser kann anhand Stärke, Art und Häufigkeit der Kopfschmerzen eine Migräne diagnostizieren. Neben einem Anamnesegespräch wird ein Arzt die Funktionen des Nervensystems untersuchen. Da die Häufigkeit der Anfälle von Patient zu Patient sehr stark variiert, gibt es aber viele undiagnostizierte Patienten. In seltenen Fällen stützen Mediziner ihre Diagnosen durch Ultraschall oder bildgebende Verfahren, wie Computer- oder Magnet-Resonanz-Tomografie.

Selbsthilfe und Hausmittel gegen Migräne

Tritt ein Migräneanfall ein, verstärkt Bewegung die Symptome, Ruhe und Dunkelheit lindern sie. Daher ziehen sich Betroffene am besten in einen ruhigen und dunklen Raum zurück. Pfefferminzöl auf den Schläfen und Schlaf können ebenfalls wohltuend wirken.

Langfristig können Migränepatienten Anfälle durch Entspannungsübungen, Akupunktur und Ausdauersport lindern. Auch sollten sie versuchen, Stress und Anspannung zu vermeiden, um Migräneattacken vorzubeugen.

Montag, 04.07.2016, 12:19 · von FOCUS-Online-Autorin Michaela Matus dpa / Oliver Killig